Airbnb und Booking.com Hinte und Krummhörn haben immer mehr Urlaubsunterkünfte
Urlaub in Ostfriesland ist beliebt. Das sieht man auch an dem stetig wachsenden Angebot an Ferienunterkünften – wie in Hinte und der Krummhörn. Das bringt jedoch Probleme.
Krummhörn/Hinte/Emden - Wohnungen und Häuser werden zu Ferienunterkünften: Dieser Trend ist längst in den Gemeinden Krummhörn und Hinte angekommen. In Hinte gibt es acht Dörfer – und in jedem außer in Cirkwehrum sind Übernachtungsangebote über die Internetplattformen Booking.com und/oder Airbnb zu finden. Das Bild zeigt sich auch in den 19 Dörfern der Krummhörn, wobei es sich insbesondere in Greetsiel ballt.
Viele der Angebote sind von privaten Anbietern. Wie viele von diesen ihre Vermietungen offiziell angemeldet haben, also Steuern zahlen und sich an Sicherheitsvorkehrungen halten, ist auf den Plattformen nicht erkennbar. Wir schauen uns die Situation genauer an.
Wie viele Angebote gibt es?
Wir haben auf beiden Buchungsplattformen für November 2024 geguckt. Bei Airbnb sind in Hinte 30 Einträge. In Osterhusen und Westerhusen sind beispielsweise jeweils vier Angebote genannt, in Hinte-Ort acht und in Groß Midlum sowie Loppersum jeweils sechs. Bei Booking.com, wo auch Angebote zu sehen sind, die auch bei Airbnb gepostet wurden, sind insgesamt 20 angegeben. Der Kontrast zur Nachbargemeinde Krummhörn, die nur knapp 4500 Einwohner mehr als Hinte hat, ist enorm.
Bei Airbnb sind in der Krummhörn mehr als 600 Übernachtungs-Angebote verzeichnet. In Pewsum sind es nur 13, in Rysum 15 und in Hamswehrum schon 25. In Greetsiel sind es dann rund 400 Angebote. Bei Booking.com gibt es weniger Angebote, da private Vermieter eher bei Airbnb inserieren. In Rysum finden sich beispielsweise 13 Angebote, in Loquard elf, in Campen zehn und in Upleward 14. In Greetsiel wurden für November rund 475 Unterkünfte gefunden.
Aber wie viele sind davon nun nicht angemeldet? Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) hat aktuell nur folgende Zahlen: Es gibt ca. 1100 gemeldete Vermieter und 5966 Betten. Das hilft im direkten Vergleich mit den Unterkunftszahlen also nicht weiter. Aber: Auf der Website der Tourismus Ostfriesland GmbH kann man ebenfalls Ferienunterkünfte buchen. Hier sind offizielle Angebote gespeichert. Wir sehen hier: In Hinte gibt es nur das Hotel Novum und die Pension „Haus am Burggraben“, außerdem sind 14 offizielle Ferienwohnungen genannt. Für Greetsiel werden hier 265 offizielle Ferienwohnungen und elf Hotels genannt. Die Diskrepanz zur Anzahl der Angebote auf Airbnb ist daher groß.
Wie viel kosten Übernachtungen?
Das ist sehr unterschiedlich. Ein Ferienhaus in Groß Midlum beispielsweise kostet in der Nacht im November zwischen 94 und 131 Euro bei Airbnb. Im benachbarten Westerhusen sind es 135 bis 171 Euro. Günstiger geht es in Hinte. Hier kann beispielsweise auch nur in einem Zimmer übernachtet werden für 47 Euro. In der Krummhörn sieht es ähnlich aus. Bei Booking.com geht es in Greetsiel pro Nacht bei 60 Euro im November los. Bis 200 Euro pro Nacht und drüber können für ein Ferienhaus bezahlt werden.
In der Krummhörn fällt außerdem ein Gästebeitrag an, den die Gemeinde aber natürlich nur bei den Unterkünften erheben kann, die auch offiziell angemeldet sind. Das Gemeindegebiet ist aufgeteilt in zwei Gästebeitrags-Zonen. Zone 1 (Greetsiel, Pilsum, Reiterhof) mit 840 Vermietern und 4504 Betten ist etwas teurer mit bis zu 2,30 Euro pro Nacht und Gast in der Saison. In der Zone 2 (die restliche Krummhörn) mit 260 Vermietern und 1462 Betten kostet die Nacht pro Gast 1,50 Euro.
