Diskussion um Tempo 30  Fahrradclub Aurich kritisiert Straßenbaubehörde

Eva van Loh
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Von Eva van Loh
| 04.10.2024 17:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eltern der Schüler des Auricher Gymnasiums Ulricianum fordern Tempo 30 auf der Von-Jhering-Straße. Foto: Heino Hermanns
Eltern der Schüler des Auricher Gymnasiums Ulricianum fordern Tempo 30 auf der Von-Jhering-Straße. Foto: Heino Hermanns
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Ein Antrag auf Tempo 30 vor dem Auricher Gymnasium wird sowohl von der Stadt als auch der Straßenbaubehörde skeptisch gesehen. Der ADFC äußert sich, positioniert sich aber nicht.

Aurich - Der ADFC Aurich kritisiert die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLSTBV) scharf. Die Behörde hatte auf einen Antrag des Elternrates des Ulricianum, das Tempolimit auf der Von-Jhering-Straße auf 30 herabzusetzen, mit Ablehnung reagiert. Albert Herresthal, Vorsitzender des ADFC Aurich, bezeichnet die Aussagen der Behörde als „entlarvend und erschütternd“. Trotz dieser Kritik ist allerdings unklar, ob der ADFC die Forderung der Eltern nach Tempo 30 unterstützt. Auf entsprechende Nachfrage sagte Herresthal: Der Fahrradclub habe sich noch nicht dazu positioniert, ob ein Tempolimit an dieser Stelle das Mittel der Wahl sei.

Ungeachtet der bislang fehlenden Positionierung des ADFC sieht Herrestahl falsche Prioritäten bei der Straßenbaubehörde. Die möchte an der Von-Jhering-Straße kein Tempolimit einführen, wie Sprecher Johannes Booken vor gut einer Woche auf Nachfrage sagte. Als einen Grund nannte er den Verkehrsfluss. Der würde durch ein Tempolimit an dieser Stelle im gesamten Stadtgebiet verändert werden. Herresthal sagt dazu: „Während sich die Eltern und der Schulleiter um die Sicherheit ihrer Kinder sorgen, hat die Straßenverkehrsbehörde nur den Verkehrsfluss des Kfz-Verkehrs auf der Bundesstraße im Blick.“ Die NLSTBV hat laut Herresthal den Auftrag, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer als Ziel zu verfolgen. Dazu gehörten auch der Fuß- und Radverkehr – also auch die Schüler des Ulricianum. Weiter heißt es: „Mit ihrer autofixierten Haltung kommt die Straßenverkehrsbehörde ihrer gesetzlichen Verantwortung nicht nach.“

Albert Herresthal: „Das halten wir für verantwortungslos“

Booken sagte zudem im Gespräch mit der Redaktion, dass sich Autofahrer erfahrungsgemäß ohnehin nicht an vorübergehende Tempolimits halten würden. Ein ähnliches Problem würde es somit auch auf der Von-Jhering-Straße geben. Die Strecke vor der Schule, die vom Elternrat für das Tempolimit angedacht war, ist nur ungefähr 300 Meter lang. Diese Argumentation hält Herresthal für „abenteuerlich“. Anstatt daraus „die Notwendigkeit verstärkter Tempokontrollen abzuleiten“, werde das Tempolimit schlechthin abgelehnt. „Das halten wir für verantwortungslos.“

Erst im Juni dieses Jahres sei im Straßenverkehrsgesetz festgeschrieben worden, dass die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer bei Entscheidungen zum Straßenbau über dem Verkehrsfluss stehe, führte Herresthal weiter aus. Daran solle sich auch die Straßenbaubehörde halten. Er sagt weiter: „Es wäre zu wünschen, dass die Straßenverkehrsbehörde zu ihrem gesetzlichen Auftrag zurückkehrt und sich nicht einseitig auf den Kfz-Verkehr fixiert.“ Der ADFC wünscht sich die Verkehrsbehörde „als fairen und unvoreingenommenen Partner für alle Fragen der Verkehrsführung und Verkehrssicherheit für Zufußgehende, Radfahrende und Kfz-Lenkende zugleich“.

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