Osnabrück Im neuen „Tatort: Borowski und das ewige Meer“ muss Axel Milberg einen Mord ohne Mörder lösen
In seinem vorletzten „Tatort: Borowski und das ewige Meer“ bekommt es Axel Milberg mit einem scheinbar übermächtigen Gegner zu tun.
Nachdem die nackte Leiche der 19-jährigen Clara Weidenfeld am Strand gefunden wurde, steht ihr Ex-Freund Benno (Jonathan Berlin) unter akutem Mordverdacht. Der wurde nicht nur in der Nacht am Strand gesehen, wo Clara ertrunken ist. Sie hatte auch kurz vor ihrem Tod Anzeige wegen Körperverletzung gegen Benno erstattet. Tatsächlich weist Claras Leichnam zahlreiche Hämatome auf und es konnten sogar KO-Tropfen in ihrem Körper nachgewiesen werden. Aber in welchem Zusammenhang steht da die ominöse Influencerin und radikale Umweltaktivistin Zenaida (Milena Tscharnke), mit der sich Clara offenbar am Strand treffen wollte? Kriminalhauptkommissar Borowski (Axel Milberg) ist erst einmal ratlos.
Aber noch während Benno im Verhörraum sitzt, sorgt ein weiterer Leichenfund am Strand für Bennos Entlastung. Die Tote ist nicht nur unter den gleichen Umständen gestorben wie Clara. Auf dem Rücken trägt sie auch ein Endzeit-Gedicht als Tattoo, das auf Zenaida verweist. Immerhin kann Benno dem Kommissar erste Hinweise auf die Influencerin liefern.
Was die Ermittlungen aber auch nicht erleichtert. Denn obwohl Zenaida im Internet zahlreiche Follower hat, hält sie ihre wahre Identität mit Erfolg geheim. Zwar gelingt es Borowski und seiner Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik), eine IP-Adresse zu ermitteln. Aber die führt nur zur Hackerin Sofia Hoffmann (Pauline Fusban), die für die geheimnisvolle Zenaida arbeitet und mehr zu wissen scheint, als sie zunächst verrät. Noch ahnt Borowski nicht, welch eine tödliche Gefahr von der radikalen Aktivistin ausgeht. Eine Bedrohung, die weit über die Grenzen von Kiel hinauszureichen droht. Können Borowski und Sahin das Unheil stoppen?
Ganz schön viel, was sich das Autorenduo Katharina Adler und Rudi Gaul in diesem vorletzten Borowski-Tatort zugemutet hat. Es geht um die Klimakrise und, damit einhergehend, eine regelrechte Klimaangst, die insbesondere unter jüngeren Leuten um sich greift. Aber auch die digitale Welt und deren Einfluss auf unsere Gesellschaft spielt eine Rolle im neuen „Tatort: Borowski und das ewige Meer“. Regisseurin Katharina Bischof gelingen passend düstere Bildlandschaften (Kamera: Robert von Münchhofen) in einem Endzeitkrimi, in dem es um Morde ohne Mörder in einer Welt ohne erkennbare Zukunft geht.
Nach „Borowski und das dunkle Netz“ sowie „Borowski und die Angst der weißen Männer“ ist dies bereits der dritte Borowski-Tatort, bei dem die digitale Welt in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerät. Und auch hier wird wieder sichtbar, welche Schwierigkeiten in der Umsetzung mit diesem Thema einhergehen.
Immerhin – die Macht der Algorithmen und wie sie die Kommunikation innerhalb der sozialen Netzwerke steuern und manipulieren, wird hier auf ein leicht verständliches Niveau heruntergebrochen. Man muss kein KI-Spezialist sein, um dem Krimi folgen zu können. Man sollte es vielleicht aber auch nicht. Denn gegen Ende wird es wahrhaftig cringe, anders lässt es sich kaum ausdrücken. Das clever gemeinte Finale wirkt angesichts haarsträubender Logik leider unfreiwillig komisch, auch wenn es visuell reizvoll und phantastisch umgesetzt wurde.
Was wirklich negativ auffällt, ist der laxe bis fahrlässige Umgang mit dem Thema Suizid unter Jugendlichen. Die Art und Weise, wie im Kontext des Krimis Suizid als „Lösung“ thematisiert wird, ist nicht unproblematisch.
„Tatort: Borowski und das ewige Meer“. Das Erste, Sonntag, 10. November, 20.15 Uhr und anschließend in der ARD Mediathek.