Landwirtschaft im Wandel Auf diesem Hof in Pilsum dreht sich alles um Käse
In der Serie „Landwirtschaft im Wandel“ stellen wir Betriebe und die Menschen dahinter vor. Für Folge sechs haben wir den Käsehof von Dirk und Claudia Berkhout in Pilsum besucht.
Pilsum - Kuh- oder Ziegenkäse mit Gartenkräutern, Nüssen, Senf oder weihnachtlich mit Feige-Nuss. Besonders beliebt: der Pilsumer Leuchtturmkäse mit roten Streifen aus würziger Paprika und Knoblauch. Bei Familie Berkhout in Pilsum dreht sich alles um den Käse. Wer es über den etwas holprigen Wirtschaftsweg zu ihrem Betrieb geschafft hat, wird im Hofladen mit einer großen Käseauswahl belohnt. Dirk und Claudia Berkhout halten die Kühe und Ziegen selbst, aus deren Milch sie mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Käse herstellen und vermarkten.
Den Käsehof Rozenburg gibt es in seiner jetzigen Form seit fast 40 Jahren. Dirk Berkhouts Eltern waren bereits in den 60er Jahren aus Rozenburg in der niederländischen Provinz Holland nach Ostfriesland ausgewandert und hatten 1973 die jetzige Hofstelle bezogen. Damals noch als kleinerer Milchviehbetrieb ohne Käse. „Mein Vater hatte immer den Traum, selber Käse zu machen“, sagt Dirk Berkhout. Weil er sich in den 80er Jahren zunehmend darüber ärgerte, dass die Molkerei zu wenig für seine Milch zahlte, wagte er den Schritt und verwirklichte seinen Traum. Nach einer entsprechenden Weiterbildung meldete er 1985 die Käserei an. Dirk und Claudia Berkhout übernahmen den Betrieb 2000 und bauten den Hofladen aus.
Jeder Käse ist Handarbeit
Über ihren geliebten Käse können die beiden viel erzählen. Im großen Reifungslager, „dem Heiligtum“, liegen die Laibe auf Holzregalen. Meterweise Käse in vielen Formen, Farben und Sorten. Jeder Laib ist Handarbeit und Handwerk pur. Im Nebenraum produzieren die beiden langjährigen Mitarbeiterinnen gerade die nächste Charge, der Zutritt ist dort aus Hygienegründen nur mit spezieller Kleidung und Schuhen möglich.
Der Geschmack ihrer Produkte ist das, womit sie ihre Kundinnen und Kunden überzeugen können. „Nur über Qualität kann man punkten“, sagt Claudia Berkhout. Für die Käseproduktion ist es deshalb sehr wichtig, dass es den Tieren gut geht und dass sie gutes Futter bekommen. Ist das Futter schlecht, macht sich das später im Geschmack des Käses bemerkbar, besonders bei dem Ziegenkäse. Der muss, anders als viele annehmen, nämlich nicht streng schmecken, sondern kann auch ganz mild sein. „Wir kaufen keine Milch zu, wir brauchen ja eine bestimmte Qualität“, sagt Dirk Berkhout. Auf mehr als 80 Hektar bauen sie das Futter für ihre Tiere selber an.
Blauzungenkrankheit bereitet Betrieben Sorge
Eigentlich müsste ihr Käselager zu dieser Jahreszeit deutlich voller sein, sagt Claudia Berkhout. Wegen der Blauzungenkrankheit haben ihre Kühe in den vergangenen Wochen deutlich weniger Milch gegeben, einige Kühe und (ungeborene) Kälber aus ihrer Herde sind sogar gestorben. Das hatte und hat zum einen direkte Auswirkungen auf die Käseproduktion: Weniger Milch bedeutet weniger Käse. Für die Herstellung eines 5-Kilo-Laibes Käse sind 50 Liter Milch notwendig. Gleichzeitig ist es als Landwirt auch emotional belastend, wenn man sieht, dass es den eigenen Tieren schlecht geht. Es sei ihnen wichtig, ihren Tieren viel Tierwohl zu ermöglichen, sie in den Sommermonaten etwa möglichst viel nach draußen zu lassen. Auch das mache sich in der Qualität und im Geschmack des Käses bemerkbar.
Viele ihrer Kundinnen und Kunden kommen seit 30 Jahren nach Pilsum in ihren Hofladen, zur Hauptsaison sind darunter viele Urlauber. „Wir haben auch einen Versand- und Onlineshop und schicken unsere Produkte teilweise in die ganze Republik“, sagt Claudia Berkhout. Oft könne sie anhand der Adresse schon erkennen, um welchen Kunden oder welche Kundin es sich handelt. Das positive Feedback bereitet ihnen auch nach all den Jahren noch immer große Freude. „Das motiviert total, weiterzumachen“, sagt Dirk Berkhout.
Sohn steht schon in den Startlöchern
Bei all den Auflagen und Hindernissen, die es in der Landwirtschaft gebe, sei die Freude an dem Beruf essenziell. „Landwirte machen das von Herzen“, sagt Claudia Berkhout. Sie fasziniert nach wie vor die Lebendigkeit ihres Berufs: „Die Tiere sind lebendig, der Käse ist lebendig.“ Ob ihr 25-Jähriger Sohn den Betrieb einmal übernehmen wird, steht aktuell zwar noch nicht fest. Aber: Er hat eine landwirtschaftliche Lehre gemacht, ist nun auf dem Betrieb seiner Eltern angestellt und kümmert sich mit seinem Vater vor allem um die Tiere und das Grün- und Ackerland. Hobbymäßig hat er noch eine kleine Angus-Rinderzucht aufgebaut – das Fleisch wird wie der Käse und weitere regionale Produkte im Hofladen vermarktet.
Um den Menschen die Landwirtschaft und die Käseproduktion näher zu bringen, bietet Familie Berkhout regelmäßig Führungen auf ihrem Betrieb an. Das kommt im Sommer vor allem bei Touristen gut an, die dann nach einem Besuch im Hofladen in der angrenzenden Cafeteria auch einen Kaffee trinken und Kuchen essen können.