Berlin Kanzlerkandidat Habeck: Merz kann sich seinen Spott sparen
Robert Habeck will Kanzlerkandidat der Grünen werden. Dabei steht seine Partei in Umfragen bei rund 10 Prozent. Aber der Wirtschaftsminister hat ein paar Trümpfe in der Hand. Friedrich Merz sollte auf der Hut sein.
Robert Habeck wird nicht damit rechnen, die Grünen in ein paar Wochen aus dem Umfragen-Tal an die Spitze zu führen und nächster Regierungschef zu werden. Man kann es also – wie Friedrich Merz – ‚humorvoll‘ nennen, dass sich Habeck zum Kanzlerkandidaten küren lässt. Der Unions-Kandidat sollte sich freilich vor zu viel Spott hüten. Denn Habeck kann für ihn zu einem ernsteren Konkurrenten werden, als Merz erkennt – oder erkennen lassen will.
Natürlich hat Habecks Ansehen in den beiden letzten Ampel-Jahren gelitten. Das Heizungsgesetz machte ihn für viele zur Hassfigur. Die bleierne Wirtschaftskrise erschüttert den Glauben daran, er könne zugleich für Wachstum und Klimaschutz sorgen. Und der unsägliche Ampel-Streit hat sein Image als Pragmatiker beschädigt.
Aber es ist gerade mal zweieinhalb Jahre her, dass Habeck einer der populärsten Politiker war, als stärkster Mann der Ampel galt, als der große Kommunikator neben dem spröden Olaf Scholz. Damals betrachtete die Union den Grünen als ernstes Risiko für die eigenen Kanzlerambitionen.
Jetzt heißt es in der Merz-Partei, bei Habeck sei der Lack ab. Wer dessen jüngste Auftritte verfolgt hat, den Besuch bei Markus Lanz, die Rückkehr zu X, kann freilich einen anderen Eindruck gewinnen. Das Ampel-Aus war für Habeck offensichtlich ein Befreiungsschlag und Motivationskick.
Aber nicht nur Habecks Charme, auch die politische Richtung sollte Merz nicht allzu leichtfertig abtun. Der grüne Wirtschaftsminister hat der Energiewende nach den verlorenen Merkel-Jahren wieder Schwung gegeben.
Merz wird mit seiner Pöbelei gegen Windräder und dem Halluzinieren über Kernfusion bei Gegnern der erneuerbaren Energien bestimmt gut ankommen. Aber auch viele bürgerliche Wähler dürften den klimagerechten Umbau der Wirtschaft für den schlaueren Weg halten, Deutschlands Zukunft zu sichern. Habeck wird in den kommenden Wochen alles versuchen, um diesen Wählern klarzumachen: Nicht Friedrich Merz, sondern ich bin Euer Mann.