Archäologen überrascht  Ungewöhnliche Funde auf der Japaninsel in Emden

| | 03.12.2024 14:27 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Grabungsleiterin Claudia Neutzer bei der Grabung auf der Japaninsel in Larrelt. Fotos: Ostfriesische Landschaft
Grabungsleiterin Claudia Neutzer bei der Grabung auf der Japaninsel in Larrelt. Fotos: Ostfriesische Landschaft
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Auf der Japaninsel in Emden-Larrelt entsteht ein Baugebiet am Wasser. Archäologen durften in einem Bereich ausführlich graben. Dabei haben sie Spannendes gefunden.

Emden - Bald wohnen Menschen wieder dort, wo schon vor Hunderten Jahren Siedlungen waren, die dann in Vergessenheit gerieten: auf der sogenannten Japaninsel im Emder Stadtteil Larrelt. Ein neues Baugebiet entsteht derzeit auf der komplett vom Larrelter Tief umschlossenen, künstlich angelegten Insel. Die Archäologen der Ostfriesischen Landschaft konnten auf einem Teilbereich des geplanten Baugebiets vor der Erschließung ausführlicher graben – und haben Spannendes gefunden.

Ein mittelalterlicher Kugeltopf wird bei der Grabung auf der Japaninsel geborgen.
Ein mittelalterlicher Kugeltopf wird bei der Grabung auf der Japaninsel geborgen.

„Insgesamt betrachtet sind die Funde von der Japaninsel anders und umfangreicher als das, was wir sonst sehen“, wird Dr. Jan F. Kegler, Leiter des Archäologischen Forschungsinstituts der Ostfriesischen Landschaft, in einer Mitteilung zitiert. Die Grabungen waren am 22. November 2024 nach etwa zweieinhalb Monaten beendet worden.

Was haben die Archäologen gefunden?

Unter anderem wurden fünf vollständig erhaltene Kugeltöpfe aus dem 12. bis 13. Jahrhundert gefunden. „Das ist schon außergewöhnlich, denn zu der Zeit hat man unbeschädigte Gefäße nicht weggeworfen“, erklärt Kegler in der Pressemitteilung. Üblicherweise seien bei Grabungen nur beschädigte Gefäße oder Scherben zu finden.

Überraschend gut erhaltene Tontöpfe und Pferdeschädel wurden bei Grabungen auf der Japaninsel gefunden.
Überraschend gut erhaltene Tontöpfe und Pferdeschädel wurden bei Grabungen auf der Japaninsel gefunden.

Außerdem kamen bei der Grabung zwei Pferdeschädel ohne weitere Knochen oder Unterkiefer zu Tage. „Die Schädel sind da nicht einfach reingeschmissen, sondern sorgsam in einer Grube übereinandergelegt worden“, wird Claudia Neutzer, Archäologin bei der Landschaft und Leiterin der Grabung, in dem Schreiben zitiert. Anfängliche Vermutungen, dass es sich bei den ungewöhnlichen Funden um Grabbeigaben gehandelt haben könnte, bestätigten sich nicht.

Worauf deuten die Funde hin?

„Möglicherweise haben wir mit den Kugeltöpfen eine Vorratsgrube gefunden, die aus irgendwelchen Gründen aufgegeben oder vergessen worden ist“, vermutet Kegler. Denkbar sei auch, dass die Besitzer nicht mehr an ihre Töpfe herangekommen sind. Denn die Grabungen fanden unter schwierigen Bedingungen statt: „Teilweise sprudelte uns das Wasser ab einer Tiefe von 20 bis 30 Zentimetern entgegen“, so Neutzer. Die Kugeltöpfe hätten sich in einer Tiefe von rund zwei Metern auf dem Boden eines senkrechten Schachtes befunden. „Die Grube könnte aber auch ein Brunnen gewesen sein“, mutmaßt Neutzer.

Viacheslav Hladkyi (von links), Johann Arends, Claudia Neutzer, Dr. Jan F. Kegler und Taras Khromushyn zeigen die ungewöhnlich gut erhaltenen Kugeltöpfe aus dem Spätmittelalter und einen Pferdeschädel, die bei den Grabungen auf der Japaninsel gefunden wurden.
Viacheslav Hladkyi (von links), Johann Arends, Claudia Neutzer, Dr. Jan F. Kegler und Taras Khromushyn zeigen die ungewöhnlich gut erhaltenen Kugeltöpfe aus dem Spätmittelalter und einen Pferdeschädel, die bei den Grabungen auf der Japaninsel gefunden wurden.

Ungewöhnlich sei auch die Form der mittelalterlichen Kugeltöpfe. Die Gefäße seien leicht eiförmig und nicht – wie zu erwarten – kugelrund. „Dies könnte darauf hindeuten, dass sie nicht aus der Gegend stammen“, so Kegler. Ansonsten fanden die Archäologen beispielsweise ein paar Lederreste, Glasreste, einen Knopf und eine Perle. Hinweise auf frühere Gebäude ergab die Grabung nicht. Trotzdem sind sich die Archäologen sicher, Ausläufer der Wurt Larrelt gefunden zu haben. Weitere Erkenntnisse erhofft Jan Kegler sich von der noch anstehenden Auswertung und Bearbeitung der Funde.

Wie geht es auf der Japaninsel weiter?

Die Erschließungsarbeiten sind in vollem Gange. Im Frühjahr soll die Erschließungsstraße fertig sein, sagte Gerhard Ludolph als Geschäftsführer der Sparkassen-Tochter Emden Bau und Boden (EBB) vor Kurzem im Gespräch mit dieser Zeitung. Bis zu 30 Grundstücke sollen dann am Wasser entstehen. Bei der Bebauung sollen Einfamilienhäuser und ein paar Reihenhäuser dominieren. Am südlichen Rand der Insel sind auch zwei Grundstücke für jeweils ein Mehrparteienhaus vorgesehen. Etwa 20 Grundstücke gibt es bereits auf der Japaninsel. Das jetzige neue Bauland war vorher als landwirtschaftliche Fläche genutzt worden, doch der Betrieb ist umgezogen.

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