Hannover Diese Autos fahren Niedersachsens Landtagsabgeordnete
E-Auto oder Verbrenner? In Niedersachsens Landtag zeigt sich ein bunter Mix: Während einige Politiker auf moderne Elektroantriebe setzen, bleiben andere ihren Dieselmodellen treu. Während bei der AfD kein einziger Abgeordneter ein reines E-Fahrzeug fährt, haben elf Grüne gar kein eigenes Auto.
Elektrisch, Diesel, Benziner oder auch hybrid als Mischung aus Elektro- und Verbrennerantrieb: An dieser Frage scheiden sich die Geister. Manche wollen von batteriebetriebenen Fahrzeugen nichts wissen, andere wiederum sind hellauf begeistert. Fest steht: Der Absatz von E-Autos in Deutschland stottert, da ist momentan eher Stand- statt Überholspur angesagt. Und VW steckt in einer tiefen Krise.
Themen, die auch die Landespolitik intensiv beschäftigen. Doch was für Autos fahren Niedersachsens Abgeordnete von SPD, Grünen, CDU und AfD eigentlich? Wir haben nachgefragt und erstaunliche Antworten erhalten.
Die CDU-Fraktion scheint die Anfrage unserer Redaktion vor eine echte Herausforderung gestellt zu haben. Nach einigen Wochen kommt lediglich ein schmallippiges Sprecherzitat als Antwort: „Die Abgeordneten der CDU-Landtagsfraktion fahren unterschiedliche Kraftfahrzeugmodelle von unterschiedlichen Herstellern und repräsentieren damit die von der Union stets geforderte Technologieoffenheit in der Automobilbranche.“
Von elektrisch über hybrid bis zum klassischen Verbrennermotor seien alle Antriebsarten vertreten. „Einige unserer Abgeordneten fahren Elektroautos, wie beispielsweise einen VW ID.3“, heißt es weiter. Aber auch der Verbrennermotor sei vertreten, etwa bei der acht Jahre alte VW Caravelle TDI, die von der Landtagsfraktion genutzt werde. Der Dienstwagen des Fraktionsvorsitzenden Sebastian Lechner sei ein Audi A8 L 60 TFSI e hybrid.
Deutlich offener und auskunftsfreudiger antworten die anderen Fraktionen. So fährt SPD-Fraktionschef Grant Hendrik Tonne nahezu die gleiche große Hybrid-Limousine als Dienstwagen wie CDU-Fraktionsvorsitzender Lechner, nämlich einen Audi A8 L TFSI e 60 e quattro, Baujahr 2023, mit drei Litern Hubraum und 462 PS. In diesem Jahr habe das Auto bisher etwas mehr als 40 Prozent seiner Fahrtstrecke elektrisch zurückgelegt, heißt es von der SPD.
Was auffällt: Bei der AfD-Fraktion fährt kein einziger Abgeordneter ein vollelektrisches Auto und bei den Grünen haben elf der 24 Abgeordneten gar kein eigenes Auto. Dafür sind sechs Grüne elektrisch unterwegs, „alle mit guten Erfahrungen und großer Freude“, wie es heißt.
Drei grüne Parlamentarier fahren Busse der Marken VW und Citroën und in drei Fällen wird das „noch solide, funktionierende ältere Verbrenner-Fahrzeug gefahren mit der Option, es durch ein E-Auto zu ersetzen, wenn es den Dienst quittiert“. Eine Abgeordnete fahre seit 2019 ein Biomethan-Auto, „weil es zum damaligen Zeitpunkt im ländlichen Raum die praktikabelste Alternative zum Verbrenner war“.
Dienstwagen für die Fraktionschefs gibt es im Gegensatz zu SPD und CDU bei den Grünen und der AfD im Landtag nicht. Die AfD wollte „aus Sicherheitsgründen“ die individuellen Automodelle der einzelnen Abgeordneten nicht bekanntgeben. „Generell fahren unsere Abgeordneten sowohl Verbrenner als auch Hybrid-Fahrzeuge. Weil sie viel unterwegs sind, ist ein Diesel für viele die bessere Wahl. Die einen Fahrzeuge sind jüngeren Baujahrs, anderen sind durchaus 20 oder gar 34 Jahre alt“, teilte ein Sprecher der Fraktion mit.
