Hamburg Chinesischer Frachter im Visier: Wie Europa den Umgang mit hybriden Bedrohungen schärft
Nach den beschädigten Datenkabeln in der Ostsee steht ein chinesischer Frachter im Fokus. Die Reaktion der Ostseeanrainer zeigt: Europa lernt dazu und stellt sich gegen hybride Bedrohungen auf.
Zwei durchtrennte Datenkabel, ein chinesischer Frachter unter Verdacht – und klare Worte von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Er sprach unverblümt von Sabotage, zu einem Zeitpunkt, an dem noch nicht allzu viel bekannt war zu den neuesten Vorfällen auf dem Grund der Ostsee.
Das war vor einem Jahr noch anders: Als im Oktober 2023 die Pipeline Balticconnector zwischen Estland und Finnland beschädigt wurde, waren Behörden und Politiker noch vorsichtiger in der Bewertung gewesen. Auch damals spielte ein chinesischer Frachter eine Rolle, dessen am Grund schleifender Anker die Leitung beschädigt hatte.
Der nun veränderte Ton der ersten Reaktionen zeigt: Es gibt eine Lernkurve. Zurückhaltung ist nicht mehr angebracht, denn es ist klar, dass hier etwas vor sich geht, dem mit beschwichtigenden Worten nicht beizukommen ist. Europa wird attackiert. Von wem genau, kann man sich vielleicht denken – das tun auch sicher Boris Pistorius und seine skandinavischen Kollegen. Gewissheit aber gibt es noch nicht, so lange der Vorfall nicht genau untersucht wurde.
Und selbst dann, das zeigt die Erfahrung, könnten die eigentlichen Hintergründe weiter im Dunkeln liegen. Das ist das Wesen der hybriden Bedrohung, und ihr wirksam zu begegnen, ist schwer: Die maritime Infrastruktur flächendeckend zu schützen, damit es gar nicht erst zu einer Attacke kommen kann, ist selbst in der überschaubaren Ostsee schlicht unmöglich.
Ganz wehrlos aber sind die Ostseeanrainer auch nicht mehr: Es gab offensichtlich ein gutes Lagebild, eine schnelle Kommunikation der Beteiligten und nach der Attacke eine entschlossene Verfolgung des verdächtigen Schiffs, das nun im Kattegat vor Anker liegt. Und von Anfang an die Botschaft aus der Politik, dass das hier kein Zufall war.
Der aktuelle Fall zeigt: Maritime Infrastruktur mag schwer zu schützen sein. Aber die Ostseeanrainer haben sich auf Bedrohungen hybrider Art eingestellt.