Abgabe für Touristen  Erstes Fazit zur neuen Übernachtungssteuer in Leer

| | 27.10.2024 11:03 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf die Kosten der Übernachtungen in Leeraner Hotels und Ferienwohnungen kommen nochmals drei Prozent Steuern obendrauf. Foto: dpa/Pförtner
Auf die Kosten der Übernachtungen in Leeraner Hotels und Ferienwohnungen kommen nochmals drei Prozent Steuern obendrauf. Foto: dpa/Pförtner
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Seit Juli erhebt Leer eine Übernachtungssteuer, die für Diskussionen sorgte. Nach den ersten Monaten blickt die Stadt positiv zurück. Einige Betriebe sehen das anders.

Leer - In Leer gibt es seit 1. Juli 2024 eine neue Abgabe: die Übernachtungssteuer. Im Vorfeld gab es Kritik aus den Reihen der Touristikbranche. „Die Stadt Leer wäre gut beraten, sich das nochmal genau zu überlegen“, sagte Christian Oltmanns, Leeraner Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), vor der Einführung.

Die Stadt hatte die Steuer beschlossen, um einen Beitrag für den Haushalt zu leisten und den Spielraum zu eröffnen, den Tourismusstandort Leer zielgerichtet zu stärken, hieß es in einer Mitteilung. Nach den ersten drei Monaten fällt das Fazit positiv aus – jedenfalls vonseiten der Stadt.

Zahlen übertreffen die Erwartungen

Für das erste Jahr wären 260.000 Euro angesetzt gewesen, schreibt Edgar Behrendt, Pressesprecher der Stadt Leer, auf Anfrage. „Da wir bei der Entscheidung für die Übernachtungssteuer vorsichtig geschätzt haben, werden unsere Erwartungen voraussichtlich übertroffen.“ In den ersten drei Monaten mit Steuer sei Leer gut besucht gewesen. Man gehe von Einnahmen in Höhe von knapp 100.000 Euro aus, heißt es weiter.

Rund 86 Prozent der Steuererklärungen seien für den ersten Zeitraum eingegangen, die übrigen werden zunächst geschätzt. Da die Übernachtungszahlen im Herbst und Winter im Vergleich niedriger ausfallen, „können wir verlässliche Aussagen erst nach weiteren Abrechnungen treffen“, so Behrendt.

Krumme Zahlen stören

Ferienwohnungsbesitzer stehen der Steuer auch nach vier Monaten negativ gegenüber. Im Gespräch mit dieser Zeitung kritisiert Heinz Bolland, Inhaber der Pension „Zum gemütlichen Eck“, die krummen Zahlen bei der Berechnung der Abgabe. Die Steuer allgemein „bringt viel zusätzliche Arbeit, die wir damit haben“: Listen genau führen, die Steuer berechnen und extra bei der Bank das Geld zur Stadt überweisen. „Die Gäste beschweren sich häufig wegen des krummen Betrags und zahlen diesen fast nur noch mit EC-Karte“, sagt Bolland. Sein Wunsch wäre einen festen, geraden Betrag – um das umständliche Rechnen zu umgehen.

Auch von einem anderen Vermieter, der in nicht öffentlich genannt werden will, kommt Kritik. Größerer Arbeitsaufwand, mehr Kosten – „Man merkt bei uns, dass die Gäste weniger werden.“ Sonst habe man 300 Tage im Jahr die Wohnungen vermietet, dieses Mal sei es weniger. Außerdem sei man sich nicht sicher, wie man die Steuer quittieren solle. Dadurch, dass größtenteils im Umkreis von Leer keine Steuer erhoben wird, befürchtet der Betreiber, dass es die Gäste in umliegende Gemeinden zieht. Beide befürchten, dass vermehrt inoffiziell vermietet werden könnte und Feriengäste ohne Anmeldung „an der Steuer vorbei“ einquartiert werden.

Berechnungshilfe auf der Webseite

Laut der Stadt Leer, hat man im ersten Quartal „die Anliegen der Beherbergungsgeber dank umfangreichen, frühzeitigen und auch fortlaufenden Information und Kommunikation klären können“. Die vielen Rückfragen im Vorfeld seien telefonisch oder im persönlichen Gespräch beantwortet worden, so Behrendt. Eine Fragenübersicht und eine Berechnungshilfe, um den Verwaltungsaufwand der Gastgeber zu senken, gibt es auf der Webseite der Stadt. Hier werden Fragen wie „Unterliegen auch kostenpflichtige Stornierungen für eine Übernachtung der Steuer?“ beantwortet. Bei darüber hinausgehenden Fragestellungen gibt es weiterhin die Möglichkeit, die Verwaltung telefonisch zu kontaktieren.

„Leer wird nicht unattraktiv“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Leer durch die Steuer unattraktiv wird“, sagt Kurt Radtke, Geschäftsführer von der Touristik GmbH Südliches Ostfriesland. In der dynamischen Branche gebe es viele Einflüsse auf die Preise – ob negativ oder positiv. „Es ist aber noch viel zu früh für ein Fazit“, so Radtke. Die Vermittlungszahlen seien immerhin ähnlich gut wie im vergangenen Jahr. „Was insgesamt bei der Steuer rumkommt, sehen wir frühestens Ende 2025.“

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