Bei der AfD gibt es große Vorbehalte gegenüber Elektroautos. So sagt beispielsweise der Abgeordnete Alfred Dannenberg: „Ich fahre kein E-Auto und werde auch nie eines fahren. Sie sind zu teuer, zu problematisch beim Ressourcenverbrauch, zu ungewiss in puncto Reichweite und Gelegenheit zum Wiederaufladen. Ich bin überzeugt vom Verbrenner mit seiner ausgereiften, zuverlässigen und insbesondere beim Diesel sparsamen Technik. Mein 34 Jahre alter Diesel-Kombi hat circa 440.000 Kilometer runter und ist mein Dauerläufer. Kein E-Auto heutigen Ursprungs wird auch nur annähernd diese ‚Lebensleistung‘ erbringen können.“
Der Abgeordnete Harm Rykena erklärt: „Mich fasziniert die Plug-In Hybrid-Technik. In der Stadt macht elektrisches Fahren Spaß. Auf der Autobahn ist der Benziner jedoch weit überlegen. Rein elektrische Autos sind im Alltag immer noch unpraktisch und für die Umwelt bringen sie keinen Vorteil.“
Und Marcel Queckemeyer, AfD-Landtagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Bersenbrück, stellt klar: „Ich kaufe mir niemals ein E-Auto, weil ich nicht möchte, dass die Natur in anderen Ländern weiter massiv zerstört wird, nur damit wir in Europa den Anschein des Saubermannes pflegen können. E-Autos sind reine grüne Ideologie-Projekte.“
Bei der SPD hingegen gibt es wie bei den Grünen diverse begeisterte E-Auto-Fahrer. Hier einige Beispiele:
Brian Baatzsch (Tesla Modell 3, Baujahr 2020, 256 PS): „Ich bin überzeugter E-Auto-Fahrer, weil wir als Abgeordnete eine Verantwortung haben, auch eine Vorbildfunktion zu übernehmen. Ich hoffe jedoch, dass mein nächstes Auto wieder ein Volkswagen, dann aber aus dem E-Auto-Segment, sein wird.“
Gerd Hujahn (Fiat 500e Dolce Vita, Baujahr 2024): „Ich bin überzeugter E-Auto-Fahrer, weil es deutlich günstiger ist als mein alter Diesel.“
Alexander Saade (VW e-UP, Baujahr 2021): „Ich fahre elektrisch, weil es wirklich Spaß macht. Damit meine ich nicht nur das Fahren, sondern auch die Tatsache, dass ich mir die teuren Inspektionen aus der Verbrennerzeit spare.“
Gleichwohl sind Abgeordnete der SPD nach wie vor auch mit Verbrennern unterwegs. So etwa Frank Henning aus Osnabrück, der einen BMW X5, Baujahr 2016, mit 315 PS und drei Litern Hubraum fährt und sagt: „Ich fahre noch kein E-Auto, weil mein Verbrenner noch gut funktioniert und es ökologischer ist, ein altes Auto so lange zu fahren, wie es funktioniert, anstatt einen Neuwagen zu kaufen.“
Marcus Bosse (VW Arteon, Baujahr 2020, Diesel, 190 PS) erklärt: „Ich fahre noch kein E-Auto, weil der Ausbau der nötigen Infrastruktur leider erst in den vergangenen Jahren spürbar vorwärtsgekommen ist, jetzt mit unserer Unterstützung aber richtig Fahrt aufnehmen wird.“
Ähnlich wie Frank Henning sieht es auch der Abgeordnete Thore Güldner, der einen Dacia Sandero, Baujahr 2017, Benziner, mit Ein-Liter-Hubraum und 73 PS fährt und sagt: „Ich fahre noch kein E-Auto, weil mein 2017 gekauftes Auto mir einen zuverlässigen Dienst erweist und ich im Sinne der Nachhaltigkeit dieses vergleichsweise verbrauchsarme Fahrzeug weiterfahren möchte.“