In der Gemeinde Hinte könnte über eine Infrastrukturabgabe, umgangssprachlich auch Bettensteuer genannt, noch diskutiert werden. Die Gruppe FDP/FLH hat das beantragt, nachdem sich die Emder Politik vor Kurzem für eine Bettensteuer ab dem 1. Januar 2025 entschieden hat. Die Hinteraner CDU ist bereits jetzt gegen den Vorstoß. Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass es angesichts des defizitären Haushalts diskutiert werden könne und man es nicht direkt „kategorisch ausschließen“ solle.
Was ist das Problem mit Airbnb und Co?
Immer mehr Städte greifen gegen Airbnb und Co. durch. Zuletzt hatte beispielsweise die Stadt Groningen in den Niederlanden angekündigt, stärker gegen meist inoffizielle Urlaubsunterkünfte vorzugehen. Auch Berlin und Hamburg haben das bereits länger im Visier. Denn: Wenn immer mehr Wohnungen und Häuser zu Urlaubsunterkünften werden, fehlt den Leuten vor Ort der Wohnraum.
Bürgermeister Redenius sagt, dass man den Trend auch in der Gemeinde Hinte zur Kenntnis nehme. „Wir haben das schon diskutiert und müssen noch mal gucken“, sagt er. „Es sind recht viele Objekte im Verkauf, aber es fehlt trotzdem an Wohnungen“, sagt er. Werden Häuser von Auswärtigen gekauft, komme es vor, dass diese als Zwischenlösung für Feriengäste vermietet werden, bis die Besitzer selbst einziehen, hat er schon beobachtet. „Wir müssen genau hinschauen und – wenn es Überhand nimmt – dem Einhalt gebieten“, sagt er.
Wie geht die Krummhörn damit um?
Die Krummhörn hat deutlich mehr mit dem Thema zu tun als ihr kleinerer Nachbar Hinte. Hilke Looden erklärt, in der Krummhörn sei bekannt, dass genehmigte und tatsächliche Nutzung von Häusern nicht immer übereinstimmen. „Dies ist das Ergebnis einer über Jahre gelaufenen und bis zu einem gewissen Grad auch gewollten Entwicklung, die nicht mit der entsprechenden Anpassung der örtlichen Bebauungspläne einhergegangen ist“, so die Bürgermeisterin weiter.
Aus diesem Grund habe sich die Gemeinde dazu entschlossen, das „Entwicklungskonzept Wohnen/Ferienwohnen in Greetsiel“ auf den Weg zu bringen. Dazu gab es am 28. November 2023 eine öffentliche Auftaktveranstaltung. In der Zwischenzeit sei an dem Konzept weiter gearbeitet worden und die nächste öffentliche Veranstaltung dazu sei kurzfristig geplant. „Ziel dieses Entwicklungskonzeptes ist es, zunächst mit einem ‚Generalplan‘ deutlich zu machen, in welchen Gebieten und mit welchem Anteil zukünftig Ferienwohnen und Dauerwohnen in unserer Gemeinde möglich sein soll. Im Anschluss daran werden dann sukzessive die Bebauungspläne angepasst“, schreibt sie.
Also lieber keine Urlauber mehr in der Krummhörn?
„Ich möchte an dieser Stelle deutlich machen, dass parteiübergreifend Konsens darüber herrscht, dass Gäste in unserer Gemeinde auch weiterhin herzlich willkommen sind“, betont die Bürgermeisterin.
Zuletzt hatte es insbesondere wegen einer Umfrage der Masterstudentin Viviane Bouda von der Jade Hochschule Wilhelmshaven in Kooperation mit der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel Diskussionen gegeben. In der Krummhörn wird von rund 60 Prozent der Befragten die Menge der Touristen als zu hoch empfunden, hieß es darin. In Greetsiel sind sich demnach fast 90 Prozent der Befragten einig, dass zu viele Touristen in ihr Dorf kämen.
„Mit dem Entwicklungskonzept tragen wir dem Bedarf Rechnung, eine Steuerung vorzunehmen. Der Bedarf an Wohnraum für Einheimische muss mit dem ebenfalls unstrittigen Bedarf an Ferienwohnungen in Einklang gebracht werden und alle Beteiligten benötigen Planungssicherheit“, erklärt Hilke Looden. Auch hätten sie in vielen Dörfern der Gemeinde Baugrundstücke ausgewiesen. Die Vergabe dieser Grundstücke erfolge bevorzugt an (junge) Einheimische.