Hannover  Grünen-Legende geht: Warum sich Meta Janssen-Kucz aus der Landespolitik zurückzieht

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 21.11.2024 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Räumt demnächst ihr Büro im Landtag von Hannover: Die langjährige Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz (63). Foto: Lars Laue
Räumt demnächst ihr Büro im Landtag von Hannover: Die langjährige Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz (63). Foto: Lars Laue
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Nach mehr als zwei Jahrzehnten im niedersächsischen Landtag zieht sich Meta Janssen-Kucz zurück. So begründet die Politikerin der Grünen ihren Schritt. Gleichzeitig tritt die 63-Jährige Spekulationen über ihren Gesundheitszustand entgegen.

Meta hört auf. Die Nachricht der Grünen verbreitete sich vorige Woche in Hannover wie ein Lauffeuer.

Die langjährige Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz, von vielen einfach bei ihrem in Ostfriesland häufig auftauchenden Vornamen genannt, beendet ihre politische Laufbahn. Im Dezember wird die Vizepräsidentin des niedersächsischen Landtages ihr Mandat niederlegen. Janssen-Kucz saß von 1998 bis 2008 und seit 2011 durchgehend für die Grünen im Landtag. 23 Jahre insgesamt.

Für ihren Rückzug nennt die Abgeordnete, die auf Borkum wohnt und in Leer noch einen Zweitwohnsitz hat, „persönliche Gründe“. Das lässt Raum für Spekulationen. Geht es ihr nicht gut? Diese Frage habe sie in den vergangenen Tagen nach Bekanntwerden ihres Rückzugs häufig gestellt bekommen. Im Gespräch mit unserer Redaktion bekräftigt sie: „Das ist es nicht. Ich fühle mich sowas von fit.“

Aber? „Ich will es auch nicht überreizen“, betont die 63-Jährige. Sie habe nicht selten 12- bis 14-Stunden-Tage, „und das im Schnitt an sechs Tagen pro Woche“, macht Janssen-Kucz ihre Belastung deutlich. Nun sei der Zeitpunkt gekommen, um kürzerzutreten.

Für sich selbst, aber eben auch, „weil ich jetzt gebraucht werde von Menschen, die immer für mich da waren“, wie sie sagt. Über Einzelheiten möchte Janssen-Kucz nicht so gern reden.

Und dann sei da auch noch ihr dreieinhalbjähriges Enkelkind, das erst kürzlich wieder mit traurigem Gesicht vor ihr gestanden und gesagt habe: „Oma, Du bist mit Deinem Koffer immer nur weg.“

So schwer ihr die Entscheidung gefallen sei, die Landespolitik zu verlassen, so sehr freue sie sich mittlerweile auf ihre künftigen Freiräume und vor allem über eines: „Dass ich nicht mehr sonntagnachmittags von der Insel aufbrechen muss, um am Montagmorgen pünktlich in Hannover zu sein.“ Sie sei als Borkumerin nun einmal die Abgeordnete mit der weitesten Anreise.

Auch räumt Janssen-Kucz im Gespräch mit Spekulationen auf, die aktuelle politische Lage könnte sie womöglich bewogen haben, ihr Mandat niederzulegen. „Das ist Quatsch“, sagt die resolute Powerfrau, die in Hannover häufig im Stechschritt von einer Sitzung zur nächsten eilt.

Wer die engagierte Politikerin kennt, weiß, dass sie keine ist, die sich wegduckt und Diskussionen aus dem Weg geht. „Ganz im Gegenteil, ich werde immer ein politischer Mensch bleiben und auch weiterhin das Gespräch und die politische Auseinandersetzung suchen“, macht sie deutlich. Der politische Diskurs liege ihr förmlich in den Genen. Immerhin sei ihr Vater Gemeinderat im ostfriesischen Uplengen-Remels gewesen – für die CDU.

Janssen-Kucz lagen und liegen Umweltthemen besonders am Herzen. Lange Jahre und in vielen Landtagsreden hatte sie energisch für eine Verlegung der Meyer Werft von Papenburg nach Emden gekämpft – um die Ems zu schützen.

In diesem Zusammenhang erinnert sich die Ostfriesin, deren Muttersprache Plattdeutsch ist, daran, wie es ihr einst gelungen war, die damalige, ebenfalls aus Ostfriesland stammende CDU-Abgeordnete Hedwig Pruin zur Ruhe zu bringen. Nach etlichen Zwischenrufen habe sie ihrer politischen Rivalin „op Platt“ zugerufen, dass sie aufhören solle, zu plärren, denn jetzt rede sie. Auf Plattdeutsch höre sich das ganze aber charmanter und nicht so hart an, etwa so: „Hedwig, höör op to plärren, nu proot ik.“ Das sei angekommen und habe funktioniert.

„Mich hat abends sogar der damalige Ministerpräsident Christian Wulff angerufen, um mich zu fragen, wie ich es geschafft habe, dass sie den Mund hält“, erinnert Janssen-Kucz sich und fügt hinzu: „Heute sind Hedwig und ich gut befreundet und lachen noch oft über diese Anekdote.“

Auf die Frage, was sie am Landtag vermissen werde, antwortet Janssen-Kucz denn auch ohne lange überlegen zu müssen: „Den Austausch mit den vielen und vor allem jungen Abgeordneten.“ Andere Sichtweisen, Diskussionen, der Blick über den Tellerrand, das lebenslange Lernen – all das halte sie frisch und sei das „Salz in der Suppe“ von Politikern. Und so freue sie sich, dass für sie mit Tamina Reinecke aus dem Landkreis Helmstedt eine junge Kollegin nachrückt. Reinecke feiert just an dem Tag, an dem sie in den Landtag nachrücken soll – am 11. Dezember also –, ihren 29. Geburtstag.

Dass die gelernte Diplom-Sozialpädagogin und Diplom-Sozialarbeiterin Janssen-Kucz ohne politisches Mandat in ein Loch fällt, steht gleichwohl nicht zu befürchten. Sie freue sich auf mehr Zeit mit ihrem Mann, der schon in Rente sei, auf schöne Stunden mit ihrem Enkelkind, auf Reisen mit ihrem Sohn, auf mehr Muße für ihr Hobby Gartenarbeit und auf mehr Möglichkeiten für ihr Ehrenamt.

Die ehemalige Schulleiterin engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in der Suchtkrankenhilfe Ostfriesland. „Langeweile bekomme ich bestimmt nicht“, ist die scheidende Abgeordnete sicher. Einen leeren Kalender werde sie auch künftig nicht haben – aber ihre Termine gelassen angehen. „Also eher Schlendern statt Stechschritt“, lacht Janssen-Kucz.

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