Osnabrück  Deutschland im Dilemma: Willkommenkultur als Schlüssel zur Fachkräftesicherung

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 26.11.2024 14:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wachsender Bedarf: Ausländische Arbeitskräfte sind aus dem Pflegebereich nicht mehr wegzudenken. Foto: dpa/Oliver Dietze
Wachsender Bedarf: Ausländische Arbeitskräfte sind aus dem Pflegebereich nicht mehr wegzudenken. Foto: dpa/Oliver Dietze
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Deutschlands Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften wächst: Laut einer Studie braucht es bis zu 288.000 internationale Menschen jährlich. Doch ein Mangel an Willkommenkultur behindert den Prozess erheblich.

Die miese Wirtschaftslage schlägt auf den Arbeitsmarkt durch, immer mehr Unternehmen kündigen an, Jobs abzubauen – und das trotz Fachkräftemangels im Land. Gleichzeitig bleibt Deutschland langfristig auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen – und das sogar in höherem Maße als bisher gedacht.

Letzteres ist das Ergebnis einer jetzt vorgelegten Studie im Auftrag der Bertelsmannstiftung. Demnach wären bis 2040 jährlich rund 288.000 internationale Arbeitskräfte erforderlich, um angesichts der sich verändernden Alterszusammensetzung der Bevölkerung ein ausreichendes Angebot an Arbeitskräften zu haben. Das wird eine echte Herausforderung.

Grundsätzlich hat Deutschland inzwischen zwar ein liberales Fachkräfteeinwanderungsgesetz; da hat die Politik geliefert. Doch in der Praxis mangelt es infolge von zu viel Bürokratie und Personalmangel in den Amtsstuben an der Umsetzung.

Noch entscheidender aber ist: Von einer „Willkommenkultur“ ist hierzulande nicht viel übrig. Differenziert auf Zuwanderung zu schauen, geht vielen Deutschen ab. Das bekommen ausländische Bürger im Alltag zu spüren; das Klima ist ruppiger geworden. Internationale Arbeitskräfte – vor allem auch höher qualifizierte – schreckt das ab.

Und ist es eigentlich okay, Fachkräfte aus Ländern des globalen Südens abzuwerben, die in Bereichen wie Gesundheit, Bildung und Technologie selbst Engpässe haben? Müsste also nicht viel mehr getan werden für die Integration all jener in den Arbeitsmarkt, die schon in Deutschland leben?

Immer noch müssen Zuwanderer zu lange auf die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse warten, Nachqualifikationen erweisen sich oft als extrem hürdenreich. Immer noch werden in deutschen Firmen ausgebildete und gut integrierte Geflüchtete abgeschoben. Und immer noch scheitern viel zu viele Jugendliche mit Migrationshintergrund im hiesigen Bildungssystem.

Bei der Integration zugewanderter Bürger klaffen Anspruch und Wirklichkeit in Deutschland angesichts leerer Kassen allzu weit auseinander. Das aber ist fatal. Denn Arbeitseinwanderung wird das Land verändern. Die Annahme, „Gastarbeiter“ gingen nach Hause, wenn man sie nicht mehr braucht, hat sich schon einmal als Irrtum erwiesen.

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