Pleitenserie Germania Leer will unrühmlichen Rekord vermeiden
Zwei Pünktchen ergatterte Germania in 16 Partien. Im Winter will der VfL personell nachlegen. Das hat der 1. FC Bramsche in der Serie 2007/2008 nicht getan und erlebte eine unfassbare Horror-Saison.
Leer - Das Kontrastprogramm könnte kaum krasser ausfallen. In der vergangenen Saison lagen sich Trainer Erhan Colak, sein Assistent Jörg Romanowski und die Spieler des VfL Germania Leer Woche für Woche jubelnd in den Armen. Am Ende feierten sie mit satten 14 Punkten Vorsprung die Bezirksliga-Meisterschaft. Nach dem Aufstieg in die Landesliga und dem Verlust nahezu sämtlicher moldawischer Superkicker jagt nun bei Germania ein Frust-Erlebnis das nächste. Nach moderaten Niederlagen zu Saisonbeginn kam es zuletzt knüppeldick: 2:7, 1:9, 1:6 und 2:5 lautete die jüngste Pleitenwelle.
Wenn es so weiter ginge, droht dem VfL Germania Leer ein unrühmlicher 15-Jahres-Rekord. Aus einem der souveränsten Aufsteiger der vergangenen Jahre könnte ein Landesliga-Absteiger mit dem bescheidensten Punkte- und Torkonto seit 2008 werden. In 16 Spielen hat der VfL erst zwei Pünktchen eingesammelt (21:62 Tore). „So etwas habe ich weder als Spieler noch als Trainer jemals erlebt“, sagt Trainer Erhan Colak. „Aber Lob an die Jungs, dass sie trotzdem noch so engagiert bei der Sache sind. Die Moral ist intakt.“ Das bestätigt auch Co-Trainer Jörg Romanowski. „Die Trainingsbeteiligung ist enorm. Wir kennen ja die Ursachen für unsere Defizite.“
Ex-Torwart des VfL erhielt Profivertrag
Ein Leistungsträger nach dem anderen verabschiedete sich im Sommer vom Bezirksliga-Meister. „Einige wechselten gar erst zu Saisonbeginn. Da konnten wir dann personell nicht mehr reagieren“, sagt Colak. Gleich zwei Ex-Germanen sind beim Oberligisten SV Wilhelmshaven untergekommen.
Wie extrem die Mannschaft umgekrempelt werden musste, verdeutlicht Romanowski anhand der Torwart-Position. Schlussmann Lucia Cebotari wechselte von Germania Leer zum FC Balti in die 1. Liga Moldawiens. „Lucia ist jetzt Profi und wir haben mit Florian Demhartner einen Torwart, der am Dienstag 18 Jahre alt geworden ist.“ Romanowski nennt ein weiteres Beispiel für die neue Germania-Realität. „Gegen Garrel standen vier A-Jugendliche auf dem Feld.“ Das Ergebnis war ein 1:9. „Wir dürfen die Jungs aber nicht verheizen.“
Germania sucht Verstärkung
Chefcoach Colak nennt die Pläne für die Winterpause. „Wir wollen personell nachlegen und im neuen Jahr auch mal gewinnen.“ Vom Klassenerhalt spricht beim VfL Germania bei 19 Zählern Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz niemand mehr. „Aber wir möchten nicht der schlechteste Absteiger werden“, sagt Romanowski. Der Negativ-Rekord aller Zeiten droht ohnehin nicht. Diese historische Marke ist dem 1. FC Bramsche nie mehr zu nehmen.
Der einstige Landesligist verlor vor der Saison 2007/2008 die gesamte Mannschaft und kassierte dann Woche für Woche mit einer zusammengewürfelten Truppe heftigste Klatschen. Der bittere Endstand nach 30 Spielen: 0 Punkte, 5:271 Tore. Die negativen Höhepunkte der Horrorsaison waren ein 0:17 in Emstek, ein 0:16 in Bad Rothenfelde sowie drei 0:12- und fünf 0:10-Pleiten. 2009 kam der VfL Löningen nicht über 8 Punkte hinaus. 2010 musste sich die SpVg Aurich ebenso mit 9 Zählern begnügen wie TuS Pewsum 2017. Die Ostfriesen hatten es noch nie leicht in dieser Liga.
Germania kann zwar oftmals mithalten und agiert auf Augenhöhe mit dem Gegner. Als das Team Ende September beim 2:2 gegen Bad Bentheim punktete und dieses Resultat sechs Tage später auch in Wildeshausen erreichte, schien der VfL Germania in der Landesliga angekommen. Aber die 2:7-Derbypleite in Firrel war der Beginn einer Serie von vier Pleiten mit insgesamt 27 Gegentoren. Zwei Spiele muss Germania Leer 2024 noch halbwegs schadlos überstehen. Im neuen Jahr soll dann das Punktekonto aufgehübscht und laut Romanowski irgendwann auch mal gewonnen werden. „Wir wollen noch etliche Zähler sammeln. Und das schaffen wir auch.“