Auricher Markthalle  Ein Wintergarten für das Café Extrablatt?

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 28.11.2024 18:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auf der Südseite der Markthalle könnte im kommenden Jahr ein Pavillon errichtet werden. Foto: Romuald Banik
Auf der Südseite der Markthalle könnte im kommenden Jahr ein Pavillon errichtet werden. Foto: Romuald Banik
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Diskutiert wird in der Stadt derzeit über einen möglichen Anbau für die Auricher Markthalle. Ein Wintergarten könnte entstehen. Das sorgt für Ärger.

Aurich - Wachsen könnte die Auricher Markthalle in den kommenden Monaten. Denn das Café Extrablatt, das dort einziehen möchte, plant, einen Pavillon an das Gebäude anzubauen. Dieser Wintergarten soll eine Grundfläche von sechs mal 20 Metern haben und an der Südseite der Halle angebaut werden. Damit würden die bislang vertraglich zugesicherten Außensitzplätze überdacht. Das Problem dabei: Mit so einem Pavillon ginge Platz verloren, der dann bei Veranstaltungen wie dem Weinfest, dem Stadtfest oder auch dem Weihnachtszauber für Buden oder Fahrgeschäfte fehlen könnte.

Für das Vorhaben gibt es seitens des Investors noch keine Bestätigung. Carsten Dreyer, Expansionsleiter der Gastronomiekette, war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dennoch regt sich bereits Widerstand gegen ein solches Projekt. Arno Fecht, Vorsitzender des Vereins Auricher Altstadtgastronomie, hat die Nachricht von Bürgermeister Horst Feddermann bei einer gemeinsamen Sitzung mit dem Kaufmännischen Verein, der Altstadtgastronomen sowie der Stadtverwaltung erhalten. „Wir waren sehr überrascht“, sagt Fecht auf Anfrage unserer Redaktion. Es handele sich aber nur um eine Anfrage, es sei noch kein Beschluss gefallen, sagt Fecht, der auch für die FDP im Auricher Rat sitzt.

Kaufleute sehen Vorhaben kritisch

Fakt sei, dass das Café Extrablatt die Fläche auf der Südseite der Markthalle gepachtet habe für eine Außenbewirtschaftung. Das gelte auch während der großen Veranstaltungen, die regelmäßig auf dem Marktplatz stattfänden. „Aber eine Bestuhlung ist flexibler als ein starrer Pavillon“, so Fecht. Stühle könne man in Absprache mit dem Café Extrablatt auch ein wenig zur Seite rücken. Bei einem Wintergarten ginge das eben nicht. Fecht hält es daher für keine gute Idee, die Halle auf diese Weise zu vergrößern. „Der Marktplatz ist groß, aber nicht unendlich.“

Auch Udo Hippen, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, sieht ein solches Vorhaben kritisch. Ursprünglich sei immer davon die Rede gewesen, dass der spätere Betreiber zwar auf die Fläche vor der Halle, kommuniziert wurde die Größe der einstigen Kogge in der Tiefe und dann die Breite der Markthalle, fest zugreifen könne, dort aber eine Terrasse mit mobilen Seitenwänden entstehen solle. Von Seiten der Stadt sei gesagt worden, dass man bei Veranstaltungen wie dem Weinfest oder dem Weihnachtszauber mit dem Betreiber reden könne. „Die jetzige Ankündigung eines festen Vorbaus wirft aus unserer Sicht wichtige Fragen bezüglich des späteren Aufbaus auf“, so Hippen. Er fordert mehr Transparenz von der Stadtverwaltung.

Linksfraktion lehnt Anbau ab

Grundsätzlich bleibe festzuhalten, dass der Kaufmännische Verein die Ansiedlung des Cafés Extrablatt in der einstigen Markthalle als Glücksfall für die Innenstadt ansehe.

Für die Linke im Auricher Rat hat Fraktionsvorsitzender Hendrik Siebolds sich in einer Mitteilung geäußert. „Von einer Überdachung dieser Außensitzplätze ist in den Beratungen und Informationen der Verwaltung bisher niemals die Rede gewesen. Durch die Umbauarbeiten sei die Markthalle schon jetzt an den Seiten breiter geworden und durch die Verkleidung eines Großteils der Glasflächen wirke die Markthalle ohnehin schon viel mächtiger als vorher. Daher lehne die Linke einen Pavillon oder Wintergarten entschieden ab.

Bürgermeister: Es wäre genug Platz vorhanden

Siebolds hatte sich in der Diskussion um die künftige Nutzung der Markthalle schon früh für einen Abriss ausgesprochen, damit für Veranstaltungen und die umliegende Gastronomie mehr Fläche auf dem Marktplatz zur Verfügung stehen würde. „Zusätzlich überdachte Sitzplätze vor der Markthalle, die dann ganzjährig nutzbar sind, würden auch die Konkurrenz zur übrigen Gastronomie verstärken.“ Eine solche zusätzliche Nutzung spiegele sich auch nicht im Mietpreis wider, den das Café Extrablatt zahle.

Als großen Fehler empfindet Siebolds es, dass es auf der Nordseite der Halle künftig keine öffentlichen Toiletten geben werde. Nur eine Toilette für behinderte Menschen wird dort errichtet. Es sei aber Platz für mehr dort gewesen.

Die Kogge, hier ein Bild aus dem Jahr 2018, ist längst Geschichte. Ihr Bug ragte rund acht Meter über die Markthalle hinaus. Foto: Romuald Banik
Die Kogge, hier ein Bild aus dem Jahr 2018, ist längst Geschichte. Ihr Bug ragte rund acht Meter über die Markthalle hinaus. Foto: Romuald Banik

Bürgermeister Horst Feddermann ist verwundert über die deutlichen Reaktionen zu dem Vorbau. „Es gibt noch keine offiziellen Anträge, nur eine Idee“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Er bestätigt, dass immer die Rede gewesen sei von der Tiefe der früheren Kogge. „Dabei würde es sich dann um etwa acht Meter handeln.“ Die Idee eines Wintergartens oder einer Glas-Pergola gehe nur von einer Tiefe von fünf Metern vor der Halle aus. „Gepachtet wurde vom Extrablatt eine Fläche von sechs Metern mal 20 Meter“, so Feddermann. Weitere 450 Quadratmeter auf dem Marktplatz dürfe das Extrablatt immer dann nutzen, wenn keine andere Veranstaltung, auch nicht der Wochenmarkt, stattfinden würde.

Feddermann hat sich die Aufbaupläne von Stadtfest, Weinfest sowie vom Weihnachtszauber besorgt. In allen drei Fällen, so der Verwaltungschef, gebe es genügend Platz, selbst wenn ein fünf Meter tiefer Vorbau an die Halle gesetzt werden würde. Die beiden Buden, die in diesem Jahr vor der Halle ständen, würden normalerweise an der Seite der Halle platziert. Das aber gehe in diesem Jahr wegen der Bauarbeiten nicht.

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