Wie geht es weiter? Jetzt spricht die Opti-Geschäftsleitung über Entlassungen und die Zukunft
Dr. Markus Thoennes ist CEO der Opti Group und Director beim Investor Aequita. Anders als die Gewerkschaft sieht er die Verhandlungen als gescheitert an.
Rhauderfehn - In den vergangenen Wochen ging es bei Opti in Rhauderfehn hoch her. Der Kapitalgeber Aequita, der Opti im Sommer 2023 übernommen hatte, kündigte die Kündigung von weiteren 25 Mitarbeitern an. Seitdem stand Opti mit der Arbeitnehmerseite und der Gewerkschaft in Verhandlungen. Die sind laut Dr. Markus Thoennes, CEO der Opti Group (Geschäftsführer), „nach aktuellem Stand gescheitert“.
Am 1. September 2023 übernahm Aequita die Opti Gruppe von Opti Rhauderfehn als mittelständisches Unternehmen. „Seitdem haben wir intensiv daran gearbeitet, die Eigenständigkeit hinzukriegen und Opti Rhauderfehn zu entwickeln. Dazu gehören Produktentwicklungen, Vertriebsaktivitäten, Einkaufsverbesserung, strukturelle Anpassungen“, so Thoennes. „Diese Aktivitäten zeigen positive Wirkung. Opti Rhauderfehn hat sich in einen zukunftsfähigen Arbeitsmodus entwickelt, trotz schwieriger Marktbedingungen wie der generellen Konjunktur und der Krise in der Automobilindustrie.“
Nun habe sich jedoch eine neue Situation ergeben. Mit dem Auftragsverlust eines der größten Kunden verliere das Unternehmen 26 Prozent des Umsatzvolumens. Das mache weitere Kapazitätsanpassungen – sprich Kündigungen – notwendig, damit der Betrieb zukunftsfähig bleibe. „Die Mitarbeiter wurden frühestmöglich und mit großer Transparenz darüber informiert“, betont Thoennes.
Es geht um 90 Arbeitsplätze und den Standort Rhauderfehn
Ausschließliches Ziel sei die Sicherung der danach verbleibenden 90 Arbeitsplätze – und der Zukunft des Standortes „trotz schwieriger externer und konjunktureller Rahmenbedingungen“. Die Geschäftsführung, so Thoennes, kämpfe für den Standort und eine tragfähige Lösung. „Und sie hat im Rahmen der finanziellen Leistungsfähigkeit Konzepte vorgelegt.“
Die Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite sieht der Geschäftsführer nach aktuellem Stand gescheitert. Die Lage sei kritisch – finanziell und zeitlich. Der Arbeitgeber rufe deshalb die Einigungsstelle an, „um eine Rettung und damit Zukunftsperspektive des Unternehmens herbeizuführen“.
Gewerkschaft will weiterverhandeln
Ganz so sieht es die IG Metall nicht: „Nach unserer Auffassung sind die Verhandlungen noch nicht in Gänze gescheitert. Es sind noch zwei oder drei Dinge offen, auf die wir Antworten erwarten“, sagt Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg. Zum einen sei die Gewerkschaft der Meinung, dass Kurzarbeit eine Möglichkeit sein könnte, den finanziellen Engpass abzufedern. „Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen.“ Und: Die Arbeitnehmerseite möchte ein Zukunftskonzept vorgelegt bekommen.
Dass der Arbeitgeber eine Einigungsstelle hinzuziehen möchte, ist ihm bekannt. Aus seiner Sicht müsse man zuvor aber noch einmal an den Verhandlungstisch: „Wir warten da täglich auf einen Termin.“
Kein „Sterben auf Raten“
Derweil verwehrt sich der Aequita-Director gegen den Verdacht der Gewerkschaft, der Kapitalgeber sei eine „Heuschrecke“ und wolle den Betrieb in Rhauderfehn abwickeln, um Gewinn einzufahren.
„Der Gesellschafter hat Opti im Jahr 2023 gekauft, Opti Germany wird als eigenständiges Unternehmen geführt. Seitdem wurde mit massiver finanzieller und nicht-finanzieller Unterstützung aus der Opti-Gruppe an der Zukunftsfähigkeit von Opti Rhauderfehn gearbeitet“, hebt Thoennes hervor. „Es erfolgt eine starke operative Einbindung von Gesellschaftern und Geschäftsführung, in den letzten vier Wochen wurden beispielsweise über 50 Kundentermine auf Geschäftsführungsebene wahrgenommen.“
Ein „Sterben auf Raten“ der Gesellschaft mache keinerlei Sinn und sei nicht Ziel der Gesellschafter. Im Gegenteil: „Es wurde bereits gezeigt, dass der Standort nach jahrelangen Verlusten wirtschaftlich arbeiten kann.“