Landwirtschaft im Wandel  Kühe mit Fitness-Tracker – so geht Landwirtschaft heute

| | 07.11.2024 19:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ihno Groeneveld hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Entwicklungen in der Landwirtschaft miterlebt. Unter anderem wurden die Traktoren größer. Foto: Ortgies
Ihno Groeneveld hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Entwicklungen in der Landwirtschaft miterlebt. Unter anderem wurden die Traktoren größer. Foto: Ortgies
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In der Serie „Landwirtschaft im Wandel“ stellen wir Betriebe und die Menschen dahinter vor. Ihno Groeneveld aus Uphusen betreibt einen modernen Gemischtbetrieb mit Milchvieh und Ackerbau.

Uphusen - Der mehr als 40 Jahre alte Deutz wirkt neben seinem modernen Nachfolger ziemlich klein und in die Jahre gekommen. Der neue Deutz kommt deutlich größer und imposanter daher – er muss auch deutlich mehr leisten als das alte Modell. Die beiden Traktoren sind sinnbildlich für den Wandel in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten. Die modernen Maschinen denken für die Landwirte mit, nehmen ihnen teilweise Arbeit ab und ermöglichen es, in viel größeren Maßstäben zu wirtschaften, als das für Familienbetriebe vor 40 oder 50 Jahren möglich war.

Ihno Groeneveld aus Uphusen hat diesen Wandel miterlebt. Der Landwirt aus dem Uphuser Hammrich in Emden hält 110 Milchkühe und bewirtschaftet 140 Hektar Ackerland mit Mais, Raps, Weizen, Gerste und neuerdings auch Zuckerrübe. Hinzu kommen 40 Hektar Grünland. Der Betrieb ist unter der Leitung Groenevelds ordentlich gewachsen. Ende der 90er Jahre siedelte er den Familienbetrieb aus Uphusen in den Hammrich um und baute einen wesentlich größeren Stall für die Kühe und ein neues Zuhause für sich und seine Familie.

Der moderne Traktor von Ihno Groeneveld fährt fast vollautomatisch. Foto: Ortgies
Der moderne Traktor von Ihno Groeneveld fährt fast vollautomatisch. Foto: Ortgies

Oma musste Hof nach Krieg alleine führen

In dem alten Hof von 1909 hatten zuvor bereits sein Urgroßvater, sein Großvater und sein Vater Landwirtschaft betrieben. Heute dient der alte Gulfhof unter anderem als Getreidelager. Die Bedingungen waren damals anders als heute. Ihno Groenevelds Großvater wurde im Zweiten Weltkrieg als Soldat eingezogen. Den Hof leitete er mittels Briefen an seine Frau zunächst noch von der Front aus. Kurz vor Ende des Krieges wurde er als vermisst gemeldet und nie gefunden. „Meine Oma musste den Hof danach alleine führen“, sagt Ihno Groeneveld. Entsprechend früh stieg sein Vater mit nur 15 Jahren in den Betrieb ein. „Das ist schon enorm, was die damals geleistet haben“, sagt er.

Auf dem Betrieb von Ihno Groeneveld leben 110 Milchkühe. Foto: Ortgies
Auf dem Betrieb von Ihno Groeneveld leben 110 Milchkühe. Foto: Ortgies

Für ihn selbst war früh klar, dass er den Betrieb einmal übernehmen wird. Denn anders als sein älterer Bruder hat er schon als Kind jede freie Minute im Stall bei den Tieren verbracht. Heute arbeitet Ihno Groeneveld gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Matis Janßen und einem Auszubildenden auf seinem Betrieb.

Matis Janßen arbeitet als Geselle auf dem Betrieb von Ihno Groeneveld. Der Futterschieber ist vollautomatisch im Stall unterwegs. Foto: Ortgies
Matis Janßen arbeitet als Geselle auf dem Betrieb von Ihno Groeneveld. Der Futterschieber ist vollautomatisch im Stall unterwegs. Foto: Ortgies

Moderne Ausstattung im Stall und auf dem Feld

Durch den regelmäßigen Azubi-Wechsel bekommt er viel von den aktuellen Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt mit: Zum einen sind es immer mehr junge Frauen, die die Ausbildung zur Landwirtin machen. Zum anderen werden es aber auch immer mehr Auszubildende, die selber nicht in der Landwirtschaft aufgewachsen sind. Einem Betrieb tue der Austausch mit den jungen Menschen gut. Sie bringen nicht nur menschlich frischen Wind mit, sondern auch Impulse für die Arbeit auf dem Betrieb. Als Ausbilder habe er den Anspruch, seinen Lehrlingen auch etwas beizubringen. „Da muss man automatisch auf dem neusten Stand bleiben“, so Groeneveld.

Die technischen Hilfsmittel in den modernen Traktoren erleichtern die Arbeit auf dem Feld. Geht mal was kaputt, kann es aber komplizierter werden. Foto: Ortgies
Die technischen Hilfsmittel in den modernen Traktoren erleichtern die Arbeit auf dem Feld. Geht mal was kaputt, kann es aber komplizierter werden. Foto: Ortgies

Das zeigt sich unter anderem an der Ausstattung im Stall und auf dem Feld: Jede Kuh trägt ein Halsband, das unter anderem erfasst, wie viel sie sich bewegt, wie viel Milch sie gibt, wie viel sie frisst und wann sie brünstig, also paarungsbereit ist. Das ist für Landwirte eine enorme Arbeitserleichterung, weil sie so nicht mehr jedes Tier einzeln kontrollieren müssen. Das Programm schlägt Alarm, wenn ein Tier krank ist, und gibt auch Bescheid, wann der richtige Zeitpunkt für die Besamung ist.

Landwirte müssen mit der Zeit gehen

Auch auf dem Feld arbeitet Ihno Groeneveld mit moderner Technik: Der Trecker lässt sich via Satellit steuern, sodass das Feld möglichst effizient bestellt wird. Moderne Güllefässer geben mit ihren Düsen die Gülle direkt auf den Boden ab und passen die Menge nach Vorschrift und Geschwindigkeit des Traktors an. Macht ein Fahrzeug Probleme, kann sich die Wartungsfirma ferngesteuert zuschalten und Computerprobleme lösen, ohne dass ein Mitarbeiter vor Ort sein muss. Aber: Ist etwas am Motor kaputt, muss trotzdem ein Techniker kommen. Anders als bei den alten Traktoren lassen sich die Reparaturen an den großen Maschinen heute kaum noch selber vornehmen.

Landwirtschaft im Wandel: Während die Gülle bisher ausgestreut wurde, muss sie ab kommendem Jahr mit Düsen direkt auf das Feld gegeben werden. Foto: Ortgies
Landwirtschaft im Wandel: Während die Gülle bisher ausgestreut wurde, muss sie ab kommendem Jahr mit Düsen direkt auf das Feld gegeben werden. Foto: Ortgies

Generell müsse man als Landwirt heute immer mit der Zeit gehen. Besonders im Ackerbau änderten sich die Gegebenheiten schnell, sodass man auch in der Sortenvielfalt mitgehen müsse. In dem einen Jahr ist es zu nass, in dem kommenden zu trocken. „Da ist es immer schön, wenn man vorher schon viel ausprobiert hat“, sagt Groeneveld. „So wissen wir, welche Ernten welche Erträge bringen können.“

Ansehen der Landwirtschaft verbessert

Zwar habe sich das Ansehen der Landwirtschaft seiner Ansicht nach durchaus verbessert in den vergangenen Jahren. Trotzdem sei es wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sagt Ihno Groeneveld. Nur so könne es gelingen, dass die Menschen wieder mehr Verständnis für die Landwirte und ihre Anliegen haben. Dazu gehört es für ihn, ansprechbar zu sein und Gesicht zu zeigen. „Die Menschen, die einen Bezug zur Landwirtschaft haben, werden immer weniger. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir die Leute auch mitnehmen.“

Der Zukunft sieht er relativ entspannt entgegen. „Ich bin der Meinung, dass man, wenn man seinen Job gut macht, auch gut mit dabei ist.“ Auch um die Nachfolge macht er sich wenig Sorgen: Der Partner seiner Tochter studiert Landwirtschaft und kann sich vorstellen, in dem Betrieb einzusteigen.

Landwirte gesucht – wir stellen Ihren Hof vor!

Emden/Krummhörn/Hinte - Die Landwirtschaft in Ostfriesland ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Teil der ostfriesischen Kultur und Identität. Ob traditionsreicher Familienbetrieb oder innovative, moderne Landwirtschaft – hinter jedem Hof steckt eine eigene Geschichte. Diese Geschichten möchten wir künftig im Rahmen unserer Serie „Landwirtschaft im Wandel“ erzählen.

Von Milchviehhaltung über Gemüseanbau bis hin zu Nischenbetrieben: Ob Sie im Haupt- oder Nebenerwerb arbeiten, spielt dabei keine Rolle. Uns interessieren die Herausforderungen und Chancen, mit denen Sie sich täglich auseinandersetzen, aber auch die persönlichen Geschichten hinter Ihrem Betrieb.

Hier kann man sich melden

Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Welche Besonderheiten gibt es? Wie vereinen Sie Tradition und Innovation? Wie gehen Sie mit all den Auflagen um? Mit unserer Serie möchten wir zeigen, was die Landwirtschaft in Ostfriesland heute ausmacht. Wir wollen die Vielfalt der Betriebe in den Vordergrund rücken und die Menschen, die dahinterstehen, vorstellen.

Zum Start der Serie wollen wir mit Betrieben aus Emden, der Krummhörn und Hinte beginnen. Sie können sich vorstellen, uns Ihren Hof und Ihre Arbeit zu präsentieren? Dann melden Sie sich bei Redakteurin Hannah Weiden unter h.weiden@zgo.de.

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