Grüne aus Ostfriesland Meta Janssen-Kucz legt Landtagsmandat nieder
Seit mehr als 20 Jahren sitzt sie für die Grünen im Landtag in Hannover – doch im Dezember ist Schluss. Die ostfriesische Abgeordnete Meta Janssen-Kucz wird ihr Mandat niederlegen.
Hannover/Leer - Die Region Ostfriesland ist im Landtag in Hannover bald um eine Stimme ärmer: Die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz (Leer/Borkum) wird ihr Mandat im niedersächsischen Landesparlament niederlegen. In einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme nannte Janssen-Kucz hierfür persönliche Gründe. Detaillierter wollte sie sich hierzu auf Nachfrage nicht äußern. „Ich brauche einfach Familienzeit“, sagte Janssen-Kucz im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie habe der Landtagspräsidentin am Donnerstag mitgeteilt, dass sie im Dezember-Plenum ihr Mandat zurückgeben werde. Dies sei keine leichte Entscheidung gewesen: „Natürlich ist das emotional“, sagte die Grünen-Politikerin. Sie habe ihr Mandat immer gerne und mit Leidenschaft für die Bürgerinnen und Bürger ausgeübt. „Es wird mir auch fehlen.“
Die 63-jährige Ostfriesin saß zwischen 1998 und 2008 und sitzt erneut seit 2011 für die Grünen im Landtag. Seit 2017 ist sie Vizepräsidentin des Parlaments in Hannover. „Schweren Herzens lassen wir Meta Janssen-Kucz gehen“, werden die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Anne Kura und Detlev Schulz-Hendel in einer Mitteilung zitiert. „Wir haben größten Respekt für ihre persönliche Entscheidung und sagen Danke für die vielen schönen, gemeinsamen Jahre. Meta war stets eine starke Stimme für die Schwächeren im Land und hat leidenschaftlich für eine intakte Umwelt und den Schutz unserer Lebensgrundlagen gestritten – ihre jahrelange Arbeit als gesundheits- und umweltpolitische Sprecherin hat die Fraktionsarbeit geprägt.“ Man werde die Ostfriesin im Landtag sehr vermissen, heißt es von den Grünen.
Rückkehr in die Politik zumindest nicht ganz ausgeschlossen
Die Entscheidung zum Rückzug aus dem Landtag sei in einem längeren Prozess in den vergangenen Monaten gefallen, sagte Janssen-Kucz. Fest stehe aber: „Ich bleibe ein politischer Mensch.“ Eine Rückkehr auf die landes- oder bundespolitische Bühne schließe sie für sich allerdings aus. Ob sie in Zukunft noch einmal in der Kommunalpolitik ein Amt anstrebe, wolle sie aber offenlassen. Janssen-Kucz war in den 90er Jahren Mitglied des Gemeinderats in Moormerland und vertrat die Grünen bis 2023 mehr als 20 Jahre lang im Leeraner Kreistag.
Zuletzt hatte sich die 63-Jährige immer wieder gegen die geplante Erdgas-Förderung vor der Insel Borkum eingesetzt. In dieser Sache und bei einigen weiteren Herzensprojekten wolle sie sich auch weiterhin beteiligen und hierfür ihre Kontakte in die Landes- und Bundespolitik nutzen – auch ohne Mandat. „Ich werde weiter meine Stimme erheben“, sagte Janssen-Kucz unserer Redaktion.
Grünen-Politikerin bekommt auch Lob aus der Opposition
Die langjährige politische Arbeit der 63-Jährigen würdigt auch der Koalitionspartner in der rot-grünen Landesregierung: „Mit Meta Janssen-Kucz verliert unser Landtag eine prägnante Stimme“, wird SPD-Fraktionschef Grant Hendrik Tonne in einer Mitteilung der Sozialdemokraten zitiert. „Ich danke ihr für die immer gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, insbesondere auch in den beiden rot-grünen Koalitionen. Als engagierte Abgeordnete und als Vizepräsidentin des Landtags hat sie viel für die Profilierung unseres Hohen Hauses geleistet.“
Aber auch aus der Opposition gibt es Lob für Janssen-Kucz: „Auch wenn wir in politischen Fragen oftmals unterschiedlicher Auffassung waren, habe ich ihren Einsatz für ihre Herzensthemen und für unsere gemeinsame Heimat Ostfriesland sowie ihre Bodenständigkeit doch immer sehr geschätzt“, teilte der CDU-Abgeordnete Ulf Thiele (Filsum) mit.
Nachrückerin arbeitet bisher in Wilhelmshaven
In den Landtag nachrücken soll für die Grünen Tamina Reinecke aus dem Landkreis Helmstedt, wie die Grünen-Fraktion auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte. Die 28-jährige Tourismus- und Umweltwissenschaftlerin arbeite derzeit an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven und beschäftige sich dort als Doktorandin mit der Frage, wie Nachhaltigkeitskompetenzen in der Tourismusbranche gestärkt werden können. „Ich finde es schade, dass mit Meta Janssen-Kucz eine erfahrene Politikerin, die mit viel Herzblut und stets zum Wohle der Gemeinschaft gearbeitet hat, aus dem Landtag geht“, wird Reinecke in einer Mitteilung des Grünen-Landesverbands Niedersachsen zitiert. „Gleichwohl respektiere ich ihren Schritt, aus persönlichen Gründen auf das Mandat zu verzichten.“
Wer das Amt als Landtags-Vizepräsidentin beziehungsweise -präsident von Janssen-Kucz übernehmen werde, stehe noch nicht fest, hieß es am Donnerstag von der Pressestelle der Grünen-Fraktion. „Da können wir leider noch nichts Genaueres sagen, weil der Prozess gerade erst gestartet ist.“ Sobald es einen Vorschlag der Fraktion gebe, werde man diesen öffentlich machen.