Vor Ulricianum Stadt Aurich will über temporäres Tempolimit nachdenken
Nächste Woche spricht das Ordnungsamt noch einmal über die Verkehrssicherheit vor dem Gymnasium. Auch über Tempo-30 nur zu Schulbeginn und -ende. Die alten Argumente gelten aber noch.
Aurich - Die Stadt Aurich wird in der kommenden Woche noch einmal über das vom Elternverein des Gymnasiums Ulricianum geforderte Tempolimit auf der Von-Jhering-Straße sprechen. Die Ergebnisse sollen nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht im Verkehrsausschuss am 24. Oktober im Energie-Erlebnis-Zentrum vorgestellt werden.
Lücht bekräftigte auf Nachfrage aber noch einmal die Argumente der Stadt: Es handele sich um eine vierspurige vielbefahrene Straße mit mehreren Ampelquerungen auf kurzer Strecke. Es sei nicht festgestellt worden, dass dort – außer vielleicht in Einzelfällen – zu schnell gefahren werde. Auch handele es sich nicht um einen Unfallschwerpunkt. Daher spreche aus Sicht der Stadt einiges für Tempo-50.
Lücht: Elterntaxis schneiden den Rad- und Fußgängerverkehr nicht
Durch die Änderung des Straßenverkehrsgesetzes sei die Einrichtung von Tempo-30 auf Bundes- und Landesstraßen zwar ermöglicht worden. An Grundschulen habe die Stadt die Geschwindigkeitsbegrenzung auch eingeführt. Das liege aber auch daran, dass es dort direkt an der Schulzufahrt viele Elterntaxis gebe. Beim Ulricianum erfolge die Abholung durch Eltern auf dem hinteren Parkplatz, während die Fußgänger und Radfahrer die Schule überwiegend nach vorne verlassen. Diese Verkehrsströme würden sich also nicht kreuzen, so Lücht.
Noch nicht diskutiert worden sei bisher über ein zeitlich befristetes Tempolimit zu Schulbeginn und Unterrichtsende. Dieser Vorschlag war am vergangenen Sonnabend im ON-Kommentar „Nachgefasst“ gemacht worden. Dort hieß es, dass durch elektronische Anzeigentafeln das Tempolimit zu den Stoßzeiten heruntergeregelt werden könne. Anders als Verkehrszeichen mit Zusatzschild könne das System dann so programmiert werden, dass es am Wochenende und in den Ferien durchgehend Tempo-50 anzeigt.
Technisch sei dies wohl möglich, meint Lücht. Er werde sich das zusammen mit den Kollegen durch den Kopf gehen lassen – ergebnisoffen.
Landesbehörde bleibt bei Ablehnung
Die Stadt Aurich ordnet die Beschilderung an der Bundesstraße an. Mitglied der Verkehrssicherheitskommission ist neben der Polizei aber auch die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) als Straßenbaulastträgerin. Ihr Sprecher Johannes Booken bekräftigte die ablehnende Haltung gegen ein Tempolimit mit Blick auf den innerstädtischen Verkehrsfluss auf der Bundesstraße. Tempo-30 in einem Bereich würde den gesamten Verkehrsfluss verändern, was Auswirkungen auf die Ampelschaltungen habe.
Zuständig für die Beschilderung sei die Verkehrsbehörde der Stadt Aurich. „Die NLStBV möchte aber nochmals darauf hinweisen, dass aus unserer Sicht kein Handlungsbedarf für eine Reduzierung des Tempolimits besteht, da keine Gefährdungslage vorhanden ist“, so Booken. Auch bei einem temporären Tempolimit bestehe zudem die Gefahr, dass der Verkehr in diesen Phasen von der Bundesstraße auf Schleichwege ausweiche.
Elternrat: Temporäres Tempolimit wäre besser als nichts
Der Schulelternratsvorsitzende des Ulricianums, Alwin Müller, vertritt weiter die Meinung, dass die Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Von-Jhering-Straße vor der Schule dringend notwendig sei, um die Sicherheit der Schüler zu gewährleisten. Dieser Bedarf werde insbesondere zu den Stoßzeiten morgens zwischen 7.15 Uhr und 7.45 Uhr sowie mittags von 13.30 Uhr bis 13.50 Uhr deutlich, wenn die Schüler das Schulgelände betreten oder verlassen, so Müller. Er wünsche sich ein dauerhaftes Tempolimit, da es an der Stelle zu allen Tageszeiten Raser gebe. „Jedoch muss betont werden, dass, wenn eine ständige Tempo-30-Regelung nicht umsetzbar erscheint, alternative Lösungen wie elektronische Verkehrszeichen in Erwägung gezogen werden können. Diese könnten dynamisch an die verkehrsreichen Zeiten angepasst werden und so die Sicherheit erhöhen, ohne den Verkehrsfluss permanent zu beeinträchtigen.“ Dies könne laut Müller getestet werden und bei Bedarf um weitere Zeiten mit größeren Schülerbewegungen erweitert werden.
„Diese Anliegen sind nicht nur emotional, sondern auch gesetzlich fundiert“, so Müller. Die Eltern hätten das Gesetz auf ihrer Seite. Er lädt die Stadt Aurich und die NLStBV zu einem konstruktiven Dialog ein, um „gemeinsam eine Lösung zu finden, die die Sicherheit unserer Kinder gewährleistet“.