Hannover Sprachliche Defizite bei Heranwachsenden in Niedersachsen nehmen zu
Gelesene und gesprochene Wörter und Sätze zu verstehen, bereitet immer mehr Kindern und Jugendlichen Probleme. Bei knapp 15 Prozent der bis 15-Jährigen in Niedersachsen sind Sprachdefizite ärztlich dokumentiert.
Immer mehr Kinder und Jugendliche in Niedersachsen weisen sprachliche Defizite auf. Sie haben Schwierigkeiten mit der Wort- und Satzbildung sowie mit dem Verständnis von Gelesenem und Gesprochenem. Das geht aus dem aktuellen Kinderatlas der Krankenkasse Barmer hervor.
Demnach sind bei 14,7 Prozent der bis 15-Jährigen in Niedersachsen Sprachdefizite ärztlich dokumentiert. Das entspricht laut Barmer rund 170.000 betroffenen Kindern und Jugendlichen. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 wurde nur bei rund elf Prozent der Heranwachsenden in dieser Altersgruppe eine Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache dokumentiert.
Dabei leiden Jungen nach Angaben der Barmer mit 17,5 Prozent deutlich häufiger unter Sprachstörungen als Mädchen, deren Anteil bei 11,7 Prozent liegt.
Wie aus der Analyse der Krankenkasse weiter hervorgeht, haben in dieser Altersgruppe sechs von 100 Jungen und vier von 100 Mädchen mit Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen logopädische Behandlungen erhalten.
„Eltern spielen eine entscheidende Rolle in der sprachlichen Entwicklung ihrer Kinder. Es ist wichtig, dass sie aktiv unterstützen und viel mit ihren Kindern sprechen. Dabei sollten sie sich bewusst sein, dass sie selbst als Sprachvorbilder fungieren. Wichtig sind der Blickkontakt und das Sprechtempo sowie ein dem Alter ihrer Kinder angepasstes Sprachniveau“, sagt Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen.
Sprachtherapie, auch Logopädie genannt, werde eingesetzt, um Sprachprobleme und -störungen auszugleichen. Neben der logopädischen Präsenztherapie sei es wichtig, dass Kinder auch zu Hause regelmäßig übten, ihre Aussprache zu verbessern, heißt es von der Barmer.
In diesem Kontext könnten Sprachtherapie- oder Hausaufgaben-Apps Unterstützung bieten. Sie ermöglichten den Kindern logopädische Übungen am Tablet, Smartphone oder am Computer.
„Eine Sprachtherapie-App kann und sollte die logopädische Präsenztherapie nicht ersetzen“, betont Heike Sander. Wenn jedoch Sprachtherapeuten individuelle Übungen zusammenstellten, die gezielt die sprachlichen Bereiche wie Verstehen, Sprechen, Lesen und Schreiben trainierten, könne dies sowohl Eltern als auch Kindern beim Üben zu Hause helfen. Für die Kostenübernahme einer Sprachtherapie- oder Hausaufgaben-App durch die Krankenkasse sei eine schriftliche Empfehlung des Logopäden erforderlich.
Die Krankenkasse Barmer hat nach eigenen Angaben in Niedersachsen rund 800.000 Versicherte, etwa 350.000 davon sind erwerbstätig. Die Barmer ist damit in Niedersachsen die drittgrößte Kasse nach der AOK und der Techniker Krankenkasse (TK).