Stellen werden gestrichen  Drei pädagogische Mitarbeiter weniger an Leeraner Möörkenschule

| | 15.11.2024 09:02 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nico Janßen (links) wird bald nicht mehr an der Möörkenschule arbeiten, Sozialarbeiter Thomas Schwaak wird die Stelle gekürzt. Foto: Ortgies
Nico Janßen (links) wird bald nicht mehr an der Möörkenschule arbeiten, Sozialarbeiter Thomas Schwaak wird die Stelle gekürzt. Foto: Ortgies
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Rund 2400 Stellen für pädagogische Mitarbeiter werden zum Jahresende an niedersächsischen Schulen gestrichen. Das bringt erhebliche Einschränkungen für den Bildungsalltag, sagen Betroffene.

Leer - Der Parkplatz vor der Möörkenschule in Leer/Loga ist kaum belegt, einige Pkw und zwei Mofas stehen dort, bei einem brennt noch das Rücklicht. Da hatte es vielleicht jemand eilig, rechtzeitig zum Unterricht zu kommen. Im Foyer der Realschule wartet Nico Janßen, seit 2022 pädagogischer Mitarbeiter. Er hatte sich mit einem Anliegen an die Redaktion gewandt, das ihn und drei weitere Mitarbeiter an der Möörkenschule betrifft: Ende 2024 sollen ihre Verträge auslaufen, das Land Niedersachsen verlängert sie nicht weiter.

Rund 2400 Stellen wurden befristet an 1500 niedersächsischen Schulen dafür geschaffen, dass Schüler Lehrstoff aus der Zeit der Corona-Pandemie wieder aufholen und Kinder aus der Ukraine unterstützt werden. Überraschend kommt das Ende also nicht.

„Wir arbeiten noch immer am Aufholen der Lerndefizite“

„Wir wussten, dass die Stellen auslaufen würden“, sagt Schulleiter Jan-Henning Paul dazu. „Aber die Herausforderungen, die sich durch Corona und den Krieg in der Ukraine ergeben haben, sind noch da.“

Jan-Henning Paul, Schulleiter der Möörkenschule, sagt, die Pädagogischen Mitarbeiter werden weiterhin gebraucht. Foto: Schwaak
Jan-Henning Paul, Schulleiter der Möörkenschule, sagt, die Pädagogischen Mitarbeiter werden weiterhin gebraucht. Foto: Schwaak

So sei man in den Jahrgängen ab der fünften Klasse noch immer mit den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen beschäftigt, auch am Umgang miteinander und am selbstständigen Arbeiten. „Bei etwa einem Drittel der Schülerinnen und Schüler ist dafür ein deutlicher Bedarf erkennbar“, schätzt Paul. Seine Beobachtung deckt sich mit den Ergebnissen der Pisastudie von 2023, in der die deutschen Schüler so schlecht abschnitten wie nie zuvor.

Betreuung und Beziehungsarbeit sind wichtig

Nico Janßen studiert Lehramt in Oldenburg. Zwölf Stunden pro Woche arbeitet er an der Möörkenschule. Den Betrieb kennt er gut, denn er war selbst Schüler hier und machte vor dem Studium ein Praktikum an der Möörkenschule. Der Job bietet ihm wertvolle Einblicke in den Schulalltag, den er an der Universität so nicht bekommt, wie er sagt. Ohne ihn sei die Betreuung bei Unterrichtsausfall nicht mehr drin, sagt Jan-Henning Paul.

Zu Janßens Aufgaben an der Ganztagsschule zählen die Betreuung von Schülern bei Unterrichtsausfällen sowie eine Hausaufgabenhilfe AG. „Ich sammle die Kinder auch ein, wenn sie alleine auf dem Gelände sitzen, damit sie aufgefangen sind“, erzählt er. „Ein großer Teil meiner Arbeit ist Beziehungsarbeit“, so Janßen.

Beziehungsarbeit, das beinhaltet vor allem: Vertrauensaufbau und das Fördern von sozialem Miteinander. In den letzten Jahren verwiesen mehrere Studien auf die Bedeutung von sozialen und kreativen Anteilen im Unterricht oder auch einer guten Lehrer-Schüler-Beziehung für mehr Motivation und bessere schulische Leistungen.

Mehr als Unterricht: Aufgaben der Mitarbeiter sind vielfältig

Neben Nico Janßen sind zwei weitere Pädagogische Mitarbeiterinnen an der Schule tätig: Eine ukrainische Muttersprachlerin und eine weitere, die unter anderem eine Näh-AG leitet.

Die Stelle vom Schulsozialpädagogen Thomas Schwaak war um zehn Stunden aufgestockt worden. Auch das wird entfallen. Er werde vermutlich nicht anders arbeiten als vorher, meint Schwaak, also bei Bedarf abends und an den Wochenenden für die Schülerinnen und Schüler da sein. „Dieser Beruf hat auch was mit Passion zu tun. Aber wenn die Arbeit auch finanziell gewertschätzt wird, ist das natürlich gut“, sagt er.

Ansprechpartner, Vertrauensperson, Helfer: An der Schule werden sie gebraucht, sagen Nico Janßen (links), Frau Klüver und Thomas Schwaak.
Ansprechpartner, Vertrauensperson, Helfer: An der Schule werden sie gebraucht, sagen Nico Janßen (links), Frau Klüver und Thomas Schwaak.

Startchancenprogramm soll vor allem Lerndefizite aufholen

Um Schulen, vor allem Grundschulen, in Deutschland besser zu fördern, ist zum 1. August 2024 das bundesweite Startchancen-Programm gestartet. Bis zu 10 Milliarden Euro sollen in den nächsten zehn Jahren investiert werden, etwa in Personal, Ausstattung oder Infrastruktur. 2125 Schulen wurden dafür bisher ausgewählt. Bis zum Schuljahr 2026/27 sollen es 4000 Schulen werden.

Das Ziel der Maßnahmen sei vor allem die „Stärkung der Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen“, heißt es auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Förderung und Streichung in einem Zug

Für die rund gestrichenen 2400 Stellen von „nichtlehrendem Personal“ an niedersächsischen Schulen sei laut Kultusministerium kein Budget mehr vorhanden, wie im Oktober die Neue Osnabrücker Zeitung schrieb. Dabei gab das Kultusministerium in einer Pressemitteilung vom 2. Oktober an, dass an Schulen und Kitas weiterhin massiver Fachkräftemangel herrsche und Lehrkräfte und Erzieher vor „zunehmenden Herausforderungen“ stünden. Ein wesentliches Ziel sei es daher auch im kommenden Jahr, „die Lehrkräfte weiter zu entlasten, vor allem durch den Einsatz von nichtlehrendem Personal.“ Auf eine Anfrage der Redaktion zur Streichung der Stellen reagierte das Land Niedersachsen bis Redaktionsschluss nicht.

Zum Teil könne Personal, das von gestrichenen Stellen betroffen sei, über das Startchancen-Programm weiter an den Schulen tätig sein, hieß es laut Osnabrücker Zeitung vom Niedersächsischen Kultusministerium. Die Möörkenschule wurde jedoch nicht für das Programm ausgewählt. 2025 sind 2460 neue Stellen in Niedersachsen geplant, für Lehrkräfte.

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