Neuer Job im Emsland Emder Polizistin überwindet Essstörung und hilft anderen
Seit Jahren kämpft die frühere Emder Kripo-Beamte Ellen Lammers mit einer Essstörung. Bald will sie wieder in den alten Beruf zurück. Doch zunächst hat sie eine neue Herausforderung gefunden.
Emden/Rastdorf - Seit fast vier Jahren kämpft Ellen Lammers aus Rastdorf im Landkreis Emsland mit einer Essstörung. Bald will sie wieder in den alten Beruf zurück. Vorab hat sie die Stelle als Gleichstellungsbeauftragte in der Samtgemeinde Werlte übernommen – und auch da hat sie einiges vor.
Sie möchte in ihrem neuen Job gern möglichst vielen Menschen helfen, sagt Ellen Lammers. Die 36-Jährige ist die neue Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Werlte, und seit etwa einem halben Jahr im Amt. Ihre erste größere Aktion hat sie unlängst zum Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen am 25. November initiiert.
Neue Bank auf dem Marktplatz in Werlte bietet Hilfe bei Gewalt
Lammers hat, mit der Hilfe einiger Sponsoren, eine orangefarbene Bank auf dem Marktplatz aufstellen lassen. Die Farbe Orange symbolisiere dabei eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen, wie Lammers erklärt. Bei ihrer Arbeit in Werlte gehe es auch um Hilfestellungen bei Gewalt, jedoch nicht nur bei Frauen. „Auch Männer erfahren häusliche Gewalt“, meint die Rastdorferin. Grundsätzlich seien alle Bürger willkommen, auch die, die sich diskriminiert oder gemobbt fühlten.
Ganz wichtig sei dabei für Betroffene der erste Schritt: „Sich trauen“, sagt Lammers, die ergänzt: „Die Probleme sind nicht einfach weg, nur weil man nicht mehr darüber spricht.“ Ihrer Meinung nach „kann nur jeder selbst seine Situation verändern, auch wenn die Konsequenzen manchmal hart sind“. Doch genau diese Konsequenzen dürfe man nicht fürchten.
Essstörung wird bei Ellen Lammers aus Rastdorf lebensbedrohlich
Denn Lammers selbst weiß genau, wovon sie spricht. Vor knapp vier Jahren war sie es selbst, die sich eingestehen musste, dass sie an einer Essstörung leide. Sie hatte immer mehr Gewicht verloren, „äußerlich ließ es sich auch nicht mehr verbergen“, so die 36-Jährige, deren Situation sogar lebensbedrohlich wurde. Die Polizeibeamtin, die damals bei der Kripo in Emden tätig war, machte reinen Tisch, bekannte sich zu ihrer Krankheit und begab sich in Therapie.
Die Auswirkungen ihres mutigen Handelns ließen nicht lange auf sich warten. Eine langjährige Beziehung ging in die Brüche, auch der Job bei der Polizei wurde auf Eis gelegt. So zog sie zurück in die Heimat nach Rastdorf, fand zurück ins Leben. Mittlerweile geht es Lammers wieder gut, sie möchte im kommenden Jahr wieder bei der Polizei durchstarten. Denn der Verlust der Arbeit war für sie das Schlimmste, wie sie sagt.
„Mit Helfersyndrom geboren“
Schon „mit Helfersyndrom geboren“, wie sie schmunzelnd sagt, war es ihr immer wichtig, sich um andere zu kümmern. Das macht sie nun in ihrer Funktion als ehrenamtlich Gleichstellungsbeauftragte. Immer montags, mittwochs und freitags ist sie von 12 bis 14 Uhr im Pavillon am Marktplatz in Werlte anzutreffen - auch in Zukunft, wenn sie ihre Arbeit bei der Polizei wieder aufnimmt. Telefonisch ist sie dann unter 05951/2010 erreichbar.
Wer sich nicht gleich zu einem persönlichen Gespräch traut, kann auf der neuen, orangefarbenen Bank eine Tafel mit telefonischen Ansprechpartnern finden, die Hilfe geben oder vermitteln können. Auch hier rät Lammers allen Betroffenen, den Mut zu fassen und sich zu melden: „Verändern kann sich das Leben nur, wenn man handelt.“