Hamburg TV-Lehrer Hendrik Duryn kritisiert: „Lehrer sind Prügelknaben der Nation“
Hendrik Duryn verkörperte jahrelang Deutschlands bekanntesten Lehrer. Jenseits seiner Rolle als Pädagoge hat er eine klare Meinung zum deutschen Bildungssystem. Mit deutlichen Worten kritisiert er die Behandlung von Lehrkräften als „Prügelknaben der Nation“.
Hendrik Duryn, der jahrelang als TV-Lehrer die Zuschauer begeisterte, lässt im Interview kein gutes Haar am deutschen Bildungssystem. Zum Weltlehrertag spricht er Klartext: Warum er sich selbst nie als Lehrer sehen würde und was er am Bildungssystem ändern würde.
Frage: Sie verkörperten jahrelang die Rolle eines Lehrers. Sind Sie froh, den Lehrer nur zu mimen oder würden Sie gern selbst im Klassenraum stehen?
Antwort: Ja, ich bin froh, den Lehrer nur zu mimen, vielleicht sogar in Zukunft wieder. Ich bin eher ein emphatisch ungeduldiger Charakter. Die Bildung in unserem Land, die Schulen, vor allem die Lehrer sind immer mehr zu den Prügelknaben der Nation gemacht worden. Das würde ich nicht so geduldig hinnehmen, wie die sehr hart arbeitenden Lehrer unseres Landes das seit geraumer Zeit über sich ergehen lassen müssen. Ich würde eine sehr laute Kampagne ins Leben rufen, um den sogenannten Bildungsnotstand dort zu verorten, wo er herkommt. Und das Bildungsministerium aus dem politischen Ränkespiel herauslösen. Der eigentliche, humanistische Sinn der Bildung muss ins Zentrum des Lehrens gesetzt werden und nicht der sogenannte demokratische.
Frage: Sie spielten den Prototypen eines deutschen Pädagogen. Was macht für Sie einen guten Lehrer aus?
Antwort: Der „Lehrer“ aus dem TV ist für mich weniger der Prototyp dieses Berufsstandes. Dieser Stefan Vollmer hat von der Natur sehr viel Energie mitbekommen. Das, was ihn auszeichnet, ist, dass er diese Energie vollumfänglich für andere einzusetzen versucht. Das sehe ich aus meiner Lebensansicht als die Grundlage eines guten Lehrers, letztlich eines guten Menschen unabhängig vom Beruf.
Frage: Die Lehrerrolle in Ihrer Serie hat über die Jahre viele Menschen inspiriert. Sehen Sie in Deutschland eine Krise im Bildungssystem?
Antwort: Sogenannte Krisen bestehen zur Hälfte aus gefühlten Wahrheiten. Ich sehe keine Krise, ich sehe Herausforderungen auf der einen und zu wenig Verantwortung auf der anderen Seite. Da in Deutschland die Bildung immer noch ein Spielfeld für politische „Kriegsführung ist”, liegt diese „Krise“ im politisch und medialen Missbrauch der wichtigsten Ressource unseres Landes – der Bildung. Die Lehrer an der „Front“ kämpfen, hart, aufopferungsvoll und dabei zu oft gegen Windmühlen.
Frage: Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, um das Berufsbild des Lehrers attraktiver zu machen?
Antwort: Der Bildungsauftrag muss in fachlich kompetenten Händen liegen und nicht in politischen. Ein parteiloses Bildungssystem mit Fachpersonal kann das leisten. Es braucht ein einheitliches Bildungssystem ohne politischen Zugriff. Der Lehrerberuf selbst muss meiner Meinung nach für Schüler und Eltern attraktiv sein. Warum? Weil junge Menschen dadurch von Grund auf Lehrern Respekt entgegenbringen und Eltern sicher sein können, dass Lehrer mit einem hohen Selbstwertempfinden ihren Kindern genau dasselbe vermitteln. Selbstwert kommt aus Selbstbewusstsein.