Drogenprozess in Aurich Ex-Abhängiger kämpft um Bewährung nach Drogenhandel
Ein 45-Jähriger aus dem Landkreis Leer steht vor Gericht, nachdem er Drogen im Wert von 16.600 Euro geschmuggelt haben soll. Er kämpft um eine Bewährung, um sein Leben drogenfrei neu zu beginnen.
Aurich - Ein 45-jähriger Mann aus dem Landkreis Leer steht im Verdacht, Kokain und Heroin im Gesamtwert von 16.600 Euro aus den Niederlanden eingeführt und verkauft zu haben. Die ihm zur Last gelegten 50 Straftaten sollen sich zwischen Juni und September 2019 ereignet haben. Der Angeklagte hat die Taten gestanden; er ist mittlerweile drogenfrei. Dennoch droht ihm weiterhin eine Gefängnisstrafe.
Insgesamt waren es 174 Gramm Kokain und 111 Gramm Heroin, die durch seine Hände gegangen sein sollen. Abgeholt hat er den Stoff bei einer im großen Stil agierenden Tätergruppe im niederländischen Hoogezand-Sappemeer, von wo er ihn in seinem Auto bei Bunde über die Grenze gebracht haben soll. Wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen und unerlaubten Handelns saß er am Donnerstag, 21. November 2024, auf der Anklagebank des Auricher Landgerichts.
Zwei Fahrten sind besonders auffällig
Der Angeklagte unternahm nahezu täglich Fahrten, um Drogen zu beschaffen, wobei er meist kleinere Mengen zwischen 1,5 und 9,5 Gramm Kokain und Heroin über die Grenze brachte. Zwei Vorfälle waren besonders auffällig: In einem Fall schmuggelte er 15 Gramm Kokain und zehn Gramm Heroin nach Deutschland, im anderen Fall jeweils zehn Gramm. Eine Telefonüberwachung dokumentierte seine Bestellungen bei der niederländischen Tätergruppe, und seine Fahrten wurden nachverfolgt.
Jetzt kämpft der 45-Jährige um eine Bewährungsstrafe. Nach Angaben seines Verteidigers war er im Tatzeitraum „extremst koks- und heroinabhängig“. Sein Mandant habe von dem Stoff nur ein Drittel verkauft, um finanzielle Mittel für die Finanzierung seiner Sucht zu haben. Zusätzlich habe er Diebstähle begangen.
Täglich Drogen im Wert von 400 Euro konsumiert
„Ich war 15 Jahre heroinabhängig und habe die Arbeit noch hinbekommen. Dann kam Kokain dazu, es hat mich zerstört“, ließ sich der verheiratete Angeklagte ein. Er habe ständig unter Drogen gestanden und kaum geschlafen, berichtete er: „Es war nichts anderes im Kopf, als diese Gier zu befriedigen.“
Konsumiert hat der Angeklagte große Mengen – pro Tag sechs bis sieben Gramm Kokain und zwei bis vier Gramm Heroin im Wert von insgesamt 400 Euro. Er verlor sein Haus. Er plünderte das Konto seiner Eltern, für das er eine Vollmacht besessen hat. Seine 2014 und 2020 geborenen Kinder wurden ihm weggenommen. Inzwischen hat er sie wieder zurück. „Heute möchte ich das Kapitel abschließen“, bekräftigte der Mann.
Pläne des Angeklagten sind ambitioniert
Er habe nicht von jeder Beschaffungsfahrt etwas verkauft, erklärte er – „ich war selbst mein bester Kunde“. Ende August, bei einer Hausdurchsuchung wegen Ladendiebstahls, sei alles aufgeflogen. „Dann ist das Jugendamt gekommen. Wir zogen zu meinen Eltern. Ich habe versucht aufzuhören“, schilderte er.
Hilfe habe er bei der Diakonie in Papenburg gefunden. Seit 2022 sei er drogenfrei. „Besonders für meinen großen Sohn wäre es schlimm, wenn ich ins Gefängnis käme. Er ist ein Papakind“, warb er für eine Strafe zur Bewährung. Seine weiteren Pläne sind ambitioniert. Er möchte in Reha, sein Gewicht reduzieren, seine Atemwegserkrankung in den Griff bekommen und wieder arbeiten. Verschiedene Stellen haben ihm ein positives Zeugnis ausgestellt, darunter das Jobcenter, ein Arzt sowie Therapeuten.
„Aktuell ist die Prognose nicht ungünstig“
Nach Ansicht des psychiatrischen Gutachters Dr. Egbert Held hat der Angeklagte Erstaunliches geschafft. Im Rahmen einer ambulanten dreijährigen Therapie gelang es ihm, zunächst eine Methadonsubstitution durchzuführen. „Er hat es auch geschafft, sich von dem Methadon zu verabschieden. Das schaffen die wenigsten“, strich der Sachverständige heraus. Den 45-Jährigen schätzte er als voll schuldfähig ein, auch wenn er zur Tatzeit unter einer „relevanten Minderung der Steuerungsfähigkeit“ gelitten habe. Held empfahl eine weitere Therapie mit Abstinenznachweisen für die Dauer von zwei Jahren und psychologische Unterstützung. „Aktuell ist die Prognose nicht ungünstig“, befand er, warnte aber vor einem Rückfall.
Das Verfahren wurde sehr offen geführt. In einem Rechtsgespräch besprachen die Prozessbeteiligten schon früh ihre Positionen. Ob der Angeklagte mit einer Bewährungsstrafe davonkommt, entscheidet sich bei der Fortsetzung der Verhandlung am 5. Dezember ab 9 Uhr in Saal 116 des Auricher Landgerichts.