Berlin  Was hat Boris Pistorius wirklich vor?

Rena Lehmann
|
Von Rena Lehmann
| 05.10.2024 12:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Will sich in Hannover das Mandat für den Bundestag sichern: Boris Pistorius (SPD). Warum nicht in Osnabrück? Foto: Izabella Mittwollen
Will sich in Hannover das Mandat für den Bundestag sichern: Boris Pistorius (SPD). Warum nicht in Osnabrück? Foto: Izabella Mittwollen
Artikel teilen:

Boris Pistorius gilt als stille Reserve für das Kanzleramt, das die SPD gerne behalten möchte. Jetzt will er in Hannover für den Bundestag kandidieren. Was das bedeutet – und was nicht.

Die leicht erregbare Hauptstadtpresse in Berlin gab sich alle Mühe, in die Bundestagskandidatur von Boris Pistorius eine Menge hineinzudeuten. Der Wahlkreis im Süden von Hannover, wo er sich im nächsten Jahr das Direktmandat sichern möchte, war schließlich einmal der von Kurt Schumacher. Und der war, wie sich die Älteren unter uns erinnern, schließlich einer der Gründerväter der Bundesrepublik, ein herausragender Sozialdemokrat. Unterstreicht hier nun Boris Pistorius ganz nonchalant die eigene Bedeutung für seine Partei im Hier und Jetzt? Sieht er sich tatsächlich als stille Reserve, falls der Bundestagswahlkampf mit Olaf Scholz so schlecht laufen sollte, wie es sich derzeit andeutet? 

Es wird kräftig spekuliert und das liegt vor allem daran, dass Pistorius selbst so wenig Anlass für Spekulationen liefert. Keine Spitze gegen Scholz, kein Satz, der im Ansatz erkennen ließe, er stünde für Höheres bereit, ist von ihm zu hören. 

Osnabrück freilich mag ihm die Kandidatur in der Landeshauptstadt etwas übel nehmen. Olaf Scholz, der in Osnabrück geboren ist, redet nur von Hamburg. Und dann kandidiert auch noch VfL-Fan Pistorius woanders. Alle ziehen sie weiter, vom Ruhm seiner Kinder profitieren andere Orte. Nun ausgerechnet Hannover!

Vordergründig heißt es, Pistorius habe dem jungen SPD-Abgeordneten Manuel Gava aus seiner Heimatstadt das erst frisch errungene Mandat nicht abspenstig machen wollen. Wahrscheinlich ist, dass Pistorius lieber in Hannover auf Nummer todsicher gehen will. Der Wahlkreis 42 im Süden Hannovers wurde noch nie von einer anderen Partei als der SPD gewonnen. Nicht einmal Ursula von der Leyen konnte hier für die CDU reüssieren. 

Ziemlich sicher ist damit also, dass Boris Pistorius dem nächsten Bundestag angehören wird. Alles andere ist genauso unklar wie zuvor. Ganz pragmatisch gesehen ist es so: Pistorius hat in Niedersachsen seine Ämter aufgegeben, um das Bundesverteidigungsministerium zu übernehmen. Gehört seine SPD der nächsten Bundesregierung nicht an, stünde er ohne ein Bundestagsmandat mit leeren Händen da. Und das als beliebtester Politiker des Landes. Der Mann denkt einfach mit. Aber auch wir haben nun genug herumspekuliert.

Ähnliche Artikel