„Einer unserer Helden“  Ostfriesen trauern um Idol und Freund Dieter Burdenski

| | 10.10.2024 20:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dieter Burdenski (Zweiter von vorne rechts) stand zwischen 1972 und 1988 im Tor von Werder Bremen. Eine Zeit lang bildete auch Ostfriese Hermann Rülander (Zweiter von vorne links) ein Torwart-Team mit „Budde“. Dieses Foto entstand vor der Saison 1981/1982. Foto: Privat
Dieter Burdenski (Zweiter von vorne rechts) stand zwischen 1972 und 1988 im Tor von Werder Bremen. Eine Zeit lang bildete auch Ostfriese Hermann Rülander (Zweiter von vorne links) ein Torwart-Team mit „Budde“. Dieses Foto entstand vor der Saison 1981/1982. Foto: Privat
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Zwei Ostfriesen bildeten mit Legende Dieter Burdenski einst ein Torwart-Team bei Werder Bremen. Für einen der beiden, Hermann Rülander, bleiben von „Budde“ zweierlei Sachen besonders in Erinnerung.

Ostfriesland - Keine zwei Monate nach dem überraschenden Tod von Willi Lemke hat die Werder-Welt am Mittwochabend erneut eine Trauerfall-Nachricht erschüttert. Werder Bremens Torwart-Legende und Rekordspieler Dieter Burdenski verstarb im Alter von 73 Jahren – vermutlich an einem Herzinfarkt. „Das hat uns geschockt. Noch am Samstag hatten wir ihn im Weserstadion gesehen“, sagte Manfred Kramer. Er ist Vorsitzender des Fanclubs „Werder-Ossis“ in Leer. Am Sonntag war der Fanclub mit 25 Personen zum Fußball-Bundesliga-Heimspiel nach Bremen gegen den SC Freiburg (0:1) gefahren, vor dem die Bremer DFB-Pokalsieger-Mannschaft von 1999 geehrt und gefeiert wurden – mit dabei war auch Burdenski.

„Er war einer der größten Werderaner aller Zeiten. Vor allem für unseren Fanclub ist er eine besondere Person. Die ‚Werder-Ossis‘ gibt es seit 1979. Es war eine der schlechtesten Werder-Zeiten – und in dieser Phase war Burdenski das absolute Aushängeschild von Werder“, führte Manfred Kramer aus. „Burdenski ist einer unserer Helden.“

Burdenski fiel nur höchstselten aus

Dieter Burdenski stand zwischen 1972 und 1988 im Kasten von Werder Bremen, bestritt 444 Bundesliga-Spiele für den SVW. Damit ist Burdenski Rekordspieler, zudem wurde er später zu Werders Ehrenspielführer ernannt. Zwölfmal trug Burdenski, der am Sonntag in seinem Geburtsort Bremen verstarb, das Trikot der deutschen Nationalmannschaft.

Zwei Ostfriesen hatten das Privileg, mit Dieter Burdenski einst zusammen ein Torwart-Team beim SV Werder Bremen zu bilden: Albert Voß aus Ihlowerfehn und der gebürtige Burlager Hermann Rülander. Die Rollen waren klar verteilt: Burdenski war die absolute Nummer eins beim SVW. Dass er mal nicht einsatzbereit war, kam höchstselten vor. Aber es kam mal vor. Voß durfte 1977 einmal für Werder in der Bundesliga auflaufen, als Burdenski krankheitsbedingt fehlte. Rülander kam zu zwei Einsätzen für Werder in der Bundesliga: Nach seinem 14-Minuten-Debüt am 7. November 1981 beim 1:1 gegen den 1. Köln durfte der damals 21-jährige Ersatzkeeper eine Woche später in Frankfurt (2:9) von Beginn an spielen. Burdenski hatte wegen eines Kieferbruchs gefehlt.

Mit Werders Traditionself kam Dieter Burdenski (rechts) mehrfach im Jahr nach Ostfriesland. Im vergangenen Jahr war er auch bei Germania Leer (links 2. Vorsitzender Ferhat Özdemir) zu Gast. Foto: Lohmann
Mit Werders Traditionself kam Dieter Burdenski (rechts) mehrfach im Jahr nach Ostfriesland. Im vergangenen Jahr war er auch bei Germania Leer (links 2. Vorsitzender Ferhat Özdemir) zu Gast. Foto: Lohmann

„Budde“ war ein „absoluter Vollprofi“

„Die Nachricht von seinem Tod hat mich sehr getroffen“, sagte Hermann Rülander am Donnerstag. „Ich habe gestern auch schon mit dem ein oder anderen Werderaner gesprochen. Ich möchte auch gerne bei der Beerdigung von ‚Budde‘ dabei sein.“ Bis zu seinem Tod hatte Rülander immer mal wieder Kontakt zu Burdenski. „Wir haben hin und wieder mal telefoniert. Wenn man mal einen Rat gebraucht hat.“ Es gab auch gegenseitige Besuche. Zuletzt hätten sich Rülander und Burdenski „etwa zwei-, dreimal im Jahr“ gesehen. „Beispielsweise im Stadion oder wenn er mal mit der Traditionsmannschaft unterwegs war“, schilderte Rülander, der in Papenburg lebt. „Dann haben wir uns gedrückt und gesagt: ‚Mensch, wie schön, dass es uns beiden gut geht.‘ Nun ist er nicht mehr da. Was für ein Verlust.“

Für Rülander bleiben von Dieter Burdenski zweierlei Sachen besonders in Erinnerung. „‚Budde‘ war ein absoluter Vollprofi. Er hat seinen Job sehr ernst genommen. Er war immer mindestens 45 Minuten eher da, bevor es auf den Platz ging – hat Übungen gemacht, sich gedehnt. Er ist Werder Rekordspieler geworden, weil er als Profi so war wie er war“, nannte Rülander die „Fußballer-Seite“ des Dieter Burdenski. „Auf der anderen Seite ist er einfach Mensch geblieben. Er war Respektsperson und für jeden da. Als Torhüter waren wir gewissermaßen auch Konkurrenten. Doch er hat mich immer voll unterstützt.“

Burdenski zur Sportplatz-Einweihung in Holterfehn

Über den guten Draht von Hermann Rülander zu Dieter Burdenski wurde es möglich, dass Werders Torwart-Legende 1988 zur Einweihung des dritten Sportplatzes des TSV Germania Holterfehn als Ehrengast kam. „Das war für uns eine Riesensache. In dem Sommer hatte Burdenski gerade bei Werder aufgehört“, erinnert sich Hans-Werner Koppelkamm, der damals TSV-Vorsitzender war und heute Ehrenvorsitzender ist. „Ein paar Mal habe ich ihn in Bremen getroffen, um alles zu planen. Vor der Einweihung habe ich Dieter Burdenski dann in Sedelsberg abgeholt. Wir haben noch bei mir einen Kaffee getrunken und dann wurde bei der Einweihung des Sportplatzes noch ein Elfmeterschießen gemacht“, so Koppelkamm. Mit Jörg Müller konnte ein Holterfehner Spieler den ehemaligen Nationaltorhüter überwinden. „Das brachte ihm sogar den Spitznamen ‚Budde‘ ein, wie Dieter Burdenski ja genannt wird“, sagt Hans-Werner Koppelkamm.

Auch nach seiner aktiven Karriere war Dieter Burdenski immer wieder präsent beim SV Werder Bremen und auch ab und zu in Ostfriesland. Burdenski leitete die Traditionself von Werder Bremen, mit der er in diesem Sommer beispielsweise beim VfB Uplengen zum 100-jährigen Klubbestehen antrat.

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