Konjunkturumfrage in Ostfriesland „Die Stimmung bei den Betrieben ist im Keller“
Glaubt man der IHK, geht es Ostfrieslands Wirtschaft so schlecht wie noch nie. Es macht sich fast schon Untergangsstimmung breit. Aber stimmt das wirklich? Drei Fragen, drei Antworten.
Ostfriesland - VW Emden am Boden, die Meyer Werft nur mit Mühe und Not gerettet, Fachkräftemangel in Gastronomie und Gesundheitsbranche: Eigentlich kann es schon gar nicht mehr schlimmer kommen. Das drückt sich nun auch im Konjunkturbarometer der IHK Ostfriesland und Papenburg aus.
„Die Stimmung bei den Betrieben ist im Keller und es ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, wird IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard am Montag in einer Mitteilung zitiert. Konsum und Investitionen fehlten, sowohl Privathaushalte als auch Betriebe hielten angesichts der Wirtschaftslage ihr Geld zusammen.
Wer hat Schuld an der Misere?
Die IHK hat dabei auch eine Verantwortliche ausgemacht. „Mit Wachstumspaket und Bürokratieentlastungsgesetz versucht die Bundesregierung, gegen die Symptome anzukämpfen“, so Deinhard. „Was wir brauchen, ist aber ein Befreiungsschlag.“ Maßnahmen, die bei der Wurzel ansetzten und die Betriebe endlich spürbar entlasteten.
Konkret drückt sich die Stimmung in folgenden Zahlen aus: Die gegenwärtige Geschäftslage hat sich laut IHK über alle Branchen hinweg verschlechtert. 14 Prozent der Betriebe bewerteten ihre aktuelle Lage als „gut“ (zuvor 13 Prozent), 55 Prozent als „befriedigend“ (zuletzt 63 Prozent) und 31 Prozent als „schlecht“ (zuvor 24 Prozent). Insgesamt sank der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen nun von -11 auf -17. Und auch eine Verbesserung der Lage ist nicht in Sicht: Die Erwartungen der Betriebe haben sich laut IHK deutlich verschlechtert. So geht jeder zweite Betrieb von einer eher ungünstigeren Geschäftslage aus, nur noch 9 blicken positiv in die Zukunft. Der Saldo sank von zuletzt -17 auf -39.
Was spricht für ein wenig Licht am Ende des Tunnels?
Richtig ist aber auch: Nach der IHK-Umfrage ist die Finanzlage bei zwei Dritteln der Betriebe unproblematisch. Und: Bei den belastenden Strompreisen ist immerhin Besserung in Sicht. Das räumt sogar die IHK Ostfriesland ein.
„Damit die Strompreise auch dauerhaft gesenkt werden können, muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien noch weiter beschleunigt werden und alle Möglichkeiten zur Speicherung und Sektorkopplung – ohne bürokratische Hürden - nutzbar gemacht werden“, forderte Hauptgeschäftsführer Deinhard. Erste Ansätze, dass die politischen Beschleunigungsmaßnahmen Wirkung zeigten, seien bereits zu erkennen. Um die Ausbauziele zu erreichen und die Kunden zu entlasten, reiche dies jedoch noch nicht aus. Deinhard.: „Insbesondere hier, wo der Strom aus Erneuerbaren Energien produziert wird, sind die Erwartungen hoch, die optisch und akustisch merklichen Auswirkungen der Energiewende auch in gewissen Standortvorteilen nutzbar machen zu können, sprich den Strom dort zu verbrauchen, wo er hergestellt wird und das zu günstigen Konditionen.“
Wie sieht es im Rest Niedersachsens aus?
Der niedersächsischen Wirtschaft steht laut der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) ein harter Winter bevor. „Die Industrie hat offensichtliche Standortprobleme, die Exporte stagnieren und der Konsum bleibt weiter impulslos“, sagte IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage. Investitionen, die für eine erfolgreiche industrielle Transformation nötig wären, seien rückläufig. Nach Angaben der IHKN sehen nur 16 Prozent (Vorquartal: 17 Prozent) der 1800 befragten Unternehmen die Lage als gut an, 51 Prozent (56 Prozent) beurteilen die Lage als befriedigend, 34 Prozent (27 Prozent) als schlecht. Alle Werte haben sich demnach verschlechtert – so auch die Erwartungen an die kommenden Monate. Nur noch 9 Prozent (Vorquartal: 10 Prozent) der Unternehmen rechneten mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung, 50 Prozent (58 Prozent) erwarteten gleichbleibende Geschäfte und 41 Prozent (32 Prozent) rechneten mit einer ungünstigen Entwicklung.
Hauptproblem aus Sicht der Unternehmen: die unstete Wirtschaftspolitik im Bund und in der EU. Mit der Wachstumsinitiative und dem vierten Bürokratieentlastungsgesetz habe die Bundesregierung ein erstes Zeichen gesetzt, „allerdings reichen diese Schritte vorne und hinten nicht aus, um verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen“, hieß es. Hohe Energie- und Arbeitskosten sowie die betriebliche Steuerlast verstärkten eine rückläufige Entwicklung bei den Investitions- und Personalplanungen.
Mit Material von DPA