Überblick für Ostfriesland Wer sollte sich gegen Corona impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission gibt Empfehlungen, wer sich jetzt impfen lassen sollte. Dabei geht es nicht nur um Corona, sondern auch um Grippe. Wo wird in Ostfriesland überhaupt geimpft?
Ostfriesland - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat zur Grippeschutz- und Corona-Impfung aufgerufen. Der SPD-Politiker ließ sich bereits selbst gegen beides impfen und sagte im Anschluss, es sei jetzt eine sehr gute Zeit dafür. Aber wer sollte sich eigentlich impfen lassen und wo geht das in Ostfriesland überhaupt? Hier ein Überblick:
Wer sollte sich gegen Corona und/oder Grippe impfen lassen?Seit dem Start der Corona-Schutzimpfungen im Dezember 2020 sind laut Bundesregierung fast 200 Millionen Impfdosen verabreicht worden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat den Kreis derjenigen, die eine Auffrischungsimpfung erhalten sollen, im Januar 2024 enger gefasst. Eine jährliche Impfung zum Schutz vor Covid-19 und Influenza empfiehlt die Stiko für Männer und Frauen, die älter als 60 Jahre sind, Personen mit gestörtem Immunsystem sowie Menschen mit bestimmten Grundkrankheiten oder Personal in Pflegeeinrichtungen.
Wie findet man eine Praxis, in der gegen Corona geimpft wird?
Während der Pandemie gab es von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KV) ein Verzeichnis aller Ärzte, die gegen Corona geimpft haben. „Dass gibt es jetzt nicht mehr“, sagt Dieter Krott, Geschäftsführer der KVN- Bezirksstelle Aurich. „Die Praxen entscheiden jetzt selbst, ob und wann sie impfen.“ Wer geimpft werden möchte, sollte sich zunächst an seinen Hausarzt wenden, sagt Krott. Falls der nicht gegen Corona impft, „muss man sich leider selbst durchfragen“. Im Internet findet man unter arztauskunft-niedersachsen.de ein Verzeichnis aller niedergelassenen Ärzte.
Warum impfen manche Ärzte nicht gegen Corona?
Den Impfstoff gegen Corona gibt es bisher noch immer nicht in einer Einzel-Dosis. „Die Ärzte bekommen nur große Packungen für sechs bis acht Impfungen. Wir als KV fordern schon lange, dass es wie bei der Grippeschutzimpfung auch für Corona einzelne Dosen geben muss“, betont Krott. Das würde es für die Ärzte auch leichter machen, Corona-Impfungen anzubieten. „Dann kann man auch mal nur einen Patienten impfen, ohne das fünf bis sieben Dosen übrige bleiben, für die sich vielleicht kein Patient findet und die dann weggeworfen werden müssen“, erklärt Krott.
Kann man sich auch noch in Apotheken impfen lassen?
Ja, das geht noch. „Apotheken, die impfen, haben in der Regel ein Anmeldeportal im Internet“, sagt Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands (LAV) Niedersachsen und Inhaber der Rats-Apotheke in Norden. Ein Verzeichnis, in dem diese Apotheken beispielsweise für Ostfriesland aufgelistet sind, gibt es aber nicht. Derzeit sollen es, so Groeneveld, vier oder fünf Apotheken sein, die noch Corona-Impfungen anbieten.
Gibt es überhaupt genügend Impfstoff zum Schutz gegen Corona und auch gegen Grippe?
Auf diese Frage gibt es direkt mal eine gute Antwort: Ja, sowohl für Corona- als auch für die Grippeschutzimpfung.
„Für Corona ist derzeit vor allem der Impfstoff von Biontec im Handel“, erklärt Groeneveld. Da sich das Corona-Virus ständig verändert, müssen die Impfstoffe immer wieder angepasst werden. Der jüngste Impfstoff von Biontech wurde für die derzeit noch kursierende Corona-Variante (Omikron) entwickelt, soll aber auch vor deren Subvarianten schützen, die sich inzwischen gebildet haben.
Auch Groeneveld weiß um die Problematik, Impfstoff-Mehrdosenbehältnisse (Vial) von Biontec, die es Ärzten und auch Apothekern erschweren, Patienten zu impfen. „Wir liefern aber jede Woche Corona-Impfstoff an die Ärzte aus. Es ist also durchaus eine Nachfrage da“, sagt der Apotheker.
Kann man Corona- und Grippe-Impfung zusammen machen?
Dr. Jörg Seyboldt, Beratender Arzt der Bezirksstelle Aurich der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Die Impfungen gegen Influenza und Covid-19 können gleichzeitig, also beim selben Termin, verabreicht werden. „Die Nachfrage nach den Impfungen ist bereits gut“, sagt er. Das gelte auch für Corona: „Wir bestellen immer zwölf Patienten ein und verimpfen dann zwei Vials von Biontec. Da bleibt nichts übrig“, sagt der Mediziner, der eine Hausarztpraxis in Leer hat.
Muss man nach einer Corona-Infektion mit der Impfung warten?
„Laut Stiko-Empfehlung gilt, wer eine Impfung oder einen Infekt mit Corona hatte, braucht erst nach zwölf Monaten wieder eine Auffrisch-Impfung“, erklärt Seyboldt. Wenn man aber nicht weiß, ob man Corona schon hatte – weil man keinen Test gemacht hat und auch nicht beim Arzt war –, ist eine Impfung auch nicht schädlich. „Aber sie ist dann erstmal unnötig“, sagt Seyboldt.
Muss man noch einen Corona-Test machen, wenn man Erkältungssymptome hat?
„Im Moment sind Corona und andere Atemwegserkrankungen ja wieder sehr stark auf dem Vormarsch. Bei Erkältungssymptomen keinen Corona-Test zu machen, halte ich für fatal“, sagt Groeneveld. „Man sollte sich dann auch isolieren. Wer das nicht macht, verhält sich aus meiner Sicht gegenüber den Mitmenschen unverantwortlich. Es gibt nach wie vor noch immer sehr schwere Verläufe bei Corona-Infektionen und noch immer sterben Menschen daran“, betont der Apotheker. Ein Test sei deshalb „unabdingbar“.
Muss man sich mit Corona noch isolieren?
Es gelten längst keine Corona-Schutzmaßnahmen mehr und es gibt auch keine angeordneten Isolations- oder Quarantänevorschriften mehr – dennoch rät das Robert Koch-Institut (RKI) bei Symptomen einer Atemwegsinfektion zur Selbstisolation. Und zwar unabhängig vom jeweiligen Erreger – also egal, ob es Grippe oder Corona oder etwas anderes ist.
Laut RKI sollte man bei Atemwegsinfekten für drei bis fünf Tage und bis zu einer deutlichen Besserung der Symptome zuhause bleiben und Kontakte vermeiden.
Groeneveld verweist zudem auch auf die Corona-Vorschriften des Bundes und der Länder: „Die Vorschrift sagt, man kann am öffentlichen Leben teilhaben, wenn man symptomfrei ist – vorher nicht.“