Kluntje, Wulkje und Co. Wo kann man in Emden ostfriesisch Tee trinken?
Ostfriesen sind Weltmeister im Teetrinken. Wer ganz klassisch in der Emder Innenstadt Tee trinken möchte, hat eine große Auswahl.
Emden - Bei dem grauen Novemberwetter ist das Knistern vom Kluntje beim Eingießen des heißen, kupferfarbenen Tees wie Balsam für die Seele. Steigen die Wulkjes, also die Sahne-Wölkchen, langsam auf, dann wirkt das fast meditativ. Klar: Das ganz klassisch ostfriesische Teetrinken ist entschleunigend und gemütlich. Auch in Emder Cafés und Retaurants hat die Teezeremonie nicht an Reiz oder Nachfrage verloren. Wir stellen eine Auswahl vor, erheben dabei aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ergänzungen können gerne an m.hanssen@zgo.de geschickt werden, sie werden dann online angefügt.
„Tee wird durchgängig gut nachgefragt“, sagt Christina Paprosch, Betriebsleiterin des Hafenhauses. „Es wird unglaublich gut angenommen“, sagt auch Barbara Sälzer, Geschäftsführerin vom Grand Café und dem angeschlossenen Restaurant Kater. Ältere Menschen bestellen das Nationalgetränk der Ostfriesen genauso wie Jugendliche. Vormittags beim Frühstück wird Tee getrunken und natürlich nachmittags, aber auch abends. Auch im Sommer darf der Tee nicht fehlen. Einheimische wie Touristen treffen sich zur gemütlichen Tee-Runde. Tee-Novizen wird die Zeremonie erklärt, sagt Christina Paprosch im Hafenhaus.
Wie war das noch mal mit der Teezeremonie?
Erst kommt der Kluntje, dann der Tee, dann die Sahne – nicht umrühren oder gegen den Uhrzeigersinn. Da streiten sich die Quellen. Überhaupt: In ostfriesischen Familien wird der Tee ohnehin so getrunken, wie es den Trinkern am besten schmeckt. So flüstern sich manche Ostfriesen heimlich zu: „Ich trinke immer ohne Sahne“ oder „ich lasse den Kluntje weg“. Wer keine Tasse mehr möchte, stellt den Löffel hinein. Allerdings: Drei Tassen sind Pflicht. Aber auch hier gilt natürlich: Zuhause ist es meist anders. Da gibt es deutlich mehr als drei volle Tassen oder manch einer trinkt auch seinen Tee aus dem Muckje, dem Becher.
Ganz klassisch wäre natürlich das feine Geschirr mit der Teerose: Das gibt es beispielsweise im Grand Café. „Seit der Gründung des Cafés vor mehr als 40 Jahren haben wir das Geschirr überall gesammelt, schon als Kind war ich auf Jagd danach“, sagt Barbara Sälzer mit einem Lachen. Denn das handbemalte Teerosen-Geschirr ist selten, teuer und sehr empfindlich. In den meisten anderen Restaurants und Cafés in Emden, die das ostfriesische Teetrinken anbieten, gibt es schlichtere Tassen, die leichter nachbestellt werden können.
Wo gibt es noch die ostfriesische Tee-Runde in Emden?
Außer im Hafenhaus und im Grand Café und Kater kann man auch beim Café/Restaurant Ostfriese am Neuen Markt klassisch Tee trinken. Ebenso geht das im Café Henri‘s bei der Kunsthalle, wo man sogar eine Ostfriesische Teezeremonie als kleine Veranstaltung buchen kann. Im Restaurant Leckerpott am Delft gibt es klassisch Tee, genauso wie im Cafetje am Stadtgarten oder im Restaurant Goldener Adler. Im Lesecafé, das an die Bücherstube am Rathaus angeschlossen ist, gibt es ebenfalls Kännchen.
Auch zu Wasser gibt es Tee: beispielsweise im Restaurant des Feuerschiffs „Amrumbank/Deutsche Bucht“ oder auf dem Ausflugsschiff MS „Atlantis“. Ganzjährig können auch kulinarische Stadtführungen mit Teezeremonie gebucht werden. Den klassischen Ostfriesentee können Interessierte im Tee-Kontor des Emder Unternehmens Thiele Tee am Falderndelft genauso testen wie andere Sorten. In Bäckerei-Filialen, etwa von Sikken in der Großen Straße oder am Herrentor, gibt es die Möglichkeit, ein Kännchen Tee zum Frühstück oder Kuchen dazu zu buchen.
Was war noch mit dem Teetrink-Rekord?
Seit 2021 ist es offiziell, was vorher aber schon alle wussten: Die Ostfriesen sind Weltmeister im Teetrinken. Pro Kopf wird in der Region demnach rund 300 Liter Tee im Jahr getrunken – das ist deutlich mehr als in anderen Teetrinker-Nationen wie etwa in Großbritannien oder der Türkei. Im deutschen Vergleich trinken Ostfriesen damit elf mal so viel Tee wie Bewohner anderer Regionen.
Seit 2016 ist die ostfriesische Teekultur außerdem im deutschen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Unesco genannt. Rund 150 andere Einträge gibt es aus Deutschland, etwa das Buchbinderhandwerk, das Bergsteigen in Sachsen oder der Rheinische Karneval.