Für die nächste Generation  Holger Peters spricht Plattdeutsch aus Leidenschaft

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 21.11.2024 18:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Holger Peters liebt seine Heimat Ostfriesland. Als Plattdeutschbeauftragter der Gemeinde Uplengen will er junge Menschen zum Prooten bringen. Foto: Heinig
Holger Peters liebt seine Heimat Ostfriesland. Als Plattdeutschbeauftragter der Gemeinde Uplengen will er junge Menschen zum Prooten bringen. Foto: Heinig
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Holger Peters hat sich in Uplengen der plattdeutschen Sprache verschrieben. Warum ihm das so wichtig ist und wieso er selbst als Kind nur Hochdeutsch gesprochen hat, hat er uns erzählt.

Uplengen - Holger Peters ist Ostfriese mit Leib und Seele. Das sagt der 59-Jährige über sich selbst. Wer ihn trifft, merkt, dass das wohl stimmt: Erst schwärmt er von der traditionellen Teezeremonie, dann von der gelassenen Mentalität. Spätestens aber, wenn Peters auf Plattdeutsch zu sprechen kommt, gibt es kein Halten mehr.

Dann fangen die Augen des Uplengeners an zu leuchten und er beginnt unweigerlich zu grinsen. Kein Wunder, dass die Gemeinde Uplengen ihn Ende 2023 zum neuen Plattdeutschbeauftragten ernannt hat. Platt ist seine Leidenschaft. Aber das war nicht immer so, erzählt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Prooten auf Platt schafft Vertrauen

Im Jahr 1971 ist Peters eingeschult worden. „Damals verlangten die Lehrer noch, dass die Kinder Hochdeutsch können, wenn sie in die Schule kommen“, erzählt er. Das sei seiner Ansicht nach einerseits verständlich. „Andererseits muss man sagen, dass das Plattdeutsche dadurch viele Jahre lang ziemlich vernachlässigt worden ist“, sagt er. Platt sei seiner Erfahrung nach insbesondere noch von Landwirten im Alltag benutzt worden. Peters habe durch die Vorgabe als Kind mit seinen Eltern nur Hochdeutsch gesprochen.

Erst als Holger Peters ins Berufsleben einstieg, habe er wieder mehr Platt gesprochen. Damals machte er eine Lehre in einem Autohaus. „Wenn ich mit den Kunden auf Platt gesprochen habe, war automatisch mehr Vertrauen da“, sagt er. Das beobachtet Peters auch heute noch: Wenn er vom Hochdeutschen ins Plattdeutsche wechselt, sind die Gespräche sofort vertrauter. „Man duzt sich oft direkt. Im Plattdeutschen gibt es zwar Konstruktionen für das Siezen, aber eigentlich ist es meistens per Du“, sagt Peters.

Junge Menschen sollen wieder mehr Plattdeutsch sprechen

Seit einigen Jahren wird versucht, das Plattdeutsche zu fördern. Und es wirkt. Nach Umfragen der Ostfriesischen Landschaft sprechen wieder mehr Menschen gut Plattdeutsch, sagt Peters. Unter anderem in Kindergärten und Schulen sei viel in Bewegung. An der Universität Oldenburg gebe es inzwischen sogar einen Niederdeutsch-Studiengang für angehende Lehrer.

„Es hat einen Imagewandel zum Positiven gegeben. Inzwischen spreche ich auch wieder mit meinen Eltern Platt“, sagt der 65-Jährige. „Das Wichtigste ist aber, dass wir die Jugend wieder dazu bringen, Plattdeutsch zu sprechen“, meint Peters. Darin sieht der 65-Jährige seine Hauptaufgabe als Plattdeutschbeauftragter der Gemeinde Uplengen. Eines von Peters nächsten Projekten soll eine plattdeutsche Schnitzeljagd für Kinder werden. „Oder ein Konzert mit einer plattdeutschen Band. Aber eben für junge Leute“, betont er.

Platt is cool – das findet Holger Peters. Foto: Heinig
Platt is cool – das findet Holger Peters. Foto: Heinig

Plattdeutsch ist cool – sogar die Schimpfwörter

Er findet: Plattdeutsch ist cool. Das steht auch auf dem Button, den Peters an seinem Hemd trägt. Ein Vorteil der plattdeutschen Sprache für ihn: „Sogar wenn man ein Schimpfwort sagt, klingt es immer noch nett“, sagt Peters und grinst. Sein Lieblingswort? „Döspaddel zum Beispiel. Das finde ich genial.“ Ob er als Plattdeutschbeauftragter das plattdeutsche Wort für Eichhörnchen kenne, ist Peters schon oft gefragt worden. „Zum Glück habe ich den Test bestanden“, scherzt er. „Ich weiß, dass es hier in Uplengen Katteker heißt.“

Im Rheiderland gebe es dagegen einen anderen Begriff, „aber den weiß ich schon nicht mehr“, sagt Peters lachend. Das zeige, wie vielfältig die Sprache sei, sagt der Plattdeutschbeauftragte. „Das fängt schon im Ammerland an. Wenn man von hier sechs Kilometer nach Augustfehn fährt, wird geschnackt. Hier wird geprootet.“

Peters wünscht sich, dass seine Arbeit als Plattdeutschbeauftragter in Uplengen Früchte trägt und junge Leute wieder „Platt prooten“ können. Bei seinen eigenen Söhnen habe er das versäumt, sagt er. „Mit denen habe ich leider nie Platt gesprochen. Und jetzt muss ich auch nicht damit anfangen.“ Sollte er aber einmal Enkel haben, steht für Holger Peters fest: „Als Opa möchte ich mit meinen Enkeln Platt sprechen. Das gehört in Ostfriesland einfach dazu.“

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