Rhauderfehner Traditionsbetrieb  Fällt Opti in Rhauderfehn einer „Heuschrecke“ zum Opfer?

Marion Janßen
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Von Marion Janßen
| 22.11.2024 12:08 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, vor dem Opti-Werk in Rhauderfehn. Dort wurden Transparente aufgehängt. Foto: Janßen
Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, vor dem Opti-Werk in Rhauderfehn. Dort wurden Transparente aufgehängt. Foto: Janßen
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Gewerkschafter Thomas Gelder erklärt, wie ein Investor aus einem Unternehmen Geld heraus ziehen kann. Seine Sorge: Das passiert auch in Rhauderfehn.

Rhauderfehn - Als der Münchner Kapitalgeber Aequita im Sommer 2023 Opti in Rhauderfehn übernahm, arbeiteten dort fast 160 Menschen. Heute sind es noch 120. Noch: 25 weitere Mitarbeiter sollen vor die Tür gesetzt werden. Aequita, moniert die IG Metall Leer-Papenburg, habe augenscheinlich zum einen kein Interesse, den Betrieb zu erhalten, und zum anderen kein soziales Gewissen. „Heuschrecke“, ist das Wort, das in den vergangenen Wochen bei Protesten immer wieder auftauchte. Es stehe für die Art von Finanzinvestor, die hier am Werk sei.

Was ist eine Heuschrecke?

„Heuschrecken sind Kapitalgeber, die weder strategisch noch sozialpolitisch agieren, sondern den schnellen Gewinn machen wollen“, erklärt Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg. Erreicht werde das meist durch Umstrukturierungen und Einschnitte bei der Belegschaft. Ziel sei es, den Betrieb schnellstmöglich gewinnbringend wieder los zu werden. Seit Sommer 2023 gab es bereits 18 betriebsbedingte Kündigungen, erklärte Opti-Betriebsratschef Marcel Taubert jüngst auf einer Demo. Andere Mitarbeiter seien in den Ruhestand gegangen. „Falls nun weitere 25 Beschäftigte entlassen werden, dann sind wir nur noch 95 Mitarbeiter und fallen damit erstmal unter die 100er-Marke“, so Taubert.

Wie funktioniert das Heuschrecken-Prinzip?

Dabei, sagt Thomas Gelder, gehe es immer um Gewinnmaximierung.

Der Verdacht liege nahe, dass beim Opti-Verkauf genau so ein Finanzinvestor gewählt wurde. Aber wie kann man aus einem Unternehmen, dem es schlecht geht, überhaupt Gewinn abschöpfen? „Der Investor schaut sich ja alle Standorte intensiv an: Wie groß ist das Unternehmen, welche Maschinen, wie viel Personal gibt es. Beim Kaufpreis wird Folgendes gemacht: Ist die Auftragslage nicht gut, werden die Kosten für einen Sozialplan schon mal abgezogen.“ Werden Abfindungen dann nicht oder nur in viel geringerem Maße gezahlt, bedeutet das für den Investor zusätzlichen Gewinn.

„Für den Verkäufer hat das den Vorteil, dass er das nicht selber machen muss“, so Gelder. Aequita habe auch die anderen Opti-Standorte erworben. Ursprünglich war auch einer in der Türkei dabei. „Im ersten Sozialplan hieß es, die Lohnkosten in Rhauderfehn seien zu hoch. Die Löhne in der Türkei seien niedriger. Das hat denen aber auch nicht geholfen, das Werk in der Türkei ist schon zu“, sagt Gelder. „Unsere Sorge ist, dass Aequita wenig bis kein Interesse hat, Aufträge reinzuholen, sondern überlegt, wie man das Ganze veräußern kann. Das ist es, was den Gewinn bringt: Grundstücke, Gebäude, Anlagen, Patente sowie den Namen, den man als Marke verkaufen kann.“ Ado in Aschendorf sei so abgewickelt worden. Dazu passe der Eindruck, dass bei Opti schon über viele Jahre nicht nennenswert investiert worden sei. Und: „Aequita hat gewusst, wie es um das Werk steht. Die haben sich alle Standorte angeschaut.“

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