Konsumkritik Kauf-Nix-Tag – zwischen Kauflust und -frust
Am letzten Novemberwochenende locken satte Rabatte zum „Black Friday“. Während sich Händler mit Sonderangeboten überbieten, ruft der „Kauf-Nix-Tag“ dazu auf, das eigene Konsumverhalten zu überdenken.
Ostfriesland - Einen ganzen Tag lang nichts kaufen? Klingt machbar – wird allerdings schwierig, wenn Schaufenster und Online-Shops an diesem Tag vor Angeboten explodieren. Am letzten Freitag im November ist „Black Friday“, der Tag nach dem nordamerikanischen Erntefest „Thanksgiving“, an dem traditionell das Weihnachtsgeschäft beginnt.
Und obwohl in Deutschland die wenigsten Menschen Thanksgiving feiern, ist der schwarze Freitag in den vergangenen Jahren auch zu uns herübergeschwappt – und hat damit die ungehemmte Schnäppchenjagd eröffnet. Voriges Jahr gaben Menschen hierzulande allein online rund 5,9 Milliarden Euro beim Black Friday aus, so die Statistikplattform „Statista“.
Shopping-Diät aus Kanada
„Alles ist darauf angelegt, heute, jetzt, hier, sofort etwas zu kaufen“, befand der kanadische Künstler Ted Dave vor drei Jahrzehnten – und rief 1992 den „Buy Nothing Day“ („Kauf-Nix-Tag“) ins Leben. Der konsumkritische Aktionstag fällt dort und in den USA bewusst auf den Black Friday. In Europa findet der Kauf-Nix-Tag einen Tag später, am letzten November-Samstag, statt. Wie der Name sagt, soll man an diesem Tag eine Shopping-Pause einlegen und sich stattdessen Gedanken um das eigene Konsumverhalten machen. Ziel ist es, am Ende nur noch das zu kaufen, was man wirklich braucht und damit Ressourcen, Umwelt und Klima zu schonen.
Das Problem: Eine Shopping-Diät fällt uns schwer. Denn Einkaufen verschafft uns ein gutes Gefühl, insbesondere dann, wenn wir glauben, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Nicht selten folgt auf dieses Glücksgefühl jedoch ein böses Erwachen. Wir haben in der Redaktion herumgefragt, welchen Rabattaktionen die Kollegen in jüngster Zeit auf den Leim gegangen sind und welche Käufe sie bereut haben.
Marion Janßen, Redakteurin
Genauso gruselig, wie sie auf dem Verkaufsbild aussieht, ist diese elektrische Mückenfalle in Wirklichkeit. Das Höllengerät hielt im Sommer in unserem Haushalt Einzug. Es sollte im Urlaub das Zimmer mückenfrei halten. In der Beschreibung stand etwas von ruhigen Nächten ohne piesackende Quälgeister.
Der größte Quälgeist ist aber das Gerät selbst. Es leuchtet durch die geschlossenen Augen und macht in Abständen ohrenbetäubend „Peng“. Dann ist ein Tier hineingeflogen und verbrutzelt. In der Regel waren das aber Motten, die vom Licht angezogen wurden. Die Mücken haben uns trotzdem gefunden. Sie orientieren sich nämlich mithilfe von Kohlendioxid und Schweißgeruch. Das habe ich später nachgelesen. Zu spät. Falls eine Theatergruppe mal „Frankenstein“ aufführt, kann sie sich melden: Das Gerät passt bestimmt gut in die Requisite.
Dirk Hellmers, Redakteur
Seit Jahren möchte ich die Harry-Potter-Filmreihe mal wieder sehen. Die Filme rund um den jungen Zauberer habe ich zuletzt vor 15 Jahren im Kino und auf DVD angeschaut. Mittlerweile habe ich dafür keine Abspielgeräte mehr. Wann immer die Filme im Streaming waren, habe ich sie verpasst.
Nun waren sie beim Black Friday zum digitalen Kauf angeboten worden. Nur noch 30 Euro, also mehr als die Hälfte weniger als sonst. Da habe ich natürlich zugeschlagen und mich über das Schnäppchen gefreut. Zumindest 24 Stunden lang. Am nächsten Tag kündigte Netflix an, die Filme ab Dezember anzubieten. So war der Kauf plötzlich eine überflüssige Ausgabe.
Karin Lüppen, Redakteurin
Black Friday, Kauf-drei-zahl-zwei oder Nur-noch-zwei-vorrätig: Gegen solche „Angebote“ bin ich immun. Anders sieht es bei Rabattgutscheinen aus. Darauf bin ich in jüngster Zeit gleich zweimal reingefallen. Denn die „Gutscheine“ waren mal wieder an einen Mindesteinkauf geknüpft. Prompt bestellte ich nicht fünf teure Riesen-Zierlauche wie geplant, sondern neun. Ob es sich gelohnt hat, wird sich hoffentlich im Frühjahr zeigen.
Bei einer anderen Bestellung ließ ich mich sogar ohne Mindesteinkauf dazu verleiten, noch eine Blumenvase zu nehmen. Aber wie sagte Marilyn Monroe: „Die Entscheidung ,Ach, was soll’s?‘ ist meistens die beste.“
Henrike Gerdes, Auszubildende
„Lauf’ nicht zum Drogeriemarkt, sondern renn’.“ Diesem Aufruf in den Sozialen Medien bin ich leider schon viel zu oft gefolgt und habe dabei eine ganze Menge Geld gelassen. Entgegen meinen Erwartungen, dass bestimmte Produkte endlich meine täglichen Probleme lösen, haben sie nur das „Problem“ eines zu schweren Portemonnaies gelöst.
Egal, ob Lippenstifte, die sogar bei heftigerem Knutschen noch perfekt sitzen, oder Spray, das die lockigen Haare glättet – viele der Produkte halten längst nicht, was sie versprechen. Und das, obwohl sie alles andere als günstig waren. Die meisten der Pflegeartikel waren High-End-Produkte: Da kostet ein Haarspray gerne mal 30 oder ein Mascara 15 Euro. Wenn sie sich dann als Flop herausstellen, tut es schon irgendwie weh.