Hamburg  Eskalation auf der Ostsee? Warum Besonnenheit diesmal eine gute Idee ist

Karolina Meyer-Schilf
|
Von Karolina Meyer-Schilf
| 05.12.2024 19:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein NH90-Bordhubschrauber der Fregatte „Nordrhein-Westfalen“ sollte sich ein russisches Schiff bei Bornholm offenbar näher ansehen – und bekam als Antwort rote Signalmunition. Foto: dpa/Stefan Puchner
Ein NH90-Bordhubschrauber der Fregatte „Nordrhein-Westfalen“ sollte sich ein russisches Schiff bei Bornholm offenbar näher ansehen – und bekam als Antwort rote Signalmunition. Foto: dpa/Stefan Puchner
Artikel teilen:

Ein russisches Schiff soll einen deutschen Marinehubschrauber mit Signalmunition beschossen haben. Während sich das Verteidigungsministerium bedeckt hält, brodeln Gerüchte und Spekulationen.

Ein russisches Schiff beschießt einen deutschen Marinehubschrauber mit Signalmunition – eine Eskalation auf der Ostsee? So klangen die ersten Meldungen. Ausgeplaudert hatte den Vorfall als erstes nicht Verteidigungsminister Boris Pistorius, sondern Außenministerin Annalena Baerbock am Rande eines Termins in Brüssel. Das Verteidigungsministerium gibt sich in dieser Sache seither schmallippig.

Tatsächlich ist noch viel zu wenig über die genauen Umstände bekannt, um den Vorfall sicher einzuordnen. Wie hat sich der Hubschrauber verhalten, wie das Schiff? Wie weit waren beide voneinander entfernt? Wie hat die Besatzung des Hubschraubers den Abschuss der Signalmunition aufgefasst – und wie war er gemeint? All das weiß derzeit niemand. Ob man nun von einer Eskalation sprechen muss, ist deshalb höchst zweifelhaft.

Mit der Kommunikation im Luftraum und auf See ist es außerdem immer so eine Sache. Es gibt übliche Verfahrensweisen und auch Verhaltenskodizes, die verschiedene Eskalationsstufen demonstrieren. Solche eingeübten Standardszenarien kann man über der Ostsee etwa immer dann beobachten, wenn mal wieder ein russisches Flugzeug mit ausgeschaltetem Transponder, also ohne Signale zu senden, in NATO-Luftraum eindringt. Dann steigt die Alarmrotte aus zwei Eurofightern auf und begleitet den Eindringling so lange, bis er eben wieder weg ist.

Klar: Unter besten Freunden passieren solche Kabbeleien eigentlich nicht. Aber Russland und die NATO sind eben alles andere als beste Freunde. Wegen ein bisschen Signalmunition aber steht auch nicht der Dritte Weltkrieg bevor. Besonnenheit, um hier einmal das arg strapazierte Kanzlerwort zu verwenden, ist deshalb angebracht – und feine Antennen dafür, ab wann eine Eskalation wirklich beginnt.

Ähnliche Artikel