Stuhr Bombendrohung an Lise-Meitner-Schule in Stuhr entpuppt sich als Finte
Eine Bombendrohung an der Lise-Meitner-Schule im Stuhrer Ortsteil Moordeich (Landkreis Diepholz) hat am Montag den Schulalltag durcheinander gewirbelt. Im Laufe des Tages konnte die Polizei Entwarnung geben.
Über schulfrei freut sich eigentlich fast jeder Schüler. Doch an diesem Montag dürfte allen Beteiligten an der Lise-Meitner-Schule in Moordeich ein Schauer über den Rücken gelaufen sein: Bereits am Vorabend war der Schulleitung eine E-Mail mit unbekanntem Absender zugegangen. Deren Inhalt: Am Montag soll an der KGS eine Bombe detonieren. Die Leitung reagierte schnell, verständigte umgehend das Polizeikommissariat in Weyhe. Nach kurzer Beratung habe festgestanden: „Um erst gar kein Risiko einzugehen, soll der Unterricht am Montag ausfallen“, berichtet Thomas Gissing, Sprecher der Polizeiinspektion Diepholz. Noch am Abend ging die Info über mehrere Kanäle raus. Schulfrei für alle? Es gibt sicherlich angenehmere Gründe.
Gissing ist am Montagmorgen vor Ort, gibt diversen Medienvertretern Interviews über den aktuellen Sachstand. Noch ist nicht klar, ob sich wirklich ein deponierter Sprengsatz im Gebäude befindet. Nur eines könne man seiner Auskunft nach ausschließen: „Wir gehen nicht davon aus, dass es sich um einen Schülerstreich handelt.“ Was dafür sprechen würde: Laut einer unbestätigten Meldung sollen E-Mails mit ähnlichem Inhalt am Sonntag auch an andere Schulen in Niedersachsen geschickt worden sein. Im Landkreis Diepholz handelte es sich bei der Lise-Meitner-Schule um die einzige.
Es herrscht eine fast schon gespenstische Ruhe auf dem Schulgelände an der Danziger Straße. Zwei Streifenwagen und ein Einsatzfahrzeug, eine Handvoll Beamte, dazu ein Absperrband – mehr deutet für Außenstehende nicht auf einen polizeilichen Einsatz hin. Eine, die nur einen Steinwurf von der Schule entfernt wohnt, ist Jessica Harms. Nein, von einer Bombendrohung habe sie noch nichts mitbekommen, erzählt die junge Frau. „Ich habe heute Morgen, als ich meinen Sohn in die Kita gebracht habe, noch viele Schüler hier gesehen.“ Klar, aufgefallen sei die Polizeipräsenz auch ihr. „Ich habe aber gedacht, dass man eine Fahrradkontrolle bei den Kindern macht.“
Es ist kurz nach 10 Uhr. Gerade hat der Einsatz begonnen. „Die Hunde sind vorhin rein, um alles abzuschnüffeln“, sagt Thomas Gissing. Konkret seien zwei Sprengstoffspürhunde vor Ort, die jeweils mit ihrem Führer gemeinsam im Team agieren. „Es wird wohl noch mehrere Stunden brauchen, bis Klarheit herrscht“, so der Sprecher. Schließlich müsse man auf der Suche nach einer möglichen Bombe Raum für Raum durchgehen – vom Keller bis zum Dachboden. Und sollte einer der entsprechend ausgebildeten Hunde tatsächlich auf Sprengstoff anschlagen? „Dann lässt das Tier das durch ein bestimmtes Anzeigeverhalten erkennen – in dem Fall durch lautes Bellen“, klärt Gissing auf. Der Hundeführer würde daraufhin den Beamten vor der Tür über Funk Bescheid geben.
Dieses Szenario erfüllt sich an diesem Tag zum Glück nicht. Und so müssen auch nicht die sogenannten Delaborierer der Bundespolizei angefordert werden – also Experten, die ausschließlich für die Entschärfung von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen zuständig sind. Die Bombendrohung erweist sich als Finte.
Lennard Sommer ist einer der rund 900 Schüler an der KGS. Wir treffen ihn an der Schulbushaltestelle. „Wäre die Drohung heute während des Unterrichts rausgegangen und hätte es wirklich eine Bombe gegeben, dann hätten auch Schüler Schaden nehmen und Familienleben zerstört werden können“, verdeutlicht der 13-Jährige sichtlich aufgewühlt. Heute hätte er eine Klassenarbeit schreiben sollen – die wird nun noch etwas auf sich warten lassen müssen.
Neben Thomas Gissing ist auch Andrik Hackmann, der polizeiliche Einsatzleiter, zugegen. Er zeigt sich am Ende erleichtert, dass die Spürhunde nicht angeschlagen haben und somit Entwarnung gegeben werden kann. „Ein polizeiliches Ermittlungsverfahren zur Urheberschaft der E-Mail haben wir bereits eingeleitet“, sagt der stellvertretende Leiter des Polizeikommissariats in Weyhe. Mit derartigen Drohungen erfüllten Täter einen Straftatbestand, der sich „Störung des öffentlichen Friedens“ nennen würde und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden könne.
Ebenso hätten sie damit zu rechnen, dass sie die Kosten des Einsatzes zu tragen haben. „Man wird sehen müssen, was man in Erfahrung bringen kann – unsere Spezialisten sind an der Sache jedenfalls schon dran“, erklärt Hackmann. Ein bis zwei Tage werde man wohl abwarten müssen, ob und was man über den oder die Urheber herausfindet.