Totschlag in Hage Todesnachricht ließ den Verdächtigen kalt
Ein 32-jähriger Norder soll im Januar 2024 eine 65-jährige Bekannte in deren Haus in Hage umgebracht haben. Ein Polizeibeamter schilderte, wie der Mann damals auf die Todesnachricht reagierte.
Aurich/Hage - Am 21. Januar 2024 wurde eine 65-Jährige tot in ihrem Reihenhaus in Hage aufgefunden. Nach Erkenntnissen der Rechtsmedizin wurde sie mit elf wuchtigen Messerstichen sowie Schlägen und Tritten attackiert. Die Frau erstickte in einem minutenlangen Todeskampf an ihrem eigenen Blut. Die Ermittler stellten fünf blutbesudelte Messer sicher. Vier lagen in der Küche, eins steckte im Achselbereich der Leiche.
Auf der Anklagebank sitzt ein 32-jähriger Bekannter der Getöteten aus Norden. Er hat gelegentlich mit ihr zusammengegessen, Bier getrunken und in einem Zimmer im Obergeschoss übernachtet. Der Angeklagte leidet an paranoider Schizophrenie. Er zählt sich zu den Göttern. Beim Auftakt des Totschlagsprozesses bestritt er, die Frau umgebracht zu haben. Sein Genmaterial wurde allerdings im Umfeld der Getöteten gefunden. Sogar an den Griffen einiger Messer.
Zwei Wochen vor der Tat Medikamente abgesetzt
Bei der Fortsetzung des Prozesses vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Aurich am Mittwoch, 30. Oktober 2024, sagten zwei Polizeibeamte aus, die in den Tagen unmittelbar nach der Tat mit dem Angeklagten zu tun hatten. Das Gericht und der psychiatrische Gutachter Professor Dr. Wolfgang Trabert interessierten sich für den damaligen Zustand des Norders. Er hatte zwei Wochen vor der vorgeworfenen Bluttat seine Medikamente gegen Angstzustände abgesetzt, weil er sich nach eigenem Bekunden mit den Auswirkungen der Tabletten unwohl fühlte. In Kombination mit exzessivem Alkoholkonsum berichtete er beim Prozessauftakt über „Filmrisse“. Seit August 2024 ist der Norder nicht mehr in Untersuchungshaft, sondern in der Psychiatrie untergebracht.
Ein 25-jähriger Polizeibeamter aus Aurich berichtete, er habe den Angeklagten zwei Tage nach dem Vorfall bei der Befragung von Personen aus der Trinkerszene angetroffen. Als man einen seiner Bekannten vernommen habe, sei der Norder zufällig vorbeigekommen und habe sich mit auf die Couch gesetzt. „Wir haben uns als Polizei vorgestellt und er war ein bisschen verdutzt, denn er kam gerade von einer Zeugenvernehmung“, sagte der Beamte. Der Norder habe damals von sich aus gesprochen, doch beim Erzählen die Beziehung zu der Getöteten außen vorgelassen. Er habe einen ruhigen Eindruck gemacht. Geredet habe er emotionslos.
„Er hat von sich aus nichts erzählt“
Am Tag nach der Tat hatte ein Ermittler den Norder zufällig bei einem weiteren Kumpel angetroffen, wo er seit einigen Tagen auf dem Sofa genächtigt hatte. Da er ein Zeuge aus dem näheren Umfeld des Opfers war, wollte man ihm ein paar Fragen stellen. „Wir eröffneten ihm, dass es ein Tötungsdelikt gegeben hat“, erklärte der 40-jährige Ermittler. „Ich sagte ihm den Namen des Opfers, da kam keine Reaktion“, fuhr der Beamte fort. Wortkarg habe der Norder eingeräumt, man kenne sich und habe zusammen Bier getrunken. „Das Gespräch war schwierig. Er hat von sich aus nichts erzählt, man musste viel nachfragen“, fasste der Polizist zusammen. Bei der Untersuchung von Händen, Unterarmen und Füßen des Norders hätten sie außer Anzeichen von Unsauberkeit nichts erkennen können.
Anschließend sei man mit ihm auf die Norder Wache gefahren, um Fotos zu machen und Fingernägelmaterial zu sichern. Die Stimmung sei entspannt gewesen – „wir haben geflachst, da hat er auch mal gelacht.“ Man habe seine aktuelle Kleidung sichergestellt und ihn auf seinen Wunsch wieder zu seinem Kumpel zurückgebracht. Seinen Gesamteindruck von dem 32-Jährigen an diesem Tag fasste der Polizist so zusammen: „Von der Körperhaltung her war der Angeklagte müde und erschöpft. Er zeigte keine Mimik, war trocken und nüchtern. Gegenfragen stellte er nicht.“ Im Auto habe man kein Gespräch in Gang halten können. „Es war schwierig. Er hatte nicht das Bedürfnis, von sich etwas preiszugeben“, sagte der Zeuge.
Nachbarn werden als Zeugen vernommen
Zwei Tage später, am 24. Januar 2024, sei der Norder anhand der Ermittlungen vom Zeugen- in den Beschuldigtenstatus gerückt. Er habe das zur Kenntnis genommen, als man ihn aufgesucht und entsprechend belehrt habe, so der Ermittler. Von der Körperhaltung her sei der Beschuldigte angespannt und sehr in sich gekehrt gewesen.
Der Prozess wird am 7. November 2024 um 9 Uhr in Saal 003 mit weiteren Zeugen, darunter Nachbarn der Getöteten, fortgesetzt.