Denkmalschutz und Fledermäuse  So geht es beim Seniorenhuus in Greetsiel weiter

| | 11.10.2024 16:04 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das ehemalige Seniorenhuus in Greetsiel. Hier sollen Appartements entstehen. Foto: Archiv/Wagenaar
Das ehemalige Seniorenhuus in Greetsiel. Hier sollen Appartements entstehen. Foto: Archiv/Wagenaar
Artikel teilen:

Nachdem das Aktionsbündnis zum Erhalt der Einrichtungen Fledermäuse gemeldet hatte, äußert sich nun der Landkreis dazu. Auch das Ergebnis der archäologischen Untersuchung liegt nun vor.

Greetsiel - In dem einstigen Seniorenhuus in Greetsiel sollen Appartements entstehen, auf einer benachbarten Grünfläche die dafür notwendigen Parkplätze. Das passt vielen Greetsielerinnen und Greetsielern nicht. Was sagt der Landkreis Aurich zum Stand des Bauantrags und zu möglichen Sichtungen von geschützten Tieren wie Eulen und Fledermäusen auf dem betroffenen Grundstück?

Wie ist der Stand der Dinge beim Bauantrag?

Nach Auskunft von Lennart Adam, Presseprecher des Landkreises, befindet sich der Bauantrag zur Umgestaltung des früheren Pflegeheims in Ferienwohnungen und eines Gastronomiebereichs weiterhin in der Prüfung. Der Antrag durchlaufe derzeit die Fachämter des Landkreises. Eine finale Entscheidung steht also noch aus. Auch der geplante Parkplatz neben dem denkmalgeschützten Steinhaus gehört zum Antrag, der sich momentan ebenfalls in der Genehmigungsphase befindet.

Was haben die archäologischen Untersuchungen ergeben?

Im Zuge des geplanten Parkplatzes wurde auch eine archäologische Voruntersuchung beantragt, weil dieser sich in direkter Nachbarschaft zum denkmalgeschützten Steinhaus und der historischen Warf befindet. „Die denkmalrechtliche Genehmigung wurde mit Bescheid vom 13.08.2024 erteilt“, schreibt Adam. In Anbetracht der geringen durch die Errichtung der Stellplatzanlage erforderlich vorzunehmenden Bodeneingriffe sei eine Baubegleitung durch den archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft als ausreichend erachtet worden und in der Genehmigung entsprechend beauflagt, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Das Aktionsbündnis zum Erhalt des Seniorenhuus hatte zuletzt Hoffnungen in diese archäologische Untersuchung gesetzt, weil dadurch, so das Aktionsbündnis, das Vorhaben des Investors Gunnar Sander aus Emsdetten eventuell hätte aufgehalten werden können.

Was sagt der Landkreis zu den Fledermäusen und Eulen?

Bei einem Treffen des Aktionsbündnisses am Dienstag, 8. Oktober 2024, kam außerdem zur Sprache, dass Anwohner auf dem Grundstück Eulen und Fledermäuse gesehen haben wollen. Dazu schreibt Pressesprecher Lennart Adam: „Eine explizite Meldung eines Fledermaus- beziehungsweise Eulenvorkommens von Anwohnern im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben ist hier nicht bekannt.“

Sollten sich Hinweise auf nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützte Arten verdichten, die von der beabsichtigten Maßnahme beeinträchtigt werden könnten, werde im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens ein artenschutzrechtlicher Fachbeitrag notwendig, so Adam weiter. Dieser müsste durch Kartierungen gegebenenfalls bestehende Vorkommen der Arten nachweisen und die Auswirkungen der Baumaßnahme auf diese Vorkommen untersuchen.

Was passiert, wenn tatsächlich Eulen und Fledermäuse nachgewiesen werden können?

Sollten negative Auswirkungen festgestellt werden, sind in dem artenschutzrechtlichen Fachbeitrag etwaige Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen bis hin zu Ausgleichs- oder Umsiedlungsmaßnahmen vorzusehen, die dafür Sorge tragen, dass die artenschutzrechtlichen Bestimmungen nicht verletzt werden, so Adam.

Kann das eine Baugenehmigung hindern?

Grundsätzlich können nach Auskunft von Lennart Adam artenschutzrechtliche Belange gegen die Durchführung eines Vorhabens überwiegen. „In den meisten Fällen ist allerdings eine Einhaltung der artenschutzrechtlichen Bestimmungen durch die oben genannten Maßnahmen möglich, sodass nach Einreichen eines fundierten artenschutzrechtlichen Fachbeitrages und die darin festgesetzten Maßnahmen eine Baugenehmigung erteilt werden kann.“ Bei dem besprochenen Einzelfall in Greetsiel könne außerhalb des Baugenehmigungsverfahrens keine Aussage getroffen werden.

Was sagt das Aktionsbündnis dazu?

Für das Aktionsbündnis sind diese Entscheidungen wenig überraschend, wie Mitbegründer und SPD-Ratsherr Alfred Jacobsen auf Nachfrage mitteilt. Die Verwaltung der Gemeinde Krummhörn sei von dem Aktionsbündnis nun darüber informiert worden, dass auf dem Gelände Fledermäuse und Eulen vermutet wurden. Darüber sei nun auch der Landkreis informiert worden. Investor Gunnar Sander aus Emsdetten hat sich auf eine Anfrage dieser Zeitung zu den Tiersichtungen noch nicht geäußert.

Ähnliche Artikel