Berlin Gottschalks „Zigeunerschnitzel“: Wen soll das noch aufregen?
Thomas Gottschalk ist 74 Jahre alt und widmet das Buch „Ungefiltert“ seinem Leiden am Zeitgeist. Warum löst das so eine laute Debatte aus?
„Wetten, dass..?“ gibt es nicht mehr. Thomas Gottschalk auf dem Wettsofa: Das ist Geschichte, und zwar mit allem, was dazugehört. Die zweistelligen Zuschauermillionen wird es nie mehr geben. Und kein Moderator legt heute noch seine Hand auf die Knie der Spice Girls. Das war einmal. Wir sind längst weiter.
Offenbar fällt es trotzdem schwer, mit der Vergangenheit abzuschließen – und mit der Empörung darüber. Das gilt nicht zuletzt für Gottschalk selbst. Seine letzte Show hatte er mit der Klage beendet, dass er im Fernsehen nicht mehr so reden kann wie zu Hause. Jetzt hat er diesem Gefühl ein komplettes Buch gewidmet. Und noch bevor es im Laden liegt, explodiert die Debatte.
Aber worüber streiten wir hier eigentlich? Darüber, dass Gottschalk sich immer noch am „Zigeunerschnitzel“ abarbeitet? Na, und! Viele von denen, die hier streiten, werden so ein Fritteusen-Schnitzel seit den 80ern nicht mehr anrühren, weil es unter seiner Soße genauso unbekömmlich ist wie die Debatte darüber. Gottschalk ist 74. Offenbar tut er sich schwer mit dem Zeitgeist. Das geht vielen so. Und es tut keinem weh. Im Podcast-Studio kann er nur noch Mike Krüger die Hand auf die Knie legen. Der kann das ab.
Der „Spiegel“ nennt Thomas Gottschalk im Interview jetzt „onkelig“. Na, also, dann behandeln wir ihn auch so: wie einen Verwandten, mit dem wir viele schöne Familienfeste gefeiert haben, wie jemanden, den wir mögen, auch wenn er ab und an ein paar komische Dinge erzählt.