Berlin  Bei Neuwahlen: Diese Koalitionen wären möglich

Marlene Schwäbisch
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Von Marlene Schwäbisch
| 09.11.2024 09:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn am kommenden Sonntag die Neuwahl stattfinden würde, gäbe es nach Umfragedaten rein rechnerisch vier mögliche Koalitionsmöglichkeiten für eine neue Regierungsbildung. Foto: IMAGO/Political-Moments
Wenn am kommenden Sonntag die Neuwahl stattfinden würde, gäbe es nach Umfragedaten rein rechnerisch vier mögliche Koalitionsmöglichkeiten für eine neue Regierungsbildung. Foto: IMAGO/Political-Moments
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Nach dem Bruch der Ampelkoalition soll es zeitnah Neuwahlen geben. Aktuelle Umfragedaten zeigen, welche Parteien Deutschland bald regieren könnten. Diese Koalitionsmöglichkeiten sind rechnerisch möglich.

Der lange befürchtete Bruch der Koalition ist da. Kanzler Scholz hat angekündigt, die Vertrauensfrage im Januar zu stellen, im Anschluss könnte das Parlament aufgelöst werden und Neuwahlen angesetzt werden. Wann diese stattfinden, ist allerdings noch unklar. Scholz hatte diese für März 2025 angekündigt, Oppositionsführer Friedrich Merz fordert dagegen, die Wahl bereits im Januar durchzuführen.

Dass die Ampelregierung bei Neuwahlen ein Comeback erlebt, gilt als ausgeschlossen. Schon länger erreicht die Koalition in Umfragen keine Mehrheiten mehr und gilt als zerstritten.

Welche Koalitionen die neue Regierung bilden könnten, zeigt eine aktuelle Sonntagsfrage der Forschungsgruppe Wahlen, die vom ZDF Politbarometer in Auftrag gegeben wurde. Wäre am Wochenende Bundestagswahl, hätte demnach die Union mit 33 Prozent die Nase vorn.

Zweitstärkste Kraft wäre die AfD mit 18 Prozent, dicht gefolgt von der SPD mit 16 Prozent. Die Grünen kämen aktuell auf 12 Prozent und das Bündnis Sahra Wagenknecht auf 6 Prozent. Die Linke und die FDP würden mit knapp 4 und 3 Prozent der Stimmen, den Einzug in den Bundestag verfehlen.

Auf Basis der Umfragedaten kann die theoretische Sitzverteilung der Parteien im Bundestag berechnet werden. Daraus können wiederum mögliche Koalitionen abgeleitet werden. Ausgegangen wird dabei von einer Gesamtzahl von 630 Sitzen. Die neue Größe des Bundestages wurde im März 2023 mit der Wahlrechtsreform zur Reduzierung der Abgeordnetenzahl gesetzlich beschlossen.

Hier können Sie sich durch die verschiedenen Koalitionsmöglichkeiten klicken:

Auf Basis der Umfragedaten wäre eine Neuauflage der Großen Koalition möglich. Zusammen würden die beiden sogenannten Volksparteien auf 364 Sitze kommen. Sie lägen damit relativ weit über der benötigten Mehrheit von 316 Sitzen im Bundestag. Die sogenannte GroKo ist in den vergangenen Jahren allerdings immer unbeliebter geworden und war bei der Regierungsbildung nach der Bundestagswahl 2017 eine „Notlösung“.

Außerdem könnte es erstmals eine schwarz-grüne Koalition geben. Die Union und Bündnis 90/Die Grünen würden mit 334 Sitzen ebenfalls eine Mehrheit erreichen. Allerdings: CSU-Chef Markus Söder lehnt eine schwarz-grüne Koalition kategorisch ab und bezeichnete sie bei einer Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion im September als „No-Go“.

Der CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat der Union, Friedrich Merz, schloss eine Zusammenarbeit mit den Grünen auf Bundesebene dagegen nicht aus. Auch die CDU-Landesverbände wollten sich zuletzt die Option einer gemeinsamen Regierungsbildung auf Bundesebene offen halten, wie eine Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland zeigte.

Darüber hinaus gibt es auch weitere Koalitionsmöglichkeiten, die zwar rechnerisch möglich sind, von den jeweiligen Parteien selbst aber ausgeschlossen werden. Auch wenn es immer mal wieder Stimmen aus der Union gibt, die den Fall der „Brandmauer“ fordern, lehnt die Partei eine Zusammenarbeit mit der AfD strikt ab. Auf Basis der aktuellen Sonntagsfragen kämen CDU/CSU und AfD auf 378 Sitze im Bundestag.

Eine neue Regierung ohne Union scheint aktuell fast unmöglich. Mit mehr als 30 Prozent der Wählerstimmen käme ihr ein Regierungsauftrag zu. Rechnerisch ist aber noch eine andere Koalition möglich, die jedoch aufgrund ideologischer Differenzen politisch unmöglich ist: Die AfD, SPD und Grüne hätten zusammen 54 Prozent der Stimmen hinter sich und damit auch eine Mehrheit im Bundestag.

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