Airbnb und Co. In Emden sind immer mehr Wohnungen Urlauber-Unterkünfte
Der Nachbar zieht aus und plötzlich hat die Wohnung fast täglich neue Mieter: Urlauber. Auch in Emden merkt man den „Airbnb“-Trend. Das heißt auch: Wohnraum wird noch knapper.
Emden - Wer auf Internetplattformen wie „Airbnb“ und „booking.com“ nach Emden sucht, findet eine Vielzahl an Übernachtungs-Angeboten. Immer häufiger ist ein privater Vermieter angegeben und das Urlaubs-Domizil ist in einem Privathaus oder einer Privatwohnung.
Den Trend kennen Urlaubsorte entlang der Küste oder die ostfriesischen Inseln längst, doch auch in Emden nimmt er spürbar zu. „Es ist Wahnsinn, wie viele dazugekommen sind“, sagt beispielsweise Janika Walter vom Restaurant und Hotel Goldener Adler als erste Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands Emden. Nicht nur merken sie und ihre Berufskollegen, dass es früher „wesentlich mehr Anfragen gab“, auch für Mitarbeiter Wohnungen in Emden zu finden sei immer schwieriger, weil viele für Urlauber genutzt werden. Wir haben uns das genauer angesehen.
Wo können Urlauber übernachten?
Insbesondere auf der Plattform „Airbnb“ sind viele private Anbieter gelistet, deren Wohnungen größtenteils in der Stadtmitte sowie angrenzenden Stadtteilen wie Faldern, Wolthusen und Constantia, aber auch in Vororten wie Petkum und Larrelt liegen. Für eine Buchung vom 6. bis 8. November 2024 sind aktuell (Stand 7. Oktober, 18 Uhr) fünf Angebote in Constantia online, drei in Jarssum, acht allein in Delft-Nähe und insgesamt fast 30 innerhalb des Wallrings. Es können ganze Häuser, Wohnungen oder beispielsweise nur ein Zimmer mit geteiltem Bad gemietet werden. Aktuell gibt es für den Zeitraum vom 6. bis 8. November mehr als 50 angebotene Unterkünfte in Emden.
Bei „booking.com“ beispielsweise tauchen auch mehr Hotels und gewerbliche Vermieter auf. Im selben Zeitraum gibt es dort mehr als 80 Angebote. Zur Erinnerung: Emden hat nur etwas mehr als 20 Hotels. Entsprechend viele Ferienwohnungen und Zimmer kommen privat oder gewerblich hinzu.
Wie teuer ist das?
Die Preise variieren bei „Airbnb“ stark: Für eine Nacht im Zimmer mit geteiltem Bad zahlt man beispielsweise im November um die 30 oder 40 Euro, für eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern um die 80 Euro oder ein Ferienhaus 100 Euro und mehr. Je nach Zeitpunkt, Anzahl der Tage und Lage sehen die Preise noch einmal anders aus. Auch bei „booking.com“ ist für den Zeitraum zwischen 55 und mehr als 200 Euro pro Nacht alles möglich.
Wenn die Übernachtungssteuer in Emden ab 1. Januar 2025 gilt und damit 3,5 Prozent der Übernachtungskosten an die Stadt abgeführt werden müssen, könnten noch mehr Urlauber private, nicht angemeldete Unterkünfte bevorzugen, fürchtet Janika Walter vom Dehoga. Denn: Während die Hotels und angemeldeten Ferienwohnungen dann stärker zu Kasse gebeten werden und das oftmals an die Übernachtungsgäste weitergeben müssen, könnten die „schwarz geführten“ Unterkünfte ihre Preise womöglich niedriger halten. Selbst wenn die Stadt diese überprüft, könnten die Betreiber über ihre tatsächlichen Einnahmen lügen, meint Janika Walter. „Oft ist eine Barzahlung erwünscht.“ Wie die Stadt das dann kontrollieren und das auch personell leisten will, fragt sie sich.
Was ist das Problem?
In anderen Städten wird „Airbnb“, „booking.com“ und Co. schon der Kampf angesagt. Denn: Auf einem angespannten Wohnungsmarkt geht noch mehr Wohnraum verloren für Urlauber, die im Verhältnis zur monatlichen Miete für ihre Übernachtungen deutlich mehr zahlen. Weil es für die Vermieter wirtschaftlich also meist lohnender ist, werden aus immer mehr Privatwohnungen Urlaubs-Unterkünfte.
Bleiben wir bei der Übernachtung für rund 40 Euro pro Nacht für ein Zimmer mit geteiltem Bad, dann könnte der Vermieter rund 1200 Euro durch Urlauber einnehmen. So viel zahlt man teilweise als Monatsmiete für eine ganze Wohnung am Neuen Delft in bester Lage. Im Gegenzug heißt es auch, dass nicht nur der Wohnraum knapp wird, sondern sogar Mietpreise steigen können.
Da nicht alle der Vermieter ihre Zimmer, Wohnungen und Häuser auch offiziell angemeldet haben, wurden die Unterkünfte zum einen nicht vor Erstbezug etwa auf ihre Sicherheitsvorkehrungen überprüft. Zum anderen zahlen die Vermieter auch keine Abgaben und Steuern. Die Einnahmen werden also an der Stadtkasse vorbeigeführt. Außerdem stellen sie eine Konkurrenz für bestehende gewerbliche und offiziell angemeldete Betriebe dar – wie etwa Hotels.
Wie sieht man das in Emden?
2019 sah man das in Ostfriesland allgemein noch entspannt. Fehlende Wohnungen gerade in den Innenstädten sind zwar auch in der Region ein Thema, zum Beispiel in Leer und Emden. Damals gab es aber noch keine Bestrebungen, dem einen Riegel vorzuschieben. „So groß ist die Wohnungsnot in Leer dann doch nicht“, sagte eine Sprecherin der Stadt Leer damals auf Anfrage. Aus Emden hieß es, dass keine Verknappung des Wohnraums durch „Airbnb“-Vermietungen gesehen werde. Janika Walter fürchtet, dass damals geschlafen wurde. „Man hätte schon früher dagegen angehen müssen“, findet sie. Wie sieht die Stadt das jetzt?
„Dieser Trend ist auch für uns erkennbar“, schreibt Stadtsprecherin Theda Eilers. Über vermehrte Anträge für Nutzungsänderungen von Häusern erlebten sie beispielsweise einen Zuwachs dieser Angebote. Zusätzlich gebe es auch in Emden Fälle, in denen diese Unterkünfte ohne entsprechend beantragte Nutzungsänderung beziehungsweise gewerberechtliche Anmeldung angeboten würden. „Hier werden uns immer wieder mal konkrete Fälle angezeigt oder bekannt. Diesen Sachverhalten wird dann nachgegangen“, erklärt sie. Grundsätzlich bemerkten sie hier zwar einen Zuwachs, hielten den Zustand aber noch nicht für besorgniserregend, so Eilers.
Im Zuge der durch den Rat beschlossenen Übernachtungssteuer laufe aktuell eine umfassende Bestandsaufnahme durch die Stadt Emden, daher lägen ihnen momentan noch keine spezifischen Zahlen vor, die die genaue Verteilung von angemeldeten und nicht angemeldeten Ferienwohnungen aufzeigten. „Es ist hier aber unser Anspruch, diese Recherchen ganz genau und kritisch umzusetzen“, betont die Sprecherin. Es sei deutschlandweit eine Herausforderung, mehr Transparenz in den Markt für kurzfristige Vermietungen zu bringen. „Der Rat und das Europäische Parlament haben sich im November vergangenen Jahres auf die Einrichtung neuer, einheitlicher Registrierungsanforderungen geeinigt, um mehr Transparenz zu schaffen. Das begrüßen wir“, so Theda Eilers.