Plattdeutsch-Profi  Lasse (5) ut Loquard kann Platt prooten

| | 31.10.2024 08:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der fünfjährige Lasse Reuss kann perfekt Platt prooten. Foto: Ortgies
Der fünfjährige Lasse Reuss kann perfekt Platt prooten. Foto: Ortgies
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Der fünfjährige Lasse aus Loquard kann fließend Plattdeutsch sprechen. In seiner Kita steckt er damit bereits andere Kinder an.

Loquard - Lasse proot Platt. Und das nicht nur so ein bisschen, sondern so richtig. Er kennt fast alle Wörter, Redewendungen und kann sogar automatisch zwischen Hoch- und Plattdeutsch wechseln. Das ist vor allem besonders, weil er erst fünf Jahre alt ist. Seine Eltern hatten sich bewusst dazu entschieden, ihren Sohn zweisprachig zu erziehen. Das heißt: „Mein Mann redet nur Plattdeutsch mit ihm und ich Hochdeutsch“, sagt seine Mutter Imke Reuss. Auch bei seinen Großeltern oder in der Kita spricht der Junge plattdeutsch.

Lasse Reuss kann Platt prooten. Das hat er vor allem von seinem Vater gelernt. Foto: Ortgies
Lasse Reuss kann Platt prooten. Das hat er vor allem von seinem Vater gelernt. Foto: Ortgies

Experten sprechen in solchen Fällen von einer „frühen Mehrsprachigkeit“ - das heißt, dass das Kind bis zu einem Alter von neun Jahren mehrsprachig aufgewachsen ist. Laut Website des Plattdüütskbüros der Ostfriesischen Landschaft ist das der Zeitraum, in dem sich die Gehirne mitsamt Sprachzentrum besonders stark entwickeln. Lernt ein Kind in diesem Zeitraum mehr als eine Sprache, entwickelt es ein besonders großes Sprachzentrum, das es ihm auch später erleichtert, neue Sprachen zu lernen. Menschen, die nach dem neunten Lebensjahr eine neue Sprache lernen, müssen dafür ein komplett neues, unabhängiges Zentrum entwickeln.

In der Kita auf erste Kenntnisse aufbauen

Entsprechend froh ist auch der Krummhörner Plattdeutschbeauftragte Heinz Richter über Fälle wie den von Lasse. „Besser geht es gar nicht“, sagt er. Seine Aufgabe ist es, das Plattdeutsche in der Gemeinde Krummhörn zu fördern. Wichtiger Baustein dieser Arbeit sind die Schulen und Kitas, denn nur durch sie kann es gelingen, dass auch die Folgegenerationen lernen, Platt zu sprechen.

Lasse Reuss und sein Freund Tom Smidt können Plattdeutsch sprechen. Foto: Ortgies
Lasse Reuss und sein Freund Tom Smidt können Plattdeutsch sprechen. Foto: Ortgies

In seiner Kita in Loquard hat Lasse bereits andere Kinder mit dem Plattprooten angesteckt. Sein Freund Tom zum Beispiel ist Feuer und Flamme. „Als Lasse damit anfing, wollte er es auch sprechen. So was spornt natürlich an“, sagt Meenje van Velde, stellvertretende Leiterin der Kita. Sie und auch einige ihrer Kolleginnen können ebenfalls Plattdeutsch sprechen und versuchen, das den Kindern weiterzugeben. Bei Kindern wie Tom, die bereits erste Vorkenntnisse haben und zudem motiviert sind, kann man dabei schnell erste Erfolge feiern. Dazu lesen sie etwa plattdeutsche Geschichten vor oder proben Theaterstücke mit den Kindern ein. Passendes Material gibt es etwa beim Plattdüütskbüro der Ostfriesischen Landschaft.

Der Plattdeutschbeauftragte Heinz Richter, Tom Smit, Lasse Reuss und die stellvertretende Kitaleitung Meenje van Velde. Foto: Ortgies
Der Plattdeutschbeauftragte Heinz Richter, Tom Smit, Lasse Reuss und die stellvertretende Kitaleitung Meenje van Velde. Foto: Ortgies

So ist es um das Plattdeutsche in der Krummhörn bestellt

Im Gegensatz zu den meisten anderen Sprachen gibt es für das Plattdeutsche keine standardisierte Aussprache. Wie gut oder schlecht jemand „Platt proot‘“, lässt sich daher auch kaum objektiv messen. Vorgaben zur Aussprache gibt es nicht, von Region zu Region gibt es Unterschiede. Das Platt in der Krummhörn ist ein anderes als im Emsland oder im Hamburger Land. Zudem ist die Sprache ständig im Wandel und wird beeinflusst vom Hochdeutschen. Aber: Seit August hat das Kultusministerium für Schulen in Ostfriesland beim Plattdeutsch die Schreibweise der Ostfriesischen Landschaft als verpflichtend erklärt. Nach Auskunft von Pressesprecher Sebastian Schatz hatte die Landschaft lange für diese Vereinheitlichung der Schreibweise gekämpft, weil sie Grundvoraussetzung für den plattdeutschen Schulunterricht ist.

Und: In der Krummhörn ist es noch recht gut bestellt um die Sprache, sagt der Plattdeutschbeauftragte Heinz Richter. Das hatte eine Studie der Universität Oldenburg ergeben. Die Forschenden hatten nach objektiven Merkmalen gesucht, mit denen sich messen lässt, wie gut jemand Plattdeutsch spricht. Dafür hatten zwei Doktorandinnen im Verlauf von vier Jahren knapp 100 Menschen aus der Krummhörn interviewt und sich von ihnen unter anderem Texte vorlesen und Bildergeschichten nacherzählen lassen. Kinder waren da allerdings nicht dabei. Die aufgezeichneten Sprachdaten haben sie hinsichtlich Sprechgeschwindigkeit, Grundfrequenz und Stimmqualität analysiert. Die Ergebnisse dieser Studie waren Anfang des Jahres in Pewsum vorgestellt worden.

„Kulturgut, das weitergegeben wird“

Während bei der älteren Generation die Zweisprachigkeit noch relativ ausgeglichen ist, überwiegt bei den jüngeren Menschen die Sprachkompetenz des Hochdeutschen im Vergleich zum Plattdeutschen. Das zeigt sich unter anderem in der Sprechgeschwindigkeit, die bei jüngeren Menschen im Plattdeutschen deutlich langsamer ist als im Hochdeutschen, während es bei älteren Menschen kaum einen Unterschied in der Sprachgeschwindigkeit gibt. Plattdeutschsprechen fällt jüngeren Menschen also schwerer als der Gebrauch des Hochdeutschen. Das verringert die Chance, dass das Plattdeutsche als „Familiensprache“ weitergegeben wird.

Die Forschenden sehen trotzdem gute Chancen für den Erhalt der Sprache. Denn grundsätzlich sind die Sprachkompetenzen in der Krummhörn vorhanden. Wichtig sei es aber, mehr Gelegenheiten zum Plattsprechen zu schaffen – besonders im Kindes- und Jugendalter. Das könnte etwa durch Förderungen in Schulen und Kitas oder durch die Schaffung durch Angebote in Vereinen passieren.

Dafür setzen sich auch die Plattdeutschbeauftragten und die Ostfriesische Landschaft ein, indem sie zum Beispiel regelmäßige Fortbildungen für Lehrkräfte und Erzieher anbieten. Wenn es nach Heinz Richter ginge, können die Kinder gar nicht früh genug damit beginnen, die Sprache zu lernen – Englisch lernten sie später früh genug. „Egal, ob beim Zahnarzt, im Combi an der Kasse oder bei der Arbeit. Überall wird hier bei uns in der Krummhörn platt gesprochen“, sagt er. „Und wenn Kinder das sprechen können, ist das ein Kulturgut, das weitergegeben wird.“

Lasse (5) ut Loquard kann Platt prooten

Hinweis der Redaktion: Der folgende Text ist mithilfe von künstlicher Intelligenz vom Hochdeutschen ins Plattdeutsche übersetzt worden. Wir haben dem Programm, Chat GPT, dabei die Vorgabe gegeben, nichts am Inhalt zu ändern und sich sprachlich möglichst am ostfriesischen Plattdeutsch zu orientieren. Das Ergebnis war überraschend gut - nur wenige Ausbesserungen waren erforderlich. Trotzdem: Ohne Anspruch auf sprachliche Korrektheit, nach bestem Wissen und Gewissen.

Loquard - Lasse proot Platt. Un dat nich bloots so’n bietje, nee, so richtig platt! He kennt fast all Wöör un Redensarten un kann ganz automaatsch tussen Hoch- un Plattdüütsch switchen. Dat is besünners, weil he erst fief Johren oolt is. Sien Ollen hebbt sik ganz bewust doför entschieden, ehr Jung twasprakig upwussen to laten. Dat heit: „Mien Mann proot bloots Plattdüütsch mit hum, un ik proot Hochdüütsch mit hum“, seggt sine Moder Imke Reuss. Ok bi sine Grootollen un in de Kinnergaarn proot de Jung Plattdüütsch.

Experten seggen bi so wat van „frühe Mehrsprachigkeit“, dat heit, dat dat Kinn bit to’n Oold van negen Johren mehrsprakig upwussen is. Nömmens de Websiet vom Plattdüütskbüro van de Oostfreeske Landschaft is dat de Tiet, in de sik de Gehrne mitsamt Sprakzentrum besünners stark utveckelt. Leert een Kinn in disse Tiet mehr as een Spraak, dann entwickelt dat sik en extra groot Sprakzentrum, dat’t hum ok spöter ligt maakt, ne’e Sprachen to leren. Lüü, de erst na dat neegenste Lebensjohr en ne’e Spraak lernt, mööt dorför en kompleet nee, onafhankelijkes Zentrum entwicklen.

In de Kinnergaarn op de eersten Kentnisse upbauen

Daarum is ok de Krummhörner Plattdüütskbeopdragte Heinz Richter fröh över so’n Fall as den van Lasse. „Besser geiht dat gor nich“, seggt he. Siene Opgave is dat, dat Plattdüütske in de Gemeen Krummhörn to fördern. Wichtiger Bestanddeel van disse Arbeit sünd de Scholen un Kinnergaarn, denn blot daarover geiht dat, dat ok de nachkamen Generationen Platt leren könen.

In sien Kinnergaarn in Loquard het Lasse al annere Kinner mit sin Platt ansteckt. Sien Kumpel Tom is Füür un Flamm. „As Lasse mit anfang, wull he dat ok prooten. So wat spornt natuurlik an“, seggt Meenje van Velde, stellvertretende Leiterin van de Kinnergaarn. Se un ok een paar Kolleginnen könnt Platt prooten un versökt, dat den Kinnern te leren. Bi Kinnern as Tom, de al de eersten Vorkenntnisse hebbt un motiviert sünd, kann een gau de eersten Erfolgen fieren. Se leest Plattdüütske Geschichten vör oder övt mit de Kinner plattdeutsche Theoterstükk. Passendes Material gifft dat bi’t Plattdüütskbüro van de Oostfreeske Landschaft.

So steiht dat Plattdüütske in de Krummhörn da

Anders as bi de meisten annern Spraken gifft dat för dat Plattdüütske kene standardisierte Utsprook un Schrievwies. Wi goed oder schlecht een „Platt proot‘“, lett sik daher ok nich objektiv moaten. Utsprookvorgaven gifft dat nich, un dor sünd van Region to Region ollehand Unnerscheden. Dat Platt in de Krummhörn is wat annerst as dat in’t Emsland oder in’t Hamborger Land. Dorbi is de Spraak ok ständig in’n Wandel un warrt vom Hochdüütsch beeinflusst. Man: In de Krummhörn steiht dat Plattdüütske noch recht goot da, seggt de Plattdüütskbeopdragte Heinz Richter.

Dat hett en Studie van de Universität Oldenburg utfunnen. De Forsker hebbt no objektive Merken söcht, mit de sik moaten lett, wi goed een Platt snackt. Dorför hebbt twee Doktorandinnen in’t Loop van veer Johr knapp 100 Lüü ut de Krummhörn interviewt un sik vun ehrn Teken förlesen un Bildersöögschichten narrtellen laten - Kinner weernt dorbi nich dör. De optekende Sprakdaten hebbt se bi Unsaken as Prootsnelheid, Grundfrekwents un Stimmqualität analysiert. De Resultaten van disse Studie weern to’n Johranfang in Pewsum vöörstellt.

„Kulturgut, dat bewahrt warrt“

Bi de ooldere Generation is de Twesprakigkeit noch recht gliek, man bi de jungeren Lüü överwiegt de Sprakkompetenz van’t Hochdüütsche in’t Verglik to’t Plattdüütsche. Dat lett sik ok an de Prootsnelheid seen, de bi jungeren Lüü in’t Plattdüütsche bedüden slooriger is as in’t Hochdüütsche, woneem de olleren Lüü keenen grote Unnersched in’t Prootsnelheit hebbt. Plattdüütsch prooten fallt de jungeren also swierer as dat Hochdüütsche. Dat minnt de Chance, dat dat Plattdüütske as „Familiensprak“ bit geven warrt.

De Forsker siet dennoch gute Chancen för dat Bestoan van de Spraak. Denn grundsätzlig sünd de Sprakkompetenzen in de Krummhörn dor. Wichtig is man, mehr Gelegenheiten för dat Plattprooten to schaffen - besünners in de Kinn- un Jugendjohr. Dat könnt beispielsweise dör Förderungen in Scholen un Kinnergaarn oder dör Anbood in Vereinen möglich maken.

Doför sett sik ok de Plattdüütskbeopdragten un de Oostfreeske Landschaft ein, indem se exempelhaft regelmääßige Fortbildungen för Lehrkräften un Eerzieher anbiedt. Wenn dat na Heinz Richter geiht, köönt de Kinner gor nich früh genug anfang, de Spraak to leren. „Egal, of bi’n Dokter, bi Combi an de Kass oder op de Arbeit. Överall ward hier bi uns in de Krummhörn Platt proot“, seggt he. „Un wenn Kinner dat prooten könen, is dat en Kulturgut, dat bewahrt warrt.“

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