Tiere gesichtet  Seniorenhuus Greetsiel – stoppen Fledermäuse das Vorhaben?

| | 10.10.2024 14:01 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So soll das ehemalige Seniorenhuus nach seiner Umgestaltung einmal aussehen. Grafik: Krause
So soll das ehemalige Seniorenhuus nach seiner Umgestaltung einmal aussehen. Grafik: Krause
Artikel teilen:

In dem einstigen Seniorenhuus in Greetsiel sollen Appartements entstehen. Dagegen wehrt sich das Aktionsbündnis. Könnten Eulen- und Fledermaussichtungen das Vorhaben des Investors stoppen?

Greetsiel - Es ist jetzt ziemlich genau zwei Jahre her, dass die Einwohnerinnen und Einwohner des einstigen Seniorenhuus in Greetsiel darüber informiert wurden, dass sie zum Jahreswechsel 2022/2023 ihre Koffer packen müssen. Man habe sich entschlossen, die Einrichtung für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen zu schließen, hieß es damals von dem Pflegeheimbetreiber Sander Pflege.

Im März 2023 wurde den Mitarbeitenden und den Bewohnerinnen und Bewohnern mitgeteilt, dass die Einrichtung schließen wird, im August 2023 wurde bekannt, dass in dem einstigen Pflegeheim 32 Ferienwohnungen entstehen sollen. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist das Seniorenhuus Streitthema. Viele Greetsielerinnen und Greetsieler wollen diese Umgestaltungspläne des Inhabers Gunnar Sander aus Emsdetten nicht hinnehmen. Unter anderem gründete sich ein Aktionsbündnis zum Erhalt der Einrichtung, das im September 2023 eine Demonstration in Greetsiel organisierte.

Investor hofft auf Baustart des Seniorenhuus Anfang 2025

Auch nachdem Sander im März 2024 bei einem Pressegespräch die konkreten Umgestaltungspläne für die ehemalige Pflegeeinrichtung im Ortskern des Fischerdorfs präsentierte, spitzte sich der Streit wieder zu. Im Erdgeschoss soll auf 300 Quadratmetern ein großer Gastronomiebereich für circa 120 Gäste entstehen. Außerdem sind 22 Wohnungen und zwölf Apartments auf drei Stockwerken geplant, die theoretisch auch für Dauerwohnen ausgelegt und barrierefrei sein sollen. Auf der Website seiner Firma „IKP-Bauinvest“ wird das Seniorenhuus bereits vermarktet. Anfang Juni 2024 teilte der für die Genehmigung zuständige Landkreis Aurich mit, dass ein entsprechender Bauantrag gestellt wurde. Das Aktionsbündnis sprach von einer „Verschandelung“ Greetsiels. Was hat sich getan und wie ist der Stand der Dinge?

Wie Investor und Inhaber Gunnar Sander nun noch einmal auf Nachfrage bestätigt, wurde der Bauantrag nach Abstimmung mit Rathaus und Touristik eingereicht. Derzeit werde dieser beim Landkreis bearbeitet. Erfahrungsgemäß sei mit sechs bis zwölf Monaten Bearbeitungszeit zu rechnen, „so dass wir hier noch im Zeitrahmen sind“. Erst nach Vorliegen der Baugenehmigung sollen die weiteren Schritte, also etwa der Verkauf der Appartements, angegangen werden, so Sander. Er hoffe, Anfang 2025 mit dem Umbau starten zu können. Ansonsten gebe es aus seiner Sicht nichts Neues zu berichten, seine Pläne hätten sich nicht geändert.

Aktionsbündnis zum Erhalt des Seniorenhuus in Greetsiel: Fledermäuse gesichtet

Das Aktionsbündnis zum Erhalt des Seniorenhuus, das sich im August 2023 gegründet hatte, hat die Hoffnungen derweilen noch nicht aufgegeben. Darüber hatten die Mitglieder des Aktionsbündnisses bei einem Treffen im Greetsieler Feuerwehrhaus am Dienstag, 8. Oktober 2024, noch einmal gesprochen. Sie wollen ihren Protest in der Sache nicht einschlafen lassen, so der Tenor. Auch, wenn es möglicherweise „vergebene Lebensmüh“ sein könnte, wie etwa Ingrid Jütting sagte.

Besonders im Fokus ist bei dem Bündnis der für das Vorhaben notwendige Parkplatz auf der Grünfläche neben dem historischen und denkmalgeschützten Steinhaus. Die Hoffnung des Aktionsbündnisses ist es, dass der Parkplatz nicht genehmigt wird. Unklar sei etwa, ob die für die Genehmigung notwendigen archäologischen Untersuchungen auf der denkmalgeschützten Warf bereits stattgefunden hätten und was diese ergeben haben. Außerdem sei dem Aktionsbündnis zu Ohren gekommen, dass auf der aktuell ziemlich zugewucherten Freifläche sowohl Eulen, als auch Fledermäuse gesichtet wurden.

Fledermäuse stehen unter besonderem Schutz. Foto: Pia Bayer/dpa
Fledermäuse stehen unter besonderem Schutz. Foto: Pia Bayer/dpa

Vertreiben von Fledermäusen nur in Ausnahmefällen möglich

Denn: Laut Umweltministerium gibt es für das Vertreiben von Fledermäusen nur in besonderen Fällen Ausnahmegenehmigungen, wie etwa bei „unzumutbaren Belastungen oder überwiegendem öffentlichen Interesse“. Die Habitate von Fledermäusen seien, da sie wiederkehrend die gleichen Standorte nutzen, auch während ihrer Abwesenheit geschützt. Das wird auch in Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes festgelegt. Demnach stehen alle europäischen Fledermaus- und Greifvogelarten, also auch Eulen, unter strengem Schutz.

Sollte sich die Eulen- und Fledermaussichtung also bestätigen, dürfte das also in jedem Fall Auswirkungen auf den Genehmigungsprozess in Greetsiel haben. Wir haben dazu eine Anfrage an den Landkreis gestellt, ob dort das Aufkommen dieser Tiere bekannt ist und wie das Vorgehen in solchen Fällen ist. Eine Antwort steht noch aus. Außerdem haben wir angefragt, wie der Stand der Dinge in Sachen Baugenehmigung und archäologische Untersuchung ist. Auch hier warten wir auf Antworten.

Frank Schoof vom Aktionsbündnis, der auch fbl-Ratsherr ist, will diese Fragen nun via Antrag bei der nächsten nichtöffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschuss auf die Tagesordnung bringen. „Ich will sagen können, wir haben alles versucht“, sagte auch Alfred Jacobsen, ebenfalls Ratsmitglied (SPD).

Ähnliche Artikel