Osnabrück  Da fällt Dir nichts mehr ein: Potztausend - und andere alte Ausdrücke des Erstaunens

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 08.11.2024 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Da bleibt ihr der Mund vor Staunen offenstehen: Eine Frau ist vollkommen überrascht. Aber was sagen wir in einem solchen Moment? Foto: IMAGO/Zoonar
Da bleibt ihr der Mund vor Staunen offenstehen: Eine Frau ist vollkommen überrascht. Aber was sagen wir in einem solchen Moment? Foto: IMAGO/Zoonar
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Da fällt einem nichts ein: Alte Ausdrücke des Erstaunens wären gerade jetzt am Platz. Aber kennen wir diese Wörter überhaupt noch?

Erinnern Sie sich noch an Mister Bean, dem vor Erstaunen die Teetasse aus der Hand fällt? Der Videoschnipsel ging 2020 durch das Netz. Die Briten hatten gerade den Brexit beschlossen und traten aus der EU aus. Jetzt sehe ich in den sozialen Netzwerken eine Zeichnung der sitzenden Freiheitsstatue, die ihre Hände vor das Gesicht geschlagen hat.

Potztausend, möchte man ausrufen angesichts der Nachrichten, die uns, gleichsam über Nacht in eine andere Zeit katapultiert haben. Die Amerikaner haben Donald Trump wieder zu ihrem Präsidenten gewählt. Und in Berlin erlischt die Ampel. Die letzten Wochen dieser Regierungskoalition werden nur noch ein schwaches Flackern sein.dan

Potztausend! Donnerlittchen! Mensch Meier! Die deutsche Sprache ist voll von alten Ausdrücken und Redewendungen, die das Erstaunen artikulieren – von der bloßen Überraschung bis zum sprachlosen Entsetzen. Potztausend: Das Wort klingt nach jenem Knall, der die gewohnte Welt von der einen Sekunde auf die andere in völlige Unordung gestürzt hat.

In dem alten Ausruf soll das Wort Gott stecken, das dann verfremdet worden sein soll, um mit dem Ausruf keine Gotteslästerung zu begehen. Wir kennen auch Potzblitz oder Potzteufel – oder kannten diese Wörter zumindest. Denn sie sind, so scheint es, aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Jetzt wäre es an der Zeit, sich ihrer wieder zu erinnern.

Aber mit solchen hat es die Bewandtnis aller Ausrufe: Sie sind ein sprachlicher Reflex. Anders existieren sie nicht. Wer erst nachdenken muss, hat den Moment schon verpasst, in dem der Ausdruck der Überraschung glaubhaft geklungen hätte.

Wer erinnert sich noch an den Ausdruck „Ach, du grüne Neune!“ oder an „Gütiger Himmel!“. Wer den Himmel anruft und an dessen Güte appelliert, möchte all das Schlechte abwenden, das da auf einen zukommt. Ob das jetzt noch helfen würde? Und die grüne Neun? Leitet sich diese Redewendung von der Spielkarte Piek Neun ab, die auch „Grün Neun“ hieß und die beim Kartenlesen Unglück ankündigte?

Egal. Der Sachse reagiert mit einem „Ei, verbibsch!“ auf Überraschungen, der Bayer sagt: „Do legst di nieda!“. Gerade das wäre jetzt aber der ganz falsche Rat. Sich niederlegen? Nein, das Aufstehen ist gefragt. Gerade jetzt. Potztausendnocheinmal!

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