Berlin  Partei am Scheideweg: Schlüsselmomente der Linken – vom Aufstieg bis zur Existenzbedrohung

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Von afp
| 19.10.2024 16:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Linke in der Krise: Existenzbedrohung nach Wagenknechts Austritt und Europawahldebakel. Foto: dpa/Hendrik Schmidt
Linke in der Krise: Existenzbedrohung nach Wagenknechts Austritt und Europawahldebakel. Foto: dpa/Hendrik Schmidt
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Nach dem Bruch mit Sahra Wagenknecht und katastrophalen Wahlergebnissen ringt die Linke um ihre Existenz. Die Partei blickt auf eine turbulente Zeit zurück. Das zeigt unsere Chronologie ab dem Jahr 2005.

Die Linke hat schon so manche Krise gemeistert. Derart existenzbedrohend wie jetzt, herbeigeführt durch den Abgang von Sahra Wagenknecht und ihren Mitstreitern sowie schlechten Wahlergebnissen, war die Lage aber selten. Ein Blick zurück:

2005: Die in Westdeutschland initiierte Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) einigt sich im Juni mit der PDS auf einen gemeinsamen Antritt zur vorgezogenen Bundestagswahl, bei der als Spitzenkandidat neben Gregor Gysi auch der frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine antritt. Das Linksbündnis erringt 8,7 Prozent.

2007: WASG und die zuvor in Linkspartei umbenannte PDS fusionieren am 16. Juni zur gesamtdeutschen Partei Die Linke. Vorsitzende werden Lafontaine und der frühere PDS-Chef Lothar Bisky.

2009: Bei der Bundestagswahl verbessert sich die Linke auf 11,9 Prozent. Nach der zeitgleichen Landtagswahl in Brandenburg wird dort eine rot-rote Regierung gebildet.

2010: Nach schwieriger Suche eines Nachfolger-Duos für Lafontaine und Bisky übernehmen Gesine Lötzsch und Klaus Ernst den Vorsitz.

2012: Nach einer glücklosen Amtszeit von Lötzsch und Ernst folgen Katja Kipping und Bernd Riexinger als Parteivorsitzende.

2013: Bei der Bundestagswahl erreicht die Linke nur 8,6 Prozent.

2014: Nach der Landtagswahl in Thüringen wird in Erfurt das rot-rot-grüne Bündnis aus der Taufe gehoben. Bodo Ramelow wird zum ersten Ministerpräsidenten in der Geschichte der Linken gewählt.

2015: Wagenknecht und Dietmar Bartsch übernehmen den Fraktionsvorsitz im Bundestag. Im Zuge der Flüchtlingskrise entbrennt heftiger parteiinterner Streit, bei dem sich Wagenknecht gegen die flüchtlingsfreundliche Mehrheitslinie der Partei stellt.

2017: Mit Wagenknecht und Bartsch als Spitzenkandidaten erzielt die Linke bei der Bundestagswahl 9,2 Prozent.

2019: Im März verkündet Wagenknecht ihren Rückzug als Fraktionschefin. Im November rückt Amira Mohamed Ali neben Bartsch an die Fraktionsspitze.

2019: In Thüringen erzielt Ramelow mit 31,0 Prozent das bislang beste Ergebnis der Linken bei einer Wahl in Bund oder Land.

2020: Nach der zunächst mit AfD-Hilfe erfolgten Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten übernimmt Ramelow wieder die Regierungsgeschäfte.

2021: Im Februar übernehmen Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow den Parteivorsitz. Bei der Bundestagswahl im September verfehlt die Linke mit 4,9 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde, zieht aber wegen dreier Direktmandate mit 39 Abgeordneten wieder als Fraktion in den Bundestag ein.

2022: Der am 24. Februar gestartete russische Angriffskrieg gegen die Ukraine stellt eine neue Zerreißprobe für die Linke dar: Die Partei ist uneins über Rüstungsexporte und Waffenlieferungen. Auch die innerparteilichen Turbulenzen gehen weiter, mehrere Landtagswahlen gehen verloren. Aufgrund von Sexismus-Vorwürfen innerhalb der Partei tritt Ko-Parteichefin Hennig-Wellsow zurück, ihr folgt der Europaabgeordnete Martin Schirdewan nach.

2023: Im Oktober stellt Wagenknecht den Verein BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) vor, aus dem eine neue Partei hervorgehen soll. Wagenknecht und neun weitere Bundestagsabgeordnete treten aus der Linkspartei aus. Die verbliebenen Linken-Abgeordneten beschließen daraufhin die Auflösung der Bundestagsfraktion.

2024: Anfang Januar gründet sich das BSW als Partei. Wenige Wochen später erkennt der Bundestag die Linke und das BSW jeweils als parlamentarische Gruppe an - die allerdings weniger Rechte und Ressourcen hat.

Deutliche Niederlage: Bei der Europawahl im Juni kommt die Linke nur noch auf 2,7 Prozent der Stimmen - halb so viele wie bei der Wahl 2019. Das BSW schafft hingegen aus dem Stand 6,2 Prozent.

Im August kündigen Wissler und Schirdewan ihren Rückzug an, die Lage der Partei schätzen sie als „existenzbedrohend“ an. Um den künftigen Vorsitz bewerben sich der ehemalige Bundestagsabgeordnete Jan van Aken und die Publizistin Ines Schwerdtner.

Das neue Führungsduo wird bei einem Bundesparteitag in Halle mit großer Mehrheit gewählt. Schwerdtner und van Aken bilden die neue Doppelspitze.

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