Osnabrück G20-Gipfel verkommt zum Ablasstreffen: Glaubwürdigkeit gleich null
Der G20-Gipfel in Rio offenbart tiefe Brüche unter den wichtigsten Wirtschaftsnationen. Trotz globaler Krisen üben sich die Teilnehmer in Allgemeinplätzen – ohne greifbare Fortschritte. Ein schwaches Signal in unsicheren Zeiten.
Weder verurteilen die Staats- und Regierungschefs der 20 stärksten Wirtschaftsnationen den russischen Feldzug gegen die Ukraine ausdrücklich. Noch erwähnen sie das Massaker der islamistischen Hamas an mehr als Tausend Israelis vom 7. Oktober 2023. Ein Glanzstück ist die Abschlusserklärung der G20 also nicht.
Im Gegenteil: Sie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie tief die Gräben und unterschiedlich die Interessen der Teilnehmer inzwischen sind – und dass die Dominanz liberal-demokratischer Staaten nach westlichem Muster in diesem illustren Kreis bröckelt.
Mit US-Präsident Joe Biden und Bundeskanzler Olaf Scholz waren gleich zwei Führungskräfte angereist, die in ihrer Heimat nur noch als „lahme Ente“ gelten – der eine abgewählt, der andere mit seiner Regierung gescheitert und nur noch ein paar Wochen im Amt. Was hätten sie also noch groß in die Waagschale werfen können?
Die Erwartungen an das Treffen waren ohnehin gering. Dass man den Kampf gegen Hunger, Armut und Klimaerwärmung fortsetzen will – das sind Allgemeinplätze, wie sie seit Jahren in Schlusserklärungen von G20-Treffen zu hören sind. Ihre Unterzeichner wissen genau: Papier ist geduldig.
Ähnlich verhält es sich mit den Absichtserklärungen zur Reform internationaler Organisationen wie der UN und der Besteuerung von Superreichen; sie mögen wünschenswert sein, in nächster Zeit aber kaum umsetzbar.
Die Tatsache, dass Macht und Einfluss des globalen Südens im Kreis der G20 zunehmen, dass diese Staaten mehr Mitsprache bei der Gestaltung der Weltordnung einfordern, macht den Planeten nicht automatisch zu einer besseren Welt.
Die Erfahrung lehrt: Was vollmundig verkündete Pläne für mehr Gerechtigkeit wert sind, zeigt sich immer dann, wenn Realität die „Wünsch dir was“-Blasen zum Platzen bringt, wenn konkrete Gefechtslagen wie im Nahen Osten oder der Ukraine für politische Unordnung weit über Grenzen hinweg sorgen.
Dann werden Milliarden und Abermilliarden Dollar pulverisiert, die doch in Armutsbekämpfung, Bildungsinitiativen und der Entwicklung nachhaltiger Technologien so viel besser angelegt wären; nicht, dass die Verantwortlichen dies in irgendeiner Weise interessierte.
Vor diesem Hintergrund muten G20-Gipfel allenfalls noch als eine Art Ablassveranstaltung an. Glaubwürdigkeit? Gleich Null.