Hannover Report offenbart: So geht es Azubis im Nordwesten
Der Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zeigt deutliche Unterschiede in der Ausbildungsqualität: Während ein Großteil der Azubis mit der Betreuung zufrieden ist, fehlen in 9,9 Prozent der Betriebe präsente Ausbilder. Unbezahlte Überstunden sind nur für wenige Azubis ein Problem.
Maximilian Mathes hat es gut getroffen: Der 23-Jährige wird beim hannoverschen Energie-Dienstleister „enercity“ als Industriemechaniker ausgebildet und hat in Yasin Altinöz einen festen Ansprechpartner gefunden. Das ist längst nicht in allen Betrieben der Fall. Sieben von zehn befragten Azubis geben an, dass ihre Ausbilder regelmäßig auf individuelle Lernbedürfnisse, wie ein angepasstes Lerntempo, verständliche Sprache und Nachfragen eingehen.
Das geht aus dem neuen Ausbildungsreport hervor, für den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) rund 1700 Auszubildenden aus Niedersachsen und Bremen aus 24 der meist frequentierten Ausbildungsberufe gefragt hat.
Die wichtigsten Ergebnisse:
91,7 Prozent der Auszubildenden (Vorjahr: 93,0 %) gibt an, formal zugeteilte Ausbilder zu haben; doch bei 9,9 Prozent der Befragten sind sie „selten“ bis „nie präsent“. 68,8 Prozent sagen, dass ihre Ausbilder „immer“ oder „häufig“ auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen und Arbeitsabläufe eindeutig erklären.
In solchen Fällen fühlen sich über 92 Prozent der Befragten gut behandelt. Wird jedoch kaum auf Lernbedürfnisse eingegangen, sinkt dieser Wert auf etwa 36,8 Prozent. Auch die allgemeine Zufriedenheit hänge stark von der Qualität der Erläuterung ab. Rund 91 Prozent der Auszubildenden, die Arbeitsabläufe vollständig erklärt bekommen, sind mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden.
Gute Ausbildungsmethoden wirken nach Ansicht von Kimberly Haarstik, Abteilungsleiterin für Jugendpolitik beim DGB, Stress entgegen. Knapp 50 Prozent der Azubis, deren Bedürfnisse kaum berücksichtigt werden, haben laut Umfrage oft Probleme, sich in der Freizeit zu erholen. Bei jenen, deren Bedürfnisse häufig beachtet werden, ist es etwa nur ein Viertel
72 Prozent (Vorjahr 71,4 %) sind mit ihrer Lehre „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“. 55,5 Prozent der befragten Azubis bewertet die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts als „sehr gut“ oder „gut“. 21,5 Prozent (Vorjahr: 14,0 %) gaben an, ausbildungsfremde Tätigkeiten machen zu müssen. Das sei ein neuer Höchststand, sagte Haarstik
30,6 Prozent (Vorjahr 29,2 %) der Azubis müssen regelmäßig Überstunden machen; 8,2 Prozent bekommen dafür weder Freizeitausgleich noch Geld. 4,2 Prozent der Azubis (2023: 7,1 %) müssen mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten
Insgesamt würden nur gut sechs von zehn Azubis (62 %) die Ausbildung in ihrem Betrieb weiterempfehlen; ein Siebtel (15 %) würden ihre Firma nicht weiterempfehlen. Es sei „unfair“, dass gut 20 Prozent der Betriebe nicht ausbilden, sagt Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB Niedersachsen. Diese Firmen sollten eine Abgabe zahlen.
„Die Qualität der Ausbildung entscheidet über die Zukunft unserer Fachkräfte“, so Payandeh. Der DGB fordert regelmäßige Fort- und Weiterbildungsangebote für Ausbilder, damit sie den wachsenden Anforderungen gerecht werden können. Kleine Unternehmen, die nur sehr schwer Ansprechpartner für Azubis abstellen können, sollten sich in Ausbildungsverbünden zusammenschließen.
Nach Berechnungen des DGB sind in Niedersachsen inzwischen insgesamt rund 290.000 junge Erwachsene unter 35 Jahren ohne Ausbildung; das entspricht einem Anteil von 21,6 Prozent. Bundesweit liegt die Zahl bei insgesamt 2,9 Millionen.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit blieben bis Ende September 4589 Ausbildungsplätze in Niedersachsen und Bremen unbesetzt. Über 30 Prozent aller Azubis in den beiden Ländern lösen ihren Ausbildungsvertrag vor dem Ende der Ausbildungszeit auf.