Hamburg  7000 Clan-Straftaten? Wieso NRW seine eigenen Zahlen kleinrechnet

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 28.11.2024 17:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
NRW-Innenminister Herbert Reul zeigt sich gerne als Vorreiter im Kampf gegen Clan-Kriminalität Foto: Henning Kaiser/dpa
NRW-Innenminister Herbert Reul zeigt sich gerne als Vorreiter im Kampf gegen Clan-Kriminalität Foto: Henning Kaiser/dpa
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Nordrhein-Westfalen gilt als Hotspot für Clan-Kriminalität, Innenminister Herbert Reul zeigt sich gerne als Vorkämpfer gegen die Machenschaften der kriminellen Familien. Doch im Vergleich zu Niedersachsen rechnet NRW seine Zahlen sogar runter.

Kaum ein Politiker hat sich dem Kampf gegen Clan-Kriminalität so verschrieben wie Herbert Reul (CDU). Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen zeigt sich gerne bei Razzien und predigt eine Strategie der „1000 Nadelstiche“. Für Clan-Kriminelle soll NRW ein möglichst ungemütliches Pflaster sein. Das jährlich herausgegebene Lagebild zur Clan-Kriminalität soll die nötigen Argumente für Reuls Kurs bringen. Das sind im Kern: 7.000 Straftaten durch Clan-Kriminelle. Ein neuer Höchststand.

Doch viel bemerkenswerter: In Wahrheit hält das Land NRW seine Clan-Zahlen statistisch klein. Nur wer aus einer türkisch-arabischen Großfamilie stammt, kann in NRW überhaupt zu einem Clan-Kriminellen werden. Nur, wenn Bezüge zum Libanon oder zur Volksgruppe der Mhallami vorliegen. Und nur, wenn dann auch noch der Familienname passt.

Eine Liste mit gerade mal 118 Nachnamen bildet das gesamte Clan-Potenzial in NRW ab. Diese Art der Clan-Bekämpfung ist wirklich grober Unfug. Schon der Begriff „Clan-Kriminalität“ löst bei manchem politischen Gegner reflexhafte Rassismus-Vorwürfe aus.

Aber die Regierung in Düsseldorf macht es Kritikern besonders leicht, den Behörden systemische Diskriminierung vorzuwerfen. Weil sie faktisch gegeben ist. Wer anhand von Familiennamen Kriminelle ins Visier nimmt, also auch die unschuldigen Angehörigen und entfernte Verwandte, betreibt Sippenhaft. Und es ist auch kriminalistisch nicht sinnvoll. Weil man den Begriff der Clan-Kriminalität ganz anders fassen kann. Aus anderen Regionen der Welt sind ganz ähnliche Strukturen bekannt: Westbalkan und Syrien beispielsweise. Niedersachsen macht es vor, nimmt Menschen jeder möglichen Herkunft in seine Statistiken auf, nicht mal eine Verwandtschaft muss gegeben sein, um dennoch als krimineller Clan zu gelten. Die niedersächsische Vorgehensweise wirkt zuweilen diffus, sie weitet aber den Blick und gibt Behörden weit mehr Möglichkeiten, gezielt zu ermitteln.

In NRW macht Clan-Kriminalität gerade mal 0,5 Prozent der Gesamtkriminalität aus. Trotzdem findet durchschnittlich jeden Tag mindestens eine Razzia im Land statt. Bei einem solchen personalintensiven Kurs ist es nicht vertretbar, dass Clan-Kriminelle den Behörden durchs Raster rutschen – nur weil sie die falsche Nationalität haben.

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