Diskussion in Emden  Wie passen Luther und die Lügenpresse zusammen?

Leona Spindler
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Von Leona Spindler
| 25.10.2024 14:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bei der Veranstaltung der Evangelisch-reformierten Kirche waren zu Gast (von links): Meta Janssen-Kucz, Lars Reckermann, Birke Schoepplenberg, Susanne Bei der Wieden und Lennard Landgraf. Foto: Spindler
Bei der Veranstaltung der Evangelisch-reformierten Kirche waren zu Gast (von links): Meta Janssen-Kucz, Lars Reckermann, Birke Schoepplenberg, Susanne Bei der Wieden und Lennard Landgraf. Foto: Spindler
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Bei Angriffen, Hass und Morddrohungen stellt sich die Frage, wie stark die Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland eingeschränkt ist. In Emden wurde das in einer Diskussion thematisiert.

Emden - „Die Einschränkung der Pressefreiheit fängt im Kleinen an, wo man einfach nur sagt: ‚Das darfst du nicht schreiben. Das will ich nicht.‘ Und ich glaube, diese Eingriffe werden mehr. Meine Sorge ist, dass von diesem Eingreifen zum Angreifen das Delta etwas kleiner wird. Jeder kleine Ellenbogen tut weh“: Das sagte Lars Reckermann, Chefredakteur dieser Zeitung, bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstag, 24. Oktober 2024, in der Johannes-a-Lasco-Bibliothek in Emden.

Eingeladen hatten die Evangelisch-reformierte Kirche und die Ostfriesen-Zeitung. Anlass war der politische Reformationstag. Die Auftaktveranstaltung einer geplanten Reihe stand unter dem Motto: „Von Luther und der Lügenpresse!“ Zu Gast waren die Vizepräsidentin des niedersächsischen Landtags, Meta Janssen-Kucz (Bündnis 90/Die Grünen), Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden, OZ-Chefredakteur Lars Reckermann und der Philosophiestudent Lennard Landgraf, der auch Mitglied der Gesamtsynode und Jugendkonferenz ist. Aber wie passen Luther und die Lügenpresse überhaupt zusammen?

Luther und die Lügenpresse?

Auf den ersten Blick lässt sich nicht so leicht erahnen, was Luther und die Lügenpresse miteinander zu tun haben. Am Anfang der Veranstaltung ordnet Bei der Wieden den Titel ein. Fasst man ihre Ausführungen zusammen, dann zeigt sich: Luthers Lehren konnten nur durch das gedruckte Wort so schnell und umfassend unter das Volk gebracht werden. Und auch damals gab es schon Fake News, die in Luthers Namen und gegen die Reformation verbreitet wurden.

Damals sei es auch nicht selbstverständlich gewesen, dass Menschen ihre Meinung frei äußern konnten, so Bei der Wieden weiter. Aus diesem Grund schien der Gemeinde der politische Reformationstag geeignet, um genau dieses Thema in den Mittelpunkt zu stellen. Die Veranstaltung wurde live auf YouTube gestreamt und ist auch noch online verfügbar:

Grünen-Politikerin Meta Janssen-Kucz berichtet von Morddrohungen

Mit unterschiedlichen Hintergründen erzählen die vier Teilnehmer, moderiert von der Journalistin Birke Schoepplenberg, von ihren Erfahrungen mit der Presse- und Meinungsfreiheit in ihren verschiedenen Lebensrealitäten. Mit anschaulichen Beispielen erfahren die Zuschauer hautnah, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind.

Die Politikerin Meta Janssen-Kucz berichtet von ihren Erfahrungen mit Morddrohungen und Anfeindungen, die sie über sich ergehen lassen muss, da sie eine Person des öffentlichen Lebens ist. Dabei bleibt es nicht nur bei Anfeindungen im Netz, sondern auch in ihrem privaten Leben ist sie diesen Anfeindungen ausgesetzt. So berichtet sie von einem Erlebnis an einer Tankstelle im Ammerland, bei dem sich zwei Männer vor ihr aufbauten und sie bedrohten.

Frauen öfter von Angriffen betroffen?

Was Janssen-Kucz auffällt, ist, dass Frauen besonders oft von Angriffen dieser Art betroffen sind. Auch der Chefredakteur der OZ erzählt von einem Beispiel, bei dem eine junge Journalistin körperlich angegriffen wurde, und das bei einem Routineeinsatz. Sie war mehrere Monate nicht im Dienst.

Ein weiteres Problem, das Janssen-Kucz treffend formuliert und dem alle in der Runde beipflichten und zustimmen: Die Grenzen des Sagbaren werden verschoben, und das dürfe nicht zugelassen werden. Dazu appelliert sie an die Besucher und Besucherinnen der Veranstaltung: „Wir können unsere Demokratie nicht nur mit dem Grundgesetz hochhalten. Wir brauchen alle Bürger und Bürgerinnen, und alle sind gefordert, den Rücken gerade zu machen und sich auch der Werte zu besinnen, die wir haben. Und da wirklich Farbe zu bekennen, auch wenn das manchmal unangenehm ist.“

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