Influencer aus Emden Eine Milliarde Aufrufe – so geht es für die „OP Bros“ weiter
Nach nicht mal einem Jahr bei Tiktok, Instagram und Facebook haben Alan Khalil aus Emden, Irfan-Zeki Gök und die anderen „OP Bros“ rund eine Milliarde Views für ihre Videos. Jetzt gibt es eine Serie.
Emden - Der Erfolg der Social-Media-Stars „OP Bros“ ist ungebrochen und ein Ende ist nicht in Sicht: Erst im November 2023 war der erste Tiktok-Clip von Alan Khalil aus Emden und Irfan-Zeki Gök, besser bekannt als Olis, aus Delmenhorst online gegangen. Schon jetzt hätten sie auf ihren Social-Media-Kanälen für alle Videos insgesamt rund eine Milliarden Aufrufe, sagt Khalil im Gespräch mit dieser Zeitung. Das meistgeschaute Video bei Instagram hat fast 70 Millionen Aufrufe.
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Doch das sind nicht die einzigen beeindruckenden Zahlen, die Alan Khalil parat hat. Sie hätten mittlerweile 260 Millionen Menschen weltweit erreicht, das ließe sich in der Auswertung der unterschiedlichen Plattformen nachvollziehen. Das seien drei Prozent der Weltbevölkerung. Und: Sie hätten die größte Social-Media-Präsenz der Welt, der so viele Ärzte und Pflegekräfte folgen, sagt er. Und das ist erst der Anfang.
Was sind das überhaupt für Videos von den „OP Bros“?
Das ganze Social-Media-Projekt war vor knapp einem Jahr eigentlich als Marketing-Idee für eine medizinische Leiharbeiterfirma aus Emden gestartet. Khalil und sein Kollege Olis werden als Operationstechnische Assistenten (OTA) in unterschiedliche Krankenhäuser in Deutschland „ausgeliehen“. Die kurzen Clips zeigen nachgestellte und zugespitzte Situationen aus dem Krankenhaus- und OP-Saal-Alltag. Gut 95 Prozent der Videos sind auf Englisch, also mit englischen Beschreibungen, um das internationale Publikum zu erreichen.
@die_opbros Ich kann das nicht mehr #op #ota #arzt #pflege #krankenhaus #krankenschwester #nurse ♬ Originalton - Die_OpBros
Das meistgeschaute Video bei Instagram zeigt beispielsweise eine kurze Szene, in der ein Arzt im sterilen OP-Saal seinen Latex-Handschuh versehentlich fallen lässt und Olis als OTA noch nicht steril den Handschuh fängt und dem Chirurg in die Hand drückt. Die Sterilität ist also dahin. „Hoffentlich lobt er mich“, steht auf Englisch dabei. „Bei der Arbeit bin ich sehr strikt und sehr ernst, sehr auf Sterilität bedacht“, erklärt Alan Khalil, der sich viele Ideen zu den Clips ausdenkt. Die Videos spiegelten also nicht wieder, wie sie tatsächlich arbeiteten, sondern seien humorvoll gedacht. Das scheint bei den medizinischen Followern voll ins Schwarze zu treffen.
Wie geht‘s für die „OP Bros“ weiter?
Die große Reichweite und vielen Aufrufe haben spannende Folgen: Nicht nur wollen immer mehr Influencer aus dem Medizinbereich bei den Clips mitmachen. Auch wollen Klinik-Teams von den „OP Bros“ in Sachen Social Media geschult werden und mehr Klinik-Leitungen bieten ihre OP-Säle als Drehorte an, erklärt der Emder. „Die Macht von Social Media wird von einigen Kliniken noch nicht verstanden, andere wollen es nutzen“, sagt er.
Das Image einer Klinik verbessern, mehr Personal finden: Durch die Internetplattformen sei so etwas möglich. Auch Firmen aus der Medizin-Branche hätten sie längst als Werbe-Plattform erkannt. Ihre Devise dabei: „Der Follower darf nicht denken, dass man ihm was verkaufen will.“ Die Produkte würden nur beiläufig in die Geschichte des jeweiligen Clips eingebaut.
Ein aktuelles Projekt: eine „OP Bros“-Serie. Dafür drehen sie Videos, die bis zu zehn Minuten lang sind, für die Plattform Youtube. Der Look ist darin komplett anders als bei den vorigen kurzen Clips: Hier sieht es schon mehr wie eine TV- oder Streaming-Sendung aus. Drei Kameramänner haben gleichzeitig gedreht. Was sie damit vorhaben, will Alan Khalil noch nicht verraten. Nur so viel: Es soll etwas Großes sein.
Und bald hauptberuflich Influencer?
Sein Kumpel Olis könne sich langfristig vorstellen, nur noch von Social Media zu leben, erklärt der Emder. Für Alan Khalil aber ist die Social-Media-Präsenz eher Mittel zum Zweck, sagt er. Er möchte damit sein Netzwerk für die Leiharbeits-Firma aufbauen und sich geschäftlich weiterentwickeln. Auch gefalle ihm sein Job als OTA weiterhin.
Nur noch Social Media würde ihm nicht reichen. „Es macht vielleicht ein bis zwei Prozent von meinem Leben aus. Ich habe zwei Kinder und einen Job“, erklärt er. Er könne auch nicht ganz verstehen, wie andere Influencer meinen, im Stress zu versinken.