Verbotener Lost Place Warum wird bei der Alten Ziegelei in Pilsum gebaggert?
Auf dem Gelände der Alten Ziegelei in Pilsum an der Neu-Etumer-Straße wird gebaggert. Über die geplante Nutzung gibt es allerhand Gerüchte. Was ist dran?
Pilsum - Neugierigen Autofahrern ist es nicht entgangen: Auf dem Grundstück der Alten Ziegelei in Pilsum wird fleißig gebaggert und gearbeitet. Die Ziegelei wurde 1972 geschlossen. Seitdem lag das rund 21.000 Quadratmeter große Gelände brach, die Häuser zerfielen zuletzt zusehends. Das hat sich seit April 2024 geändert. Damals sagte Eigentümer Wilke Saathoff aus Leezdorf dieser Zeitung, dass das Grundstück aufgeräumt und gesichert werden soll. Als Grund nannte er insbesondere, dass er ungebetenen Gästen den Zutritt in die einsturzgefährdeten Gebäude und den alten Rundofen erschweren wolle.
Denn: Die Ruine war 2017 für Dreharbeiten eines Ostfriesen-Krimis zu einem Schauplatz geworden. 2018 wurde die Folge ausgestrahlt. Danach war das öffentliche Interesse groß. Nicht nur Krimi-Fans, sondern auch viele Menschen aus der „Lost Places“-Szene, also Anhänger „verlorener oder verwunschener Orte“, wollten sich vor Ort genauer umsehen. Sogar Fans des Paranormalen, also selbst ernannte Geisterjäger, haben schon Interesse bekundet. In dem 2023 erschienenen Buch von Klaas Gerdes „Lost & Dark Places Ostfriesland“ findet die Pilsumer Ziegelei ihren Platz. „Ich habe bei Youtube gesehen, wie viele Leute schon in der Ziegelei gedreht haben“, sagt Wilke Saathoff aktuell. Das sei verboten und gefährlich, betont er immer wieder. Aber soll das Gelände jetzt einfach nur abgesperrt werden und dann weiter brachliegen?
Wie geht es für die Alte Ziegelei weiter?
Wir haben mit Wilke Saathoff darüber gesprochen, ob sich schon Entwicklungsideen für das Areal ergeben haben. Denn: Im April hieß es noch von dem Unternehmer, dass man keine konkreten Ideen habe. Einen Verkauf des Grundstücks schloss er nicht aus. „Wir wollen erst mal aufräumen“, sagt er jetzt. Es müsse erst einmal geklärt werden, was noch in den Gebäuden sei und in welchem Zustand sie seien. Ein Gebäudeteil, der bei einem Brand 2017 beschädigt worden war, wurde ab April bereits abgerissen. Das noch stehende Gebäude war in einem schlechten Zustand, es regnete rein. Hier wurde bislang schon am Dach und am Mauerwerk gearbeitet.
Bis zum alten Turm, der nur noch zur Hälfte steht, hätten sich früher der Parkplatz und die Lagerbereiche der Ziegelei befunden. Das Gelände sei jetzt aber völlig zugewuchert von Brombeersträuchern und anderem. Der Boden sei mit viel Sand bedeckt. „Das soll alles runter.“ Mehr als 50 Jahre habe das Areal brachgelegen. „Das ist nicht in zwei Wochen aufgeräumt“, erklärt Saathoff. Man wolle auch sehr behutsam vorgehen. Alte Loren würden in die alten Öfen geschoben, um sie sicher zu verwahren. Man wisse ja nie, welche Nutzung später noch möglich sei. In Ostfriesland gibt es bereits ein Ziegelei-Museum, nämlich in Jemgum im Rheiderland. „Ich bin offen für gute Ideen“, sagt Wilke Saathoff.
Was ist mit Ferienwohnungen?
Angesprochen auf das Gerücht, dass bei der Alten Ziegelei Ferienwohnungen entstehen könnten, erklärt Wilke Saathoff: Er komme natürlich aus dem Urlaubs-Geschäft. Sein Unternehmen hat laut der Firmen-Website Ferienunterkünfte unter anderem in Leezdorf, Bensersiel, Neßmersiel, Norddeich, Emden, Aurich und der Krummhörn. Die Idee für Urlaub in der historischen Atmosphäre der Alten Ziegelei ist auch nichts Neues: 2009 hatte Saathoff mit der Absicht, auf dem Gelände ein hochwertiges Hotel bauen zu lassen, das Areal vom Land Niedersachsen überhaupt erst gekauft.
Weil er damals parallel an dem Projekt „Greetland“, das in Greetsiel geplant war, arbeitete, rückte Pilsum aber schließlich in den Hintergrund. Zwar war schon 2010 klar, dass aus dem geplanten 80-Millionen-Euro-Feriendorf „Greetland“ nichts werden würde, doch für die Alte Ziegelei Pilsum wurde die Planung nicht wieder aufgenommen.
„Das Gebäude verdient ein vernünftiges Konzept“, sagt Wilke Saathoff jetzt. Eine Ferien-Nutzung schließt er dabei nicht aus, einen Verkauf etwa an die Gemeinde Krummhörn beispielsweise für Wohnbebauung aber auch nicht. Klar ist: Einfach so kann auf dem Gelände nicht gebaut werden. Bevor man etwa eine Wohnbebauung oder eine andere Nutzung auf dem Gelände angehen könnte, „müssten verschiedene Aspekte berücksichtigt werden, darunter Nutzungsplanänderungen sowie die Einhaltung aller rechtlichen und ökologischen Vorgaben“, hatte Gemeindesprecher Oliver Janssen schon im April auf Nachfrage erklärt.