Osnabrück Packend von der ersten bis zur letzten Einstellung: Der neue Dresdener „Tatort: Unter Feuer“
Ein Polizistenmord während einer Verkehrskontrolle bildet den Auftakt zum hochdramatischen neuen Dresdener „Tatort: Unter Feuer“ mit Martin Brambach. Im Mittelpunkt steht diesmal aber Kommissarin Winkler (Cornelia Gröschel), für die der Fall sehr persönlich wirkt.
Boah, ist das langweilig! Die beiden unerfahrenen Streifenpolizistinnen Anna Stade (Paula Kroh) und Leila Demiray (Aybi Era) sind sichtbar genervt von ihrem Job, zu dem sie verdonnert wurden. Allgemeine Verkehrskontrolle irgendwo im Nirgendwo bei Dresden, wo doch sowieso kaum jemand vorbeikommt. Was haben sie ihren Vorgesetzten nur getan, dass sie jetzt so einen sinnlosen Dienst schieben müssen?
Aber es dauert nicht lange, und die Langeweile kippt in ihr brutales Gegenteil um. Von einer Sekunde auf die andere werden die Polizistinnen und ihre beiden männlichen Kollegen in eine wilde Schießerei verwickelt. Anstatt aus ihrer Deckung heraus den Kollegen zu helfen, bringen sich die beiden Polizistinnen lieber in Sicherheit, bis der Täter weg ist. Ein Polizist ist tot, der andere lebensgefährlich verletzt. Der Mörder (Max Mauff) wird zwar schnell ermittelt, ist jedoch flüchtig - mit einer Geisel (Dorothea Arnold) im Schlepptau.
Dies ist nur der äußerst packend inszenierte Anfang der neuesten, ganz und gar herausragenden Dresdener „Tatort“-Episode „Unter Feuer“. Ein lupenreiner Polizeikrimi, wie man ihn auch nicht alle Tage zu sehen bekommt. Es geht um Vertrauen unter Kollegen, um den Unterschied zwischen Loyalität und Korpsgeist, um menschliches Fehlverhalten und noch viel mehr im Spannungsfeld von Beruf und Familie. Irgendwie scheinen ein paar Kollegen des betroffenen Polizeireviers selber in kriminelle Machenschaften verstrickt zu sein.
Revierleiter Jens Riebold (Andreas Lust) legt zwar höchstpersönlich beide Hände für seine Mitarbeiter ins Feuer. Aber die Dresdenerin Oberkommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) hat da so ihre Zweifel. Zumal dieser Fall Erinnerungen an den Tod ihres Bruders weckt, der vor neun Jahren als Polizist im Dienst auf Riebolds Wache unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Während Winklers Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) gemeinsam mit dem auch diesmal wieder mies gelaunten Kommisariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) den aktuellen Fall zu lösen versucht, wühlt Leonie in der Vergangenheit und reißt dabei auch alte familiäre Wunden auf.
Ach nö, mag man da im ersten Moment voreilig genervt denken. Nicht schon wieder so ein Fall, wo eine Ermittlerin bis zur Halskrause persönlich in den Fall verwickelt ist. Aber hier kann umgehend Entwarnung gegeben werden. Regisseur Jano Ben Chaabane („Kleo“) gelingt nach dem nunmehr dritten Drehbuch von Christoph Busche für einen Dresdener „Tatort“ ein eindrucksvoller Krimi fernab erwartbarer Klischees. Stattdessen gibt es Spannung pur, vom hochdramatischen Anfang bis zum wendungsreichen Ende.
Zwischendurch und nebenbei werden auch noch weitere Aspekte angeschnitten, die der Polizeialltag so mit sich bringen kann. Auf der zwischenmenschlichen Ebene wird hier nun endlich das gestörte Verhältnis zwischen Leonie und ihrem Vater Otto Winkler (Uwe Preuss) neu justiert. Aber auch die Widrigkeiten, mit denen Polizisten im ganz normalen Dienstalltag zu kämpfen haben, werden hier ganz nebenbei mit Liebe zum Detail (mangelhafte Ausstattung, Röhrenbildschirme, es tropft von der Decke, etc.) thematisiert. Einen Vorteil hat es ja, wenn die Wache „vorübergehend“ in eine ehemalige Kirche ausgelagert wird. Im Glockenturm lässt sich der Frust nach Herzenslust von der Seele schreien.
Aber unterm Strich überzeugt „Unter Feuer“ vor allen Dingen als schnörkelloser, von der ersten bis zur letzten Minute spannend inszenierter Krimi. Leider der vorletzte mit Gorniak-Darstellerin Hanczewski, die dann im nächsten Jahr als letzte des weiblichen Original-Trios das Dresdener Team verlässt.
„Tatort: Unter Feuer“. Das Erste, Sonntag, 03. November, 20.15 Uhr. Anschließend in der ARD Mediathek.