Osnabrück  Clevere Finanzplanung für den Nachwuchs: Wie Eltern richtig sparen

Max Geissler
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Von Max Geissler
| 27.10.2024 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ob fest verzinst oder flexibel – die richtige Sparstrategie für Kinder will wohlüberlegt sein. Foto: dpa/Silvia Marks
Ob fest verzinst oder flexibel – die richtige Sparstrategie für Kinder will wohlüberlegt sein. Foto: dpa/Silvia Marks
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Zur Geburt ihres Kindes legen viele Eltern Geld zurück, um für sie ein Finanzpolster für die Zukunft aufzubauen. Schließlich kostet der Nachwuchs bis zur Eigenständigkeit viel Geld. Welche Geldanlage eignet sich, damit alle Wünsche erfüllt werden können?

Um die passende Sparform zu finden, muss man zunächst seine Anlagepräferenzen festlegen. Folgende Fragen sind zu klären: Auf welches Ziel hin soll gespart werden, für laufende Anschaffungen oder für den Sprung ins eigene Leben? Soll das Geld fest angelegt oder flexibel verfügbar sein? Wie viel Risiko möchte man eingehen? Möchte man einmalig Geld anlegen oder in Raten sparen? Wie lange soll das Geld angelegt sein?

Ferner ist wichtig, auf wessen Namen die Geldanlage läuft. Ist das Kind der Eigentümer, gehört das angesparte Vermögen allein ihm. Die Eltern dürfen zwar darüber verfügen, es aber nicht für eigene Zwecke ausgeben. Ab dem 18. Lebensjahr ist das Kind dann verfügungsberechtigt. Läuft die Anlage auf den Namen der Eltern, können diese frei über das Geld verfügen. Allerdings zählen die Ersparnisse dann zum Elternvermögen und nicht zum Kindervermögen, was den Spielraum beim elterlichen Steuerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr einengt.

Werden Geldgeschenke zur Geburt nicht benötigt, kann man die Zuwendungen zunächst auf einem Festgeldkonto wachsen lassen. Zur Einschulung freut man sich dann über einen Zuschuss zur ersten Schulausstattung oder zur Einschulungsfeier. Attraktive Offerten kommen derzeit von der Fürstlich Castell`schen Bank aus Franken, die bei fünfjähriger Laufzeit 3,0 Prozent Zinsen zahlt. Bei einer Anlage von 5.000 Euro beschert dies immerhin 796 Euro an Zinsen. Topzinsen sind aktuell auch bei dreijähriger Laufzeit möglich, etwa bei der Klarna Bank mit 2,74 Prozent oder der ABC Bank mit 2,70 Prozent. Bei kurzer Anlagedauer, etwa für ein Jahr, bietet sich die CA Auto Bank mit 3,40 Prozent Zinsen an.

Mit Schuleintritt wachsen die Ansprüche. Ob Smartphone, Mountainbike oder teure Spielebox – alle Eltern kennen die kostspieligen Wünsche ihrer Kinder. Um die Erwartungen nicht zu enttäuschen und stets flüssig zu sein, empfiehlt es sich, mit Schulbeginn die Festgeldanlage in Tagesgeld umwandeln. Verzinste Tagesgeldkonten können nicht ins Minus rutschen, das Guthaben ist jederzeit abrufbar. Zudem kann man frisches Geld, etwa zu Weihnachten oder den Lohn fürs Gassigehen mit dem Nachbarshund, auf das Konto einzahlen.

Ein Top-Angebot für Neukunden kommt derzeit von der schwedischen TF Bank mit 3,65 Prozent Zinsen. Die Zinsen sind aber nur für drei Monate garantiert. Längere Topzins-Garantie von fünf und sechs Monaten bieten Suresse Direkt Bank und Volkswagen Bank mit 3,40 beziehungsweise 3,30 Prozent Zinsen. Da sich das Tagesgeldkonto für die gesamte Schulzeit als flexibles Anlagekonto anbietet, ist ein hoher Basiszins nach dem Ende der Topzins-Phase ratsam. Hier überzeugen zum Beispiel die Openbank mit 2,80 Prozent und die Renault Bank direkt mit 2,60 Prozent Basiszins. Den höchsten Basiszins bietet das Liechtensteinische Investmenthaus wiLLBe mit 3,30 Prozent für alle Kunden bis zu einem Betrag von 50.000 Euro.

Nach Schulende erzwingt der Einstieg in die Berufsausbildung oder das Studium oft größere Investitionen. Häufig muss die erste eigene Wohnung oder das WG-Zimmer ausgestattet und ein fahrbarer Untersatz angeschafft werden. Um das nötige Finanzpolster aufzubauen, sollten Eltern frühzeitig mit dem Sparen beginnen. Das geht per Einmalanlage oder Sparplan.

Als Grundlage für die Einmalanlage könnten Geldgeschenke zur Einschulung, Erstkommunion oder zur Jugendweihe dienen. Für eine längere Anlagedauer sind Tagesgeld oder Kindersparbuch wegen der geringen Renditen ungeeignet. Ab zehn Jahren Laufzeit ist eine Einmalzahlung in international ausgerichtete Aktienfonds und ETFs die bessere Wahl. Die Verbraucherzentralen empfehlen kostengünstige ETFs, etwa auf den MSCI World Index. Zur Verwahrung der ETF-Anteile bieten sich kostenfreie Juniordepots an, wie sie zum Beispiel Consorsbank, ING, DKB und S-Broker anbieten.

Möchten Großeltern oder Paten monatlich einen Betrag spenden, so ist ein Sparplan die erste Wahl. Zum Ratensparen empfehlen sich ebenfalls breit investierende Aktienfonds und ETFs. Globale Aktienfonds erzielten laut Fondsverband BVI in den vergangenen 15 Jahren eine jährliche Durchschnittsrendite von 8,1 Prozent. Aus monatlich 100 Euro wurden so im Schnitt 34.261 Euro, inklusive aller Fondskosten (Stand: 30.9.24). Tipp: Kostengünstige Indexfonds können den Ertrag steigern. So erzielte der iShares Core MSCI World UCITS ETF (ISIN: IE00B4L5Y983) auf 15-Jahressicht eine Durchschnittsrendite von 12,3 Prozent pro Jahr. Abzüglich Kosten (0,2 Prozent p.a.) und Kaufgebühren (2,5 Prozent / Rate) winkt ein Sparergebnis von gut 46.000 Euro.

Auch Versicherungen offerieren Sparpolicen für Kinder. Laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zeigt aber die Beratungspraxis, „dass Ausbildungsversicherungen, Kinderpolicen und Kindervorsorge meist völlig am Bedarf von Schülern und Jugendlichen vorbei verkauft werden“. Wer erwartet, damit die Ausbildung seines Kindes absichern können, der liege falsch. Die meisten Versicherungen seien nichts anderes als kapitalbildende Lebensversicherungen. Zur Vorsicht raten die Verbraucherschützer auch bei Gold. Der Goldpreis schwanke stärker als die Aktienmärkte, außerdem zahle Gold keine Zinsen. „Wir raten davon ab, mehr als zehn Prozent des Kapitals in Gold anzulegen.

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