Leben an Küste und Inseln  Ortschaften machtlos gegen illegale Ferienwohnungen

| | 12.11.2024 18:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Für den Tourismus sind Ferienwohnungen unerlässlich. Sind sie jedoch illegal, werden sie zum Problem. Foto: Schuldt/DPA
Für den Tourismus sind Ferienwohnungen unerlässlich. Sind sie jedoch illegal, werden sie zum Problem. Foto: Schuldt/DPA
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Kaum Wohnungen für Einheimische, viele Unterkünfte für Gäste – das ist nicht immer legal. Der Kampf gegen die verbotenen Unterkünfte stellt die Kommunen vor Herausforderungen.

Ostfriesland/Wilhelmshaven - Ferienorte an der Nordsee haben mit illegal vermieteten Ferienunterkünften zu kämpfen. Harm Olchers, Bürgermeister der Inselgemeinde Baltrum, kennt das Problem seit Jahren. „Das ist bei uns auf der Insel so gewachsen.“ Doch der Druck auf dem Immobilienmarkt nehme zu, da immer mehr Häuser auswärtig verkauft würden. „Die Preise sind ja kaum noch zu bezahlen“, berichtet er.

Dennoch kämpfe die Gemeinde Baltrum weiter dafür, bezahlbaren Wohnraum auf der Insel zu erhalten. Erst kürzlich sei eine Zweckentfremdungssatzung vom Rat beschlossen worden, von der sich die Gemeinde verspricht, leerstehende Häuser auf der Insel wieder in Dauervermietung zu überführen. Baurechtlich sei es auf Baltrum schwer, illegale Ferienwohnungen zu verhindern, da in vielen Häusern eine Mischnutzung zu finden sei, erläutert der Inselbürgermeister. „Jetzt versuchen wir es ordnungsrechtlich.“ Alleine könne es die Gemeinde aber nicht schaffen, für ausreichenden Wohnraum für Einheimische zu sorgen. „Da müssen die Bürger schon mitziehen“, betont Olchers.

Mehr Geld mit einer Ferienwohnung

Baltrum steht nicht alleine. Die ganze Küste hat mit illegalen Ferienunterkünften zu kämpfen. „In einigen Häusern wurden Wohnungen an Orten geschaffen, an denen grundsätzlich kein Wohnraum erlaubt ist – etwa auf dem Dachboden oder im Keller“, sagt Anne Heuermann, Marketingleiterin der Ostfriesischen Inseln. Außerdem würden Wohnungen für Einheimische verbotenerweise an Feriengäste vermietet.

Mit der Vermietung von Ferienwohnungen lasse sich deutlich mehr Geld verdienen als mit Dauerwohnraum, erklärt Heuermann. „Die Konsequenz ist mannigfaltig: Verdrängung der örtlichen Bevölkerung, eine angespannte Wohnraumversorgung, sehr hohe Immobilien- und Mietpreise und starke Belastungen von örtlichen Unternehmen, welche den Wohnraum für ihre Mitarbeiter vorhalten müssen.“

Weniger Menschen leben auf Langeoog

Wer sich für einen Job am Meer interessiert, findet nur schwer eine Bleibe. Der Wohnungsmarkt ist angespannt, wie Heuermann berichtet. Das mache die Suche nach dringend benötigten Fachkräften für die Ostfriesischen Inseln und die niedersächsische Küste noch schwieriger. Zudem leben in den Urlaubsregionen – insbesondere auf den Inseln – immer weniger Einheimische. Ein Beispiel: Zwischen 2011 und 2022 ist die Bevölkerungszahl der Gemeinde Langeoog nach eigenen Angaben um 25 Prozent zurückgegangen.

We sich für einen Job am Meer interessiert, findet nur schwer eine bleibe. Foto: Dittrich/DPA
We sich für einen Job am Meer interessiert, findet nur schwer eine bleibe. Foto: Dittrich/DPA

„Langeoog benötigt dringend mehr Wohnraum für dauerhaft ansässige Menschen, um die Infrastruktur der Insel aufrechtzuerhalten“, teilt die Gemeindeverwaltung auf Anfrage mit. Illegale Ferienwohnungen belasteten die lokale Infrastruktur etwa bei Abfallentsorgung und Wasserversorgung, führten andererseits aber keine Steuern oder Beiträge ab. Daher arbeite die Gemeinde in einer Arbeitsgruppe aus Politikern und lokalen Vertretern an Lösungen, um Dauerwohnraum zu erhalten und zu schaffen. Ein Grundstück sei bereits an eine Wohnungsgenossenschaft im Erbbaurecht vergeben worden.

Borkum radikal unterwegs

Viele Kommunen versuchen, gegen illegal vermietete Ferienwohnungen vorzugehen. Als eine Maßnahme haben die Ostfriesischen Inseln ihre Baugesetze geändert, wie Heuermann mitteilt. „Dies wurde angestrebt, weil weiterer Ferienwohnungsbau nicht erwünscht ist.“

Radikaler als andere Inseln ist Borkum unterwegs. „Neue Ferienwohnungen haben wir grundsätzlich ausgeschlossen“, betont Borkums Stadtbaumeister Volker Hosemann. Sollte die Verwaltung Kenntnis von Missbrauch bei Ferienwohnungen erlangen, werde gemeinsam mit dem Landkreis Leer konsequent dagegen vorgegangen. „Das Problem ist dabei die Kontrolle“, räumt Hosemann ein.

Für Kontrollen fehlt das Personal

Eine andere Regelung ermöglicht es den Kommunen, die Unterkünfte zu verbieten und Bußgelder bis hin zur Gewinnabschöpfung zu verhängen. „Uns sind sowohl auf Borkum als auch auf dem Festland Einzelfälle bekannt, bei denen wir die unzulässige Nutzung als Ferienwohnung untersagt haben“, berichtet Philipp Koenen, Pressesprecher des Landkreises Leer. „Unsere Bauaufsicht reagiert in diesen Fällen nur, wenn dem Landkreis Beschwerden zugetragen werden.“

Den Landkreisen mangelt es schlichtweg am Personal. „Vorrangig werden solche ungenehmigten Ferienwohnungen bauordnungsrechtlich verfolgt, bei denen Gefahr für Leib und Leben von Menschen besteht. Das könne etwa der Fall sein, wenn Dachböden zu Ferienwohnungen umgebaut wurden, bei denen kein zweiter Rettungsweg gegeben ist, berichtet Ralf Klöker, Pressesprecher des Landkreises Wittmund. Und gerade weil nur auf Hinweise hin gehandelt wird, haben die meisten Orte und Landkreise gar keinen Überblick, wie hoch der Anteil illegal betriebener Unterkünfte tatsächlich ist. Daher drohen illegalen Vermietern selten Konsequenzen. So bleibt das Problem der Ferienwohnungen nicht nur im Landkreis Wittmund erhalten.

Mit Material von DPA